Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge
Hannover Aus der Stadt Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:35 02.02.2014
Von Veronika Thomas
Foto: Äußerlich unversehrt dem Krieg entkommen – aber wie steht es um die Seele? Flüchtlinge aus Syrien im September 2013 nach ihrer Ankunft am Flughafen Hannover.
Äußerlich unversehrt dem Krieg entkommen – aber wie steht es um die Seele? Flüchtlinge aus Syrien im September 2013 nach ihrer Ankunft am Flughafen Hannover. Quelle: Dröse
Anzeige
Hannover

Hannover wird Sitz eines Behandlungszentrums für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen. Die Landesregierung will die Einrichtung in diesem Jahr zunächst mit einer Anschubfinanzierung in Höhe von rund 100.000 Euro unterstützen. Jetzt sucht das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFN), das die Trägerschaft übernimmt und seit zehn Jahren für ein solches Zentrum kämpft, nach geeigneten, möglichst zentral gelegenen Räumen in der hannoverschen Innenstadt. „Wir sind sehr froh, dass uns die neue Landesregierung unterstützt“, sagte die hannoversche Rechtsanwältin Susanne Schröder vom Vorstand des Netzwerks. „In anderen Bundesländern sind derartige Behandlungszentren längst fester Bestandteil der Versorgungsstrukturen.“

Seit 2007 betreut das NTFN von Folter und Kriegsfolgen betroffene Flüchtlinge und ihre Kinder in den Räumen des Flüchtlingsrats Niedersachsen in Hildesheim. „Sie sind viel zu klein, außerdem können wir den Bedarf für ganz Niedersachsen hier personell gar nicht decken“, sagt Schröder. Allein im ersten Halbjahr 2013 lag die Zahl der Hilfesuchenden bei 201, davon waren 98 Neuzugänge und 80 Wiederaufnahmen. „Wir haben lange Wartelisten“, sagt Karin Loos, die sich mit einer weiteren Kollegin um die Betroffenen kümmert. „Zeitweilig sind gar keine Neuaufnahmen mehr möglich“, sagt die Sozialpädagogin.

Therapien können in den alten Räumlichkeiten des NTFN nicht angeboten werden, das Netzwerk ist weitgehend beratend, unterstützend und vermittelnd tätig. Zu den Kernaufgaben zählen die Vermittlung von Therapieplätzen an qualifizierte Psychotherapeuten, Dolmetscher und Gutachter in ganz Niedersachsen. „In unserem neuen Behandlungszentrum könnten wir noch in diesen Jahr zusätzlich eine Psychotherapeutenstelle zur Krisenintervention schaffen“, sagt Karin Loos. „Für ein Flächenland wie Niedersachsen sei es wichtig, endlich eine zentrale und gut erreichbare Anlaufstelle zu bekommen.

Finanzielle Unterstützung erhält das NTFN bisher von Spendern und seinen Vereinsmitgliedern sowie dem Europäischen Flüchtlingsfonds und der UNO-Flüchtlingshilfe, allerdings nicht als Dauerfinanzierung, sondern projektbezogen. Neben 39 Einzelpersonen gehören dem Netzwerk zehn institutionelle Mitglieder an, darunter Ärztekammer und Psychotherapeutenkammer Niedersachsen, Amnesty International, der Flüchtlingsrat Niedersachsen, die Psychiatrie des Regionsklinikums Wunstorf, Caritas und IPPNW – Ärzte in sozialer Verantwortung.

Nach Angaben der Sozialpädagogin Karin Loos haben die meisten der hier lebenden Flüchtlinge Folter, Vergewaltigungen und andere Formen psychischer, physischer oder sexueller Gewalt erlitten. Etwa 40 Prozent haben mit posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen, Traumafolge- und Angststörungen zu kämpfen. „Viele Flüchtlingskinder können sich in der Schule schlecht konzentrieren, weil sie unter psychosomatischen Störungen wie Kopf- oder Bauchschmerzen leiden.“ Hinter diesen körperlichen Beschwerden stecke jedoch häufig seelisches Leid.

Aus der Stadt Der Niedersächsische Landtag im Georg-von-Cölln-Haus - Politik im Provisorium
Juliane Kaune 02.02.2014
Bärbel Hilbig 02.02.2014