Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Hannoveraner schleifen alten LVA-Bau
Hannover Aus der Stadt Hannoveraner schleifen alten LVA-Bau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:41 08.07.2012
Von Conrad von Meding
Foto: An der Erich-Panitz-Straße in Laatzen steht das nach Quadratmetern größte Bürohaus der Region Hannover. Wenn es abgerissen ist, sollen auf dem Gelände Wohnhäuser für bis zu 1000 Menschen entstehen.
An der Erich-Panitz-Straße in Laatzen steht das nach Quadratmetern größte Bürohaus der Region Hannover. Wenn es abgerissen ist, sollen auf dem Gelände Wohnhäuser für bis zu 1000 Menschen entstehen. Quelle: Hagemann
Anzeige
Laatzen

Für das Multimillionenprojekt südlich von Hannover haben sich die Baufirma Wallbrecht und das Immobilienunternehmen Schramm + Schoen zu einer Projektgesellschaft zusammengetan. Frank Siebrecht, geschäftsführender Gesellschafter von Wallbrecht, und Immobilienentwickler Heiko Schramm betonen aber: „Wir werden für das Vorhaben mit etlichen weiteren Firmen zusammenarbeiten.“

Derzeit lässt die DRV für 67 Millionen Euro einen Neubau direkt neben ihrem angestammten Sitz errichten. Nach Plänen des Braunschweiger Büros Struhk entsteht ein zweiteiliger, sechsgeschossiger Baukörper mit lichtdurchfluteten Büros und grünen Innenhöfen. Wenn er 2014 fertiggestellt ist und die Mitarbeiter umgezogen sind, dann schlägt die letzte Stunde der Betonburg.

Allerdings wird diese „letzte Stunde“ lang sein: 18 bis 24 Monate, schätzt Siebrecht, dürfte der Abriss dauern. Das Gebäude ist stabil gebaut, im Inneren ist reichlich Asbest verwendet worden – der Rückbau dürfte anstrengend werden. „Das Projekt ist schon eine besondere Aufgabe, es birgt technisch hohe Anforderungen.“

Die Firma Wallbrecht allerdings ist Herausforderungen gewohnt. In den Anfangsjahren vor über 100 Jahren galt sie als Vorreiterin bei ausladenden Spannbetonbrücken, von ihr stammen das Conti-Hochhaus am Königsworther Platz und das Stadionbad mit seinem geschwungenen Dach. Aktuell baut Wallbrecht unter anderem ein Hotel in Bremen, eine Fabrik in Halle und eine Tiefgarage in Langenhagen. Die Immobilienentwickler von Schramm + Schoen wiederum haben ein Händchen für Brachen.

In Hannover haben sie für Investoren die Vorleistungen etwa bei Abriss und Bebauung des alten Kommunalverbandsgebäudes, des DGB-Betonbaus an der Leine oder der Nachkriegskirche in der Hedwigstraße gemanagt. „Uns interessieren atypische Objekte, deren Flächen sich für neue Nutzungen eignen“, sagt Schramm. Da es in zentralen Lagen ohnehin keine guten Grundstücke mehr gebe, sei Phantasie bei der Behebung von Bausünden gefragt: „Ein Gelände wie das in Laatzen ist eine einmalige Chance.“

Für die Neubauten, die ab 2016 entstehen, gibt es noch keine Detailplanung. Mehrfamilienhäuser mit drei bis sieben Etagen sowie Reihenhäuser sollen das Wohnumfeld prägen, kündigt Stadtrat Albrecht Dürr an. Die Gesamtwohnfläche könne rund 20 000 Quadratmeter betragen. Zur Bundesstraße hin soll ein Lärmschutzwall aufgeschüttet werden.

Keine Ruine wie bei der AOK

„Wir wollten keine Ruine hinterlassen“, verspricht in Laatzen Prof. Ralf Kreikebohm, Geschäftsführer der Rentenversicherung. Mit den Investoren seien „verlässliche Partner gefunden“. Die Verträge sehen eine Frist von maximal 24 Monaten für den Abriss des Gebäudes vor.

Was passiert, wenn solche Klauseln nicht in Verträgen stehen, sieht man am Pferdeturm in Hannover. Dort gammelt die Betonburg nach dem Auszug der AOK vor sich hin. Das Gebäude verfällt, weil die Projektentwickler keine Nachnutzer finden.

Bärbel Hilbig 08.07.2012
Sonja Fröhlich 08.07.2012