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Aus der Stadt Hannover will „City of Music“ werden
Hannover Aus der Stadt Hannover will „City of Music“ werden
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20:40 26.06.2013
Von Sonja Fröhlich
Foto: "City of Music": Hannover bewirbt sich bei der Unesco.
"City of Music": Hannover bewirbt sich bei der Unesco. Quelle: Thomas
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Hannover

Wie einen Schatz trug André Niemann sie ins Rathaus. Der Chef des Langenhagener Presswerks EDC hatte die 1982 weltweit erste gefertigte CD dabei – auf einem Sockel und mit Glas geschützt. Stellvertretend stand die Scheibe der ersten Stunde mit einem Klavierkonzert von Chopin darauf am Mittwoch für ein Thema, das die Stadt demnächst bewegen soll: Hannover hat sich um den Titel als Unesco-City of Music beworben.

Bereits Anfang Dezember hatten einige Dutzend Musikbegeisterte das Vorhaben beschlossen, Ende 2012 wurde das Konzept präsentiert, dem auch der Rat der Stadt zustimmte. Am Mittwoch nun lag die fertige Bewerbung für das international höchste musikalische Gütesiegel auf dem Tisch der Ratsstube, wo Kulturdezernentin Marlis Drevermann gemeinsam mit vielen weiteren Akteuren das 73 Seiten umfassende Werk vorstellte: „Das ist der nächste große Schritt.“

Drevermann erklärte, es habe Verzögerungen seitens der Unesco in Paris gegeben, weil die offenbar nicht mit einer großen Flut von Bewerbungsanträgen gerechnet habe. Von deutscher Seite soll es bisher aber lediglich die Bewerbung aus Hannover geben. Als „City of Music“ können sich bisher Sevilla, Bogota, Bologna, Glasgow und Gent bezeichnen. Die Kulturdezernentin rechnet Hannover gute Chancen aus: „Wir sind gut vorbereitet und fühlen uns stark.“ Grundlage für die Bewerbung ist eine Studie aus dem Jahr 2009, wonach in Hannover besonders viele Menschen in der Musikbranche beschäftigt sind.

Einige von ihnen füllten am Mittwoch die Ratsstube. Neben EDC-Chef Niemann gehören auch Bürgermeister und Jazzclub-Vorsitzender Bernd Strauch, Klarinettistin Sharon Kam, Sänger Thomas Quasthoff, Musikproduzent Mousse T., Rapper Spax, die Scorpions, aber auch die Professoren Jörg Straube und Raimund Vogels vom Center for World Music der Musikhochschule zu den 15 Botschaftern, die die Bewerbung unterstützen. Außerdem gibt es gut 100 Partner von der A-cappella-Woche über das Fährmannsfest bis zur Villa Seligmann, die künftig gemeinsame Projekte und Foren entwickeln wollen. Die Stadt bezuschusst das Vorhaben mit 30 000 Euro.

Eine fünfköpfige Gruppe, zu der auch Marketingchef Hans Nolte, Hannover-Concerts-Chef Wolfgang Besemer und der Vize-Chef der Musikhochschule, Jann Bruns, gehören, steuert das Projekt. Die Bewerbung trägt den Titel „Eine Großstadtsinfonie in vier Sätzen“, darin: Hannovers musikalische Bildung und Projekte, Vorzeige-Musiker und -Bands, Konzerte, Festivals und Wettbewerbe, Unternehmen und Weltpremieren. Man erfährt, dass bereits die Schellack-Platte (1898), die Langspielplatte (1951) und die Musikkassette (1965) und später das MP3 (1988) in Hannover Weltpremiere feierten, die Techno-Größen Scooter und Timo Maas in Hannover zu Hause sind und es in der Stadt insgesamt 32 Konzertveranstalter gibt.

Wolfgang Besemer ist seit 35 Jahren im Musikgeschäft. Er sagt: „Ich bin überrascht worden, was Hannover musikalisch alles zu bieten hat.“ Ob die Unesco-Entscheider eine ähnliche Meinung haben, wird sich voraussichtlich im Sommer 2014 entscheiden.

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