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Aus der Stadt Hannoveraner und Überlebende gedenken KZ-Befreiung
Hannover Aus der Stadt Hannoveraner und Überlebende gedenken KZ-Befreiung
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22:56 12.04.2010
Von Bärbel Hilbig
Vor 65 Jahren befreiten US-Soldaten das KZ Ahlem. Am Montag gedachten Bürger der Opfer in einem Gottesdienst am Mahnmal Quelle: Nico Herzog

Alles, was heute noch an die ehemaligen Konzentrationslager in Hannover erinnert, lässt nur eine entfernte Ahnung an das Grauen zu, das sich dort abspielte. Das Mahnmal am KZ Ahlem deutet an, was sich dort einst befand: Zwei Betonmauern laufen in einem spitzen Winkel aufeinander zu, der schmaler werdende Weg zwischen ihnen führt ein Stück in die Erde.

„Wir mussten zum Arbeiten in den Stollen, so wie man das hier jetzt sieht. Aber keiner hat gewusst, ob er wieder herauskommt. Jeden Tag hat man Leichen rausgeschafft“, berichtet Moshe Miedzinski. In Ahlem hatte es stillgelegte unterirdische Asphaltgruben gegeben. Auf ihrer Suche nach vor Bombenangriffen geschützten Produktionsstätten war die SS auch auf Ahlem gestoßen. Die Continental Gummiwerke und die Maschinenfabrik Niedersachsen sollten dort Teile ihrer für die Fortsetzung des Krieges wichtigen Produktion unterbringen können.Doch dafür mussten die Stollen erst wieder begehbar gemacht werden. Vor 65 Jahren, am 10. April 1945, befreiten US-amerikanische Soldaten das Lager in Ahlem. Aus diesem Anlass gestalteten engagierte Bürger aus Ahlem gestern einen Gedenkgottesdienst am Mahnmal in Ahlem. Dazu luden sie auch die beiden Überlebenden Miedzinski und Nachum Rotenberg ein.

Für Moshe Miedzinski und seine Familie hatte das Grauen schon lange vorher begonnen. Als die Deutschen 1944 das Ghetto in Lodz auflösten, sah der Jugendliche, wie viele seiner Mitbürger getötet wurden. Die Familie wurde nach Auschwitz deportiert. „Dort haben sie meine Mutter und Schwester und alle ins Krematorium geschickt.“ Mit seinem Vater und weiteren Verwandten wurde Moshe Miedzinski im September 1944 mit rund 1000 polnischen Juden aus Auschwitz in ein Lager der Conti nach Stöcken gebracht. Ende November 1944 führte die SS 750 der Gefangenen nach Ahlem. Sie mussten ein Barackenlager aufbauen, Schutt aus den Stollen schaffen und sie ausbauen. Miedzinski erinnert sich, dass dafür neben Spitzhacke und Schaufel auch Sprengstoff eingesetzt wurde. Viele Häftlinge wurden von herabfallenden Gesteinsbrocken erschlagen.

Nachum Rotenberg war mit seinem Bruder nach Ahlem verschleppt worden. „Mein Bruder starb vor Hunger und Krankheit, wenige Tage, bevor die amerikanische Armee das Lager befreite.“ Er habe damals nicht glauben können, jemals wieder eine Familie, Kinder und Enkel, zu haben, sagte der 81-Jährige, der in Begleitung seines in Belgien lebenden Sohnes zu der Gedenkfeier gereist war. Wie Moshe Miedzinski ging Nachum Rotenberg nach dem Krieg nach Israel, wo beide weiterhin leben.

„Wenn wir heute herkommen, kommen wir zu Freunden, mit einem guten Gefühl“, sagte Miedzinski. Einen großen Anteil daran kommt dem Arbeitskreis „Bürger gestalten ein Mahnmal“ zu, in dem sich vor allem Ruth Gröne und Helmut Kowarsch seit vielen Jahren engagieren. Die Gruppe hatte rund zehn Jahre für die Errichtung des Mahnmals am ehemaligen KZ-Gelände Ahlem gekämpft, bis die Anlage 1994 entstand. Gestern präsentierte der Arbeitskreis ein Modell des Lagers, mit dem das Erinnern sich an etwas Anschaulichem festhalten kann.

Der Architekt Matthias Düsterhöft und der Modellbauer Uwe Strahl haben für den Arbeitskreis ein Modell des KZ-Lagers Ahlem im Maßstab 1:200 angefertigt. Düsterhöft war dafür eigens nach Tel Aviv gefahren und hatte mit den Überlebenden über ihr Schicksal und später auch über das Aussehen des Lagers gesprochen. Ursprünglich hatten Düsterhöft und seine Frau mit der Reise einen Hochzeitstag begehen wollen. Doch durch den Rechercheauftrag entwickelte sich alles anders. „Wir haben die Schicksale gehört. Das hat uns tief bewegt.“ Telefonate mit zahlreichen KZ-Gedenkstätten brachten Informationen.

In Auschwitz war derselbe Typ von „Pferstallbarracken“ verwendet worden. „Ich habe großen Widerstand empfunden, diesen Ort der Sinnlosigkeit, diese Hölle, nachzuzeichnen“, sagte Düsterhöft. Und ein anderes Problem komme hinzu: Das neue Modell wirke sauber. Das Alte, Verschmutzte, Dreckige sehe man nicht. Das Leid muss der Betrachter sich aus anderen Quellen nachvollziehbar machen.

Das Modell bleibt diese Woche noch in der Heisterbergschule stehen, deren Schüler sich seit Jahren in einer Patenschaft um das benachbarte KZ-Mahnmal kümmern. Danach wird es seinen Platz in der Gedenkstätte Ahlem auf dem Gelände der ehemaligen Gartenbauschule finden. Düsterhöft und Strahl haben das Modell aber transportabel gestaltet. „Wir hoffen, dass es auch in Schulen ausgestellt und für den Unterricht genutzt wird“, sagte Düsterhöft.

Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann lobte am Montag das ausdauernde Engagement des Arbeitskreises. „Das Modell macht den Ort anschaulicher und wird das Begreifen dessen erleichtern, was hier geschehen ist.“

Heister-Neumann erinnerte daran, dass die Orte des NS-Terrors lange verdrängt und verleugnet worden seien. In den achtziger Jahren hatten Bürger Gedenktafeln an den Orten in Hannover gefordert, an denen Konzentrationslager lagen. Eine Gruppe von Professoren und Studenten hatte verlässliche Daten über sieben Lager erarbeitet.

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