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Aus der Stadt Leichte Schwere
Hannover Aus der Stadt Leichte Schwere
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00:17 03.09.2014
Von Gunnar Menkens
Foto: Besorgnis oder Begeisterung? Die Hannoveraner sind sich uneinig darüber, was sie vom Sprengel-Neubau halten sollen.
 Besorgnis oder Begeisterung? Die Hannoveraner sind sich uneinig darüber, was sie vom Sprengel-Neubau halten sollen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

Eva Behrens, seit Langem eine Freundin der Kunst, guckt auf den Maschsee, den sie so sehr mag. Sie steht gegenüber, dort, wo bald eine helle Loggia mit großen Fenstern entsteht: mitten in der Fassade des ansonsten recht mono­lithisch wirkenden Blocks des Sprengel-Anbaus. Sonnenstrahlen fallen darauf, gleich sieht alles freundlicher aus. Eva Behrens hatte sich Sorgen gemacht, dass der dunkle Bau die Umgebung dominieren könnte. „Die Betonfassade wirkt schon erdrückend. Aber die Glasflächen lockern alles auf.“ Seit Sonntag hat sie die Hoffnung, dass Museum und Maschsee doch zueinander finden, „wenn sich alles in den Scheiben spiegelt, die Bäume, der See“ und die Fassade lockert.

Sehen Spaziergänger vom Maschsee zur umstrittenen Sprengel-Front herüber, entdecken sie dort 18 Menschen mit weißen und gelben Helmen auf den Köpfen. Es ist die Gruppe mit Eva Behrens in der künftigen Glasloggia, die den langgestreckten Riegel auflockern soll. Inzwischen hat sich eine Art Baustellentourismus etabliert, die Termine sind ausgebucht, und manchmal begegnen sich Gruppen in den Gängen wie Stadtbahnen der Üstra. Auch am vergangenen Wochenende waren Mitarbeiter des Museums unterwegs, um Besucher durch den Anbau zu führen.

Sein Äußeres sorgte für ein geteiltes Echo in der Bevölkerung - nun warfen Besucher einen Blick in das Innere des Sprengel-Neubaus.

Volontärin Dörte Wilke führt ihren Kreis entlang von Kabelgewirr, Gerüsten, Quadern mit verpackten Kalksandsteinen und abgedeckten Böden. Ganz unten, im sogenannten Placement, nimmt ein Raum für Veranstaltungen, Tagungen und Feste Gestalt an. Der Blick geht durch viel Glas nach hinten hinaus ins Grüne. Dörte Wilke sagt: „Ohne Ausstellungen zu stören.“

Eine Etage höher sieht man seitlich auf die Fassade. Sie wirke im Moment recht schwer, merkt eine Frau vorsichtig an. Dörte Wilke erklärt, warum das nicht so bleiben werde. Sie beschreibt, dass das Gebäude später den Eindruck erwecken werde, als schwebe es, wenn erst mal der Bauzaun verschwunden sei und Lichtstrahler es von unten beleuchteten. Sie erwähnt die Glasflächen zum See und wie die Fassade an Neubau und Erweiterung des Museums aus den Siebzigern und Neunzigern anknüpfe, mit Beton, Glas, Stahl und Terrazzoboden. Wilke erzählt, wie das Schwere am Ende leicht wird.

Die Gruppe geht durch die künftigen Ausstellungsräume, die durch eine Sichtachse miteinander verbunden, aber doch ein Stück gegeneinander versetzt sind. Es gibt den vom Museum lange ersehnten Platz für Grafik und Fotografie, einen Raum für Schulklassen, dazu Büros, mehr Lagerflächen für Kunstwerke, einen geschwungenen Aufgang für Besucher, der zugleich schwere Lasten tragen kann. Die Klimaanlage wird drei Monate lang getestet, der letzte Hauch von Feuchtigkeit muss heraus sein, ehe das Museum im Anbau Ausstellungen zeigt.

Am Ende der Führung, als Eva Behrens mit einem Gefühl der Hoffnung geht, sagt eine weitere Besucherin: „Ich bin ganz begeistert. Ich empfinde auch die Fassade nicht als bedrückend.“ Der Eindruck des Schwebenden, die Beleuchtung gefalle ihr. Und das herbe Äußere des Gebäudes vermittle, dass Kunst zu schützen sei. Auch vor Licht.

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