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Aus der Stadt Hannover wird Hauptstadt der Elektromobilität
Hannover Aus der Stadt Hannover wird Hauptstadt der Elektromobilität
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07:19 27.12.2012
Von Lars Ruzic
An mehreren Stellen in der Stadt sollen Verleihstationen für sogenannte Pedelecs entstehen – also Elektroräder, die Fahrern beim Treten helfen.
An mehreren Stellen in der Stadt sollen Verleihstationen für sogenannte Pedelecs entstehen – also Elektroräder, die Fahrern beim Treten helfen. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Hannover unter Strom: Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe sollen vom kommenden Jahr an die Elektromobilität in der Landeshauptstadt voranbringen. Eine Vielzahl von Partnern aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft werden zur Hannover Messe im April das „Schaufenster Elektromobilität“ öffnen, zu dem die Metropolregion Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg im Frühjahr von der Bundesregierung gekürt wurde. Damit verbunden sind allein Bundessubventionen von bis zu 15 Millionen Euro, die Investitionen der Partner dürften mindestens noch einmal so hoch sein.

„Hannover wird Labor, Fabrik und Bühne der Elektromobilität“, sagt Oberbürgermeister Stephan Weil. Die vielen Projekte würden die Zukunftstechnologie in einer großen Bandbreite präsentieren. Aufgabe der bundesweit vier Schaufenster ist es, in den kommenden drei Jahren die Elektromobilität für die Bürger zunächst in wenigen Regionen erlebbar zu machen. Dabei gehen die Projekte weit über die Anschaffung von Elektrofahrzeugen hinaus. Hier einige Projekte in Hannover im Überblick:

Verleihstationen für E-Fahrräder

An mehreren Stellen in der Stadt sollen Verleihstationen für sogenannte Pedelecs entstehen – also Elektroräder, die Fahrern beim Treten helfen. Das Projekt wird vom Baudezernat, der Hochschule Hannover und der MHH vorangetrieben. Gut 850 000 Euro an Fördermitteln stehen dafür zur Verfügung. Der Betreiber soll per Ausschreibung gesucht werden. Im Sommer könnten die Stationen starten.

Mehr Ladesäulen für die Stadt

Dem bestehenden Ladenetz sollen weitere Säulen hinzugefügt werden, unter anderem in den Parkhäusern der Union Boden. Zudem soll es eine weitere Photovoltaikanlage geben, an der E-Autos ans Netz gehen können. Eine betreibt bereits der TÜV Nord in Döhren. Geplant sind auch Zapfsäulen zum schnellen Laden. Noch ist unklar, wie viele Stationen die Stadt benötigt, um eine funktionsfähige Ladeinfrastruktur bieten zu können. Rund 400 000 Euro Fördergeld sollen vom Land fließen.

Quicar elektrisch

Vom Herbst 2013 an wird Volkswagen seine hannoversche Teilauto-Tochter Quicar mit Elektrofahrzeugen ausstatten – in welchem Ausmaß, ist bislang Geheimnis des Autobauers. VW bringt zunächst den Kleinwagen Up! (Foto) als Elektrovariante, Ende 2013 folgt der E-Golf. Der Konzern will das Geschäftsgebiet gleichzeitig auf Braunschweig und Wolfsburg ausdehnen. Das Quicar-Projekt gilt als teuerstes des gesamten Schaufensters. Hier allein sollen die Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe liegen.

Mobilitätskarte

In der gesamten Metropolregion sollen die Bürger mit einer Karte Busse und Bahnen, Elektroräder, Taxis und Leihautos verbilligt nutzen und bezahlen können. Hier müssen unterschiedlichste Interessen koordiniert werden, mit dem Start der Karte ist wohl nicht vor Herbst 2013 zu rechnen. Grundlage ist die „Hannovermobil“-Karte der Üstra, die das Projekt auch als Konsortialführer betreut. Das Nahverkehrsunternehmen lässt sich überdies bei der Anschaffung von 40 Hybridbussen mit Landesmitteln unterstützen.

Wirtschaft investiert

Johnson Controls baut für mehrere Millionen Euro in Marienwerder eine Fertigungslinie, die sogenannte prismatische Lithium-Ionen-Batteriezellen zu einem Komplettmodul zusammensetzen kann. Die neuen Zellen haben die Form von zwei aneinander gelegten CD-Hüllen und benötigen deshalb weniger Platz im Auto. Die Batterietechnologie ist bis heute der größte Hemmschuh für den Durchbruch der Elektromobilität. Bislang sind die Batterien für E-Autos zu schwer und zu teuer. Windwärts aus Linden errichtet insgesamt 40 Windenergieanlagen, die rechnerisch 100 000 E-Autos mit Energie versorgen können.

Schaufenster Messe

Auf der Hannover Messe soll die „Metropolitan Solutions“ auf eine komplette Halle ausgedehnt werden, um für die Elektromobilität zu werben. Zudem wird die Messe mit Ladesäulen bestückt und bekommt zusätzliche Elektroautos. Intern gilt die Messe auch als eine Art inoffizieller Start für das ganze Schaufensterprojekt. „Bis dahin muss etwas zu sehen sein“, sagte Raimund Nowak, Geschäftsführer der Metropolregion.