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Aus der Stadt Grenzerfahrung in 5300 Metern Höhe
Hannover Aus der Stadt Grenzerfahrung in 5300 Metern Höhe
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00:18 01.09.2014
Von Rüdiger Meise
Foto: Kai Ole Petersen hat die Reise dokumentiert, hier sieht man Aron Anderson.
Kai Ole Petersen hat die Reise dokumentiert, hier sieht man Aron Anderson. Quelle: Kai Ole Petersen
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Plötzlich begann die Luft zu flirren. Die Haare am Kopf von Kai Ole Petersen stellten sich auf, kleine Funken bildeten sich an den Metallteilen an der schweren Bergsteigerausrüstung. Die kleine Gruppe von Bergsteigern um den gehbehinderten schwedischen Sportler Aron Anderson war in einen Gewittersturm geraten, wie ihn der Hannoveraner noch nie erlebt hat. Auf mehr als 4000 Metern Höhe gingen die fünf inmitten einer Wolke, in der sich Blitze aufbauten.

„Alles Metall wegwerfen!“, befahl der Extremsportler und Bergsteiger Johan Ernst Nilson, der die Gruppe anführe. Eispickel flogen in den Schnee, die Gehhilfen, mit denen sich Aron Anderson fortbewegte – und sein Rollstuhl, den Nilson auf dem Rücken trug.

In solchen Momenten fragte sich Kai Ole Petersen, ob es richtig war, sich auf das Abenteuer an Europas höchstem Berg einzulassen. Zwei Menschen sind während des Gewitter am Elbrus vom Blitz erschlagen worden, drei Bergsteiger stürzten wenige Tage zuvor in den Tod. Der 5642 Meter hohe Elbrus ist ein vergletscherter Vulkan im Kaukasus.

Der hannoversche Kameramann Kai Ole Petersen bestieg mit dem schwedischen Rollstuhlfahrer Aron Andersonden den höchsten Berg Europas.

Der 38-jährige Petersen, der als Kreativdirektor bei der hannoverschen Werbeagentur Mediatouch arbeitet, dokumentierte die Expedition mit der Kamera. Das Projekt sollte dem schwedischen Rollstuhlfahrer und vierfachen Paralympics-Teilnehmer Aron Anderson ermöglichen, den Gipfel zu besteigen. Im vergangenen Jahr hatten Anderson und Nilson bereits den höchsten Berg Schwedens, den 2104 Meter hohen Kebnekaise, gemeinsam erklommen. Anderson, der nach einer Krebsoperation im Alter von neun Jahren im Rollstuhl sitzt, geht an Krücken und besteigt den Berg nur mit der Muskelkraft seiner Arme.

Eine Grenzerfahrung sei die Expedition gewesen, sagt Petersen, der zuvor noch nie einen Berg bestiegen hatte. „Sowohl psychisch, als auch physisch und in Sachen Hygiene.“ Die Gruppe ist nur sehr langsam vorangekommen, erzählt er. So erreichten die fünf das Ziel der Expedition – den Gipfel – nicht. Auf einer Höhe von 5360 Metern riet der russische Bergführer zur Umkehr. Um 3.30 Uhr nachts hatte die Gruppe das Zeltlager für den Gipfelsturm verlassen, um 13 Uhr drehte sie um.

Einen Monat lang hatte sich Petersen mit Joggen und Radfahren auf das Abenteuer vorbereitet, keinen Alkohol getrunken und gesund gegessen. So will er es auch im kommenden Jahr halten, wenn Anderson seine Ankündigung wahr macht und einen zweiten Besteigungsversuch wagt. „Solange du nicht aufgibt, hast du nicht verloren“, hat Profi-Bergsteiger Nilson zu Anderson gesagt. „So lange bleiben wir auf dem Weg, dein Ziel zu erreichen.“

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