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Aus der Stadt Hannover wehrt sich gegen Antisemitismus
Hannover Aus der Stadt Hannover wehrt sich gegen Antisemitismus
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00:27 26.07.2014
„Wir machen uns Sorgen um jüdische Zeitzeugen, die uns besuchen“, sagt Stefanie Burmeister, Leiterin der Gedenkstätte Ahlem. Quelle: Heusel
Hannover

Anders dagegen in Frankfurt oder Essen, wo Juden zum Teil äußerst aggressiv angegangen wurden. „Wir machen uns jetzt Sorgen um unsere jüdischen Gäste aus Israel und den USA“, sagt Stefanie Burmeister, Leiterin der Gedenkstätte Ahlem. Die ehemalige jüdische Gartenbauschule, während der Nazizeit ein KZ-Außenlager, wird am kommenden Freitag feierlich eröffnet. Zeitzeugen sind eingeladen, um den Dokumenten in den Ausstellungsräumen eine Stimme zu geben. „Ich hoffe, dass sie nicht mit Vorurteilen konfrontiert werden“, sagt Burmeister.

Zeitzeugin Ruth Gröne, deren Vater im KZ Ahlem inhaftiert war und später umkam, berichtet von ihren Nachbarn in Ahlem, die Bedenken gegen den millionenschweren Umbau der Gedenkstätte äußerten. „Müsse der so teuer sein?“, hieß es.  Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) hält es für „katastrophal“, wenn in Deutschland wieder antisemitisches Denken entstehe. „Wir haben allen Grund, mit Anschuldigungen gegen Israel besonders vorsichtig zu sein“, sagt er.

Kay Schweigmann-Greve, der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Hannover warnt davor, eine ganze Gruppe unter Generalverdacht zu stellen. „Es sind nicht die Türken oder die Araber, die derzeit mit antisemitische Äußerungen auffallen, sondern einige wenige aus diesen Gruppen.“ Dennoch verfehlten die Äußerungen der muslimischen Antisemiten ihre Wirkung nicht. „Viele Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland machen sich Sorgen nach all dem, was bislang passiert ist“, sagt er. Den Protest des Bundestagsabgeordneten der Grünen, Sven-Christian Kindler, und einigen Mitstreitern am Rand einer Pro-Palästina-Demo am Sonntag hält Schweigmann-Greve für legitim. Die Gruppe um den Abgeordneten hatte eine israelische Flagge hochgehalten und war deswegen attackiert worden. Ein 28-Jähriger wurde bei dem Angriff leicht verletzt.

Die CDU hat im Landtag die antisemitischen Vorfälle zum Gegenstand einer Aktuellen Stunde im Parlament gemacht. Geschäftsführer Jens Nacke zeigte sich schockiert, dass in Göttingen eine israelische Fahne verbrannt wurde, aber die Polizei nicht einschritt: „Das macht wütend, denn in Niedersachsen ist kein Platz für Antisemitismus“, sagt er. Innenminister Boris Pistorius verteidigte das Verhalten der Polizei. Er erklärte, dass die Göttinger Demo nicht von linken Antisemiten angemeldet worden sei. Die Landesregierung arbeite konsequent gegen jegliches antisemitisches Gedankengut, egal, aus welcher Richtung es komme. Nach der jüngsten Eskalation im Nahostkonflikt sei es in Niedersachsen „zu insgesamt 14 anlassbezogenen Versammlungslagen“ gekommen, die die Verhältnisse vor Ort thematisiert hätten.

Von Andreas Schinkel, Tobias Morchner und Michael B. Berger

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