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Aus der Stadt Hannover sucht Abkühlung
Hannover Aus der Stadt Hannover sucht Abkühlung
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13:13 03.08.2013
In der Bar „Schöne Aussichten“ klettert das Thermometer auf 40 Grad. Quelle: Hagemann
Hannover

Radfahrer stoppen zehn Meter vor der roten Ampel: Hier steht ein Baum, der die Hitze dämmt. Fußgänger wechseln auf die abgedunkelte Straßenseite. In den Straßencafés bleiben – ganz untypisch – die sonnenbeschienenen Plätze frei.

Die gefühlte Temperatur liegt sogar bei mehr als 40 Grad. Wenig Wind und hohe Luftfeuchtigkeit sind Schuld. Viele Menschen suchen die Nähe zum Wasser. Das Lister Bad platzt aus allen Nähten, im Maschseestrandbad dagegen ist noch Luft, und das kühle Nass des Pferdekopfbrunnens auf der Lister Meile genießt die vierjährige Viola zeitweise ganz allein.

Die Eisdielen haben den ganzen Tag gut zu tun, aber lange Schlangen bilden sich nur selten. In der Schwüle dieses Augusttages gewinnt das Fruchteis viele neue Freunde: Melone schlägt Mokka, Waldmeister verdrängt Walnuss.

Hannover schwitzt: Mit 34,4 Grad war der Freitag der bisher heißeste Tag des Jahres. Doch auch das Wochenende lädt zum Badespaß ein.

Auf der Wiese am Weißekreuzplatz thront ein Pärchen im prallen Sonnenschein, trotzt tapfer der Hitze. Sie könnten Frau Weiß und Herr Käseweiß heißen, offenbar wollen sie in aller Schnelle aufholen, was sich viele Tausend Hannoveraner über Wochen und Monate mühsam zusammengebräunt haben. Männer tragen kurze Hosen, Frauen Spaghettikleider, und die Sonnenbrillen, die sonst nur als Modeaccessoire auf dem Kopf klemmen, rutschen an solch einem Sommertag endlich dahin, wo sie hingehören. Auf Augenhöhe.

Fächer bei Nanunana? Sind ausverkauft. Ventilatoren bei Saturn oder Media Markt? Gibt’s nur noch die teuren Modelle. Das kleine Schlemmerparadies für belgische Trüffel in der Limburgstraße hat vorzeitig geschlossen. Im Schaufenster hängt ein Schild: „Aufgrund der im Moment sehr hohen Temperaturen“ habe man nur bis 14.30 Uhr geöffnet. Verständlich: 34 Grad im Schatten würden „Marron au Café“ und „Carre Croquant“ in kürzester Zeit in „Mousse au Chocolat“ verwandeln.

Doch es gibt kühle Inseln in der Stadt. Die Kaufhäuser beispielsweise locken zu einem ausgiebigen Bummel. Ein Geheimtipp ist das Sprengel Museum: Auch hier sind die Räume klimatisiert. Die Pressesprecherin gibt zu, dass die Kühlaggregate eher für den Schutz der Gemälde als das Wohlbefinden der Besucher gedacht sind. An einem Tag wie diesem könnten alle Seiten profitieren – doch es sind deutlich weniger Kunstfreunde unterwegs als sonst, ebenso wie in den anderen Museen. Deutlich weniger Gäste verzeichnet am Nachmittag auch ein Hotspot wie der Beachklub „Schöne Aussichten“ auf dem Dach des Parkhauses Röselerstraße. Wer jetzt in der Kuschelmuschel brät, ist wahrlich hart gesotten.

Erstaunlich: Die Saunen in der Region werden am Freitag genauso gut frequentiert wie sonst. Wer aus dem Dampfbad kommt, empfindet 30 Grad plus wohl als angenehm kühl. Ebenso erstaunlich: Die Rettungsdienste in der Region haben nicht mehr Einsätze als an einem ganz normalen Sommertag zu vermelden, auch in Alten- und Pflegeheimen sind Katastrophenmeldungen Mangelware. Die Medizinische Hochschule zählt sogar weniger Hitzepatienten als an den Vortagen. Die Menschen, vermutet man dort, hätten sich aufgrund der Warnungen offenbar gut eingestellt auf die Tropenwerte.

Und wie geht’s weiter? An diesem Wochenende wird es kühler. Etwas. Das Thermometer klettert „nur“ auf Werte bis 30 Grad. Auch kann es an beiden Tagen nachmittags und abends schauern und gewittern. Doch will man das?

Michael Zgoll, Jörn Kiessler und Mathias Klein

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