Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Hannoveraner siegen bei "Jugend musiziert"
Hannover Aus der Stadt Hannoveraner siegen bei "Jugend musiziert"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:59 27.05.2015
Charlotte Kaiser und David Foremny haben beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Bundesebene gewonnen. Quelle: Marta Krajinović
Anzeige
Hannover

Seit mehr als fünfzig Jahren bietet der Wettbewerb „Jugend musiziert“ Kindern und Jugendlichen mit besonders großem musikalischen Talent die Möglichkeit, ihr Können in professionellem Rahmen zu beweisen. In verschiedenen Kategorien können Teilnehmer solistisch oder im Ensemble in ihrer Meisterklasse antreten, in Tasten und Saiten hauen und erreichen dabei oft ein Niveau, das weit über Amateurkönnen hinausreicht.

Für die 52. Auflage bewarben sich bundesweit rund 20.000 Jugendliche, die sich in 170 Regionalwettbewerben an der ersten Hürde versuchten. 2514 Preisträger dieser Entscheidung qualifizierten sich so für den Bundeswettbewerb, aus Niedersachsen durften 143 Jungmusiker in den Finalrunden antreten.

Anzeige

Ein Jurykreis aus Professoren, Musikerziehern, Dozenten und freischaffenden Musiklehrern aus Deutschland und Europa bewertet die Musiker in den Finalrunden nach einem Punktesystem von zehn bis
25 Punkten. Die Teilnehmer, die in der Wertung die meisten Punkte einholen, werden  im Anschluss an den Wettbewerb für ihre Leistung und ihr Engagement zu Konzertreisen, Meisterkursen sowie in das Landesjugendorchester oder das Bundesjugendorchester eingeladen.

David Foremny

Nervös sei er nicht gewesen und auch sonst wäre das alles eigentlich gar nicht so wild gewesen, meint David Foremny, „aber der Raum, der war richtig cool“, sagt der Zwölfjährige. Der blonde Junge mit der Wuschelmähne und den schneeweißen Stoffschuhen strahlt auch in seinem Auftreten jene Coolness und Gelassenheit aus, mit der er in der Finalrunde des Bundeswettbewerbs die Bühne betreten haben mag.

Seit dem Besuch eines Kinderkonzertes in Berlin vor fünf Jahren ist das Horn aus Davids Alltag kaum mehr wegzudenken. „Nach dem Konzert durfte man alle möglichen Instrumente ausprobieren und das Horn war so ziemlich das coolste“, sagt der Siebtklässler. Einmal wöchentlich kommt der Zwölfjährige ins NDR Funkhaus, um mit Theo Wiemes an seinen spielerischen Fähigkeiten zu feilen. Der Hornist der Radiophilharmonie hat schon viele gute Musiker unterrichtet, einige davon sind im Ensemble der größten deutschen Orchester, „aber so ein Ausnahmetalent wie David gibt es selten“, sagt Wiemes.

Für den entscheidenden Auftritt im Bundeswettbewerb hat David Stücke von Georg Friedrich Händel, Johann Strauss und Bertold Hummel vorbereitet. „Vor allem das Händel-Stück mochte ich gerne, das hatte mir mein Vater mitgebracht“, sagt David. Schon im vergangenen Jahr hatte es der Schüler in der Kategorie der Blasinstrumente bis auf Bundesebene geschafft. In den Jahren davor war er dafür noch zu jung und konnte deshalb nur im Regionalwettbewerb antreten.
Braucht der Siebtklässler von Schule und Musikunterricht einmal Pause, geht er besonders gerne mit Freunden kicken oder schwimmen. Auch wenn bis zum Abitur noch einige Jahre vor ihm liegen, steht der Berufswunsch schon fest:
„Musiker, was anderes kommt mir gar nicht in die Tüte“, sagt David und setzt dazu an, kräftig und gekonnt loszublasen.

Charlotte Kaiser

„Musik fängt da an, wo Worte aufhören“, antwortet Charlotte Kaiser auf die Frage, woher ihre Leidenschaft zum Musizieren gekommen ist. Seit sie fünf Jahre alt ist, spielt die Abiturientin Mandoline – ein Instrument, das manch einer ihrer Mitschüler vielleicht gar nicht kennen mag. Damals veranstaltete die Musikschule Bochum einen Tag zum „Hören und Anfassen“. In einem Alter, in dem andere Mädchen Puppen und Buntstifte vorziehen, begann Charlotte Musik zu machen.

Die 18-Jährige hat ein wahres Mammutprogramm hinter sich. Neben intensiven Proben und dem regulären Musikunterricht musste Charlotte in den vergangenen Wochen auch noch für ihre Abiturprüfungen pauken: Musik, Mathe und Chemie im Leistungskurs, Latein und Geschichte im Grundkurs. „Die vergangenen Wochen waren schon hart. Das Ziel, etwas zu erreichen, hat mich da ganz schön angetrieben“, sagt Charlotte. Abi-Ergebnisse hat sie noch nicht, „aber mein Gefühl sagt, auch das lief ganz gut“, sagt die 18-Jährige.

Bereits als Neunjährige stand sie zum ersten Mal auf der „Jugend musiziert“-Bühne, seitdem hat Charlotte fünfmal solistisch und zweimal im Quartett in der Mandolinen-Wertung teilgenommen. Für ihren Auftritt in der Kategorie der Zupfinstrumente musste die Abiturientin Stücke aus drei Epochen wählen: „Barock, Romantik und Moderne – das ist meine Favoritenmischung“, sagt die Mandolinistin.

Mit den Abi-Prüfungen in der Tasche steuert Charlotte als nächstes die Uni an – Studiengang „Künstlerische und pädagogische Ausbildung“. Beworben hat sich die Hannoveranerin dafür in Kassel und Saarbrücken, bei den dortigen Aufnahmeprüfungen kann sie ihr Programm aus dem „Jugend musiziert“-Wettbewerb vortragen. „Einen Plan B habe ich mir gar nicht erst überlegt“, sagt Charlotte.

Alle Preisträger aus Hannover

Laura Kügler, Querflöte (AG III)

Marie Leinpinsel, Querflöte (AG III)

Lennard Foremny, Fagott (AG IV)

David Foremn, Horn (AG III)

Fabian Hiemsch, Trompete/Flügelhorn (AG IV)

Rasmus Rauterberg, Posaune (AG V)

Charlotte Kaiser, Mandoline (AG VI)

Jan-Aurel Dawidiuk, Orgel (AG IV)

Jeffrey Ji-Peng Li, Klavier vierhändig oder an zwei Klavieren (AG III)

Kaja Hahnheiser, Duo: Klavier und ein Streichinstrument (AG V)

Katharina Molleker, Duo: Klavier und ein Streichinstrument (AG III)

Kaspar Georg Deicher, Duo: Klavier und ein Streichinstrument (IV)

Jan-Aurel Dawidiuk, Duo: Klavier und ein Streichinstrument (AG IV)

Jan-Aurel Dawidiuk, Duo Kunstlied: Singstimme und Klavier (AG III)

Marcel Durka, Duo Kunstlied: Singstimme und Klavier (AG III)

Grace Wen, Duo Kunstlied: Singstimme und Klavier (AG IV)

Johannes Kirchof, Schlagzeug-Ensemble (AG IV)

Levin Fischer, Schlagzeug-Ensemble (AG IV) 

von Nadja Neqqache

Aus der Stadt HAZ-Leserchefredakteure im Interview - „Man muss ganz schön schnell sein“
30.05.2015
Simon Benne 30.05.2015
Jörn Kießler 30.05.2015