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Aus der Stadt So liest sich Moby Dick in einem Satz
Hannover Aus der Stadt So liest sich Moby Dick in einem Satz
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17:45 29.11.2016
Anna-Lena Drewes und Sarah Kölbel bringen Bücher der klassischen Literatur in einer mediengerechten neuen Form heraus. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

"Fetter Fisch tötet“ - nur drei Worte fassen einen Literaturklassiker zusammen. Was bei Moby Dick klappt, dass funktioniert mit fast jedem Buch, sagen Anna-Lena Drewes und Sarah Kölber. Die beiden Hannoveranerinnen legen weltberühmte Werke in ihrem kurz Verlag neu auf - und brauchen dafür nur jeweils 24 Seiten.

In nur zwei Minuten schnell mal Herman Melvilles Meisterwerk von Cover zu Cover durchlesen? Mit der Version von Drewes und Kölber ist das kein Problem. Immerhin 84 489 Wörter bleiben dem Leser allein bei Moby Dick erspart. In normaler Schriftgröße sind die Bücher nur etwa eine halbe DIN A4 Seite lang. Die Auswirkung: Der Text ist sachlich, emotionslos, radikal - ein Kommentar auf die schnelllebige Zeit. „Heute muss doch alles schnell gehen“, erläutert Kölber das Konzept. Die Idee dazu hatten die beiden in der Uni: Der Kurz Verlag entstand als Projekt im Studiengang visuelle Kommunikation. „Jeder von uns hat bestimmte Klassiker auf seiner Lese-Liste - und liest sie am Ende doch nicht“, sagt Kölber. Das wollten die beiden ändern. Die liefern alle nötigen Fakten. So heißt es bei Frankenstein: „Ein hässliches, unansehnliches Geschöpf. Zusammengeflickt aus Leichenteilen. Entsetzt über Ausgang seines Experiments. Abgestoßen vom Äußeren der Kreatur. Er flieht. Überlässt Kreatur seinem Schicksal.“

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Aus Stolz & Vorurteil wird „Dumme Jungs, Mädchen Dito“

„Der Charakter des Buchs geht natürlich verloren“, sagt sie. Doch das ist gewollt - immerhin sollen ihre Versionen keinesfalls das Lesen des eigentlichen Buches ersetzten. „Wir wollen eher anregen, wieder Lust auf das Lesen machen“, sagt Drewes. Ihre Bücher seien aber keinesfalls bloße Zusammenfassungen, betonen die beiden. Vielmehr hätten sie die Werke umgeschrieben und vereinfacht - und dabei vor allem auf ein hochwertiges Design Wert gelegt. 95 mal 147 Millimeter sind die Bücher groß - auf dem Cover ist bereits der Inhalt zusammengefasst. „Ein Satz, ein Buch“ ist das Konzept. Die Aufmachung ist an den Inhalt angepasst. So ist das Cover von Moby Dick, das bei den beiden „Fetter Fisch tötet“ heißt, im Wellenrelief gehalten. „Die Form und das Material waren uns sehr wichtig - es geht viel um Design“, sagt Kölber.

Dank Fördermittel aus dem Innovationsfonds Kunst und Kultur der Stadt Hannover haben die beiden nun ihre ersten fünf Bücher gedruckt. Jeweils 1000 Exemplare von „Hässlicher Fehler“ (Mary Shelley - Frankenstein), „Fetter Fisch tötet“ (Herman Melville - Moby Dick), „Liebe ist stärker als Blut“ (William Shakespeare - Romeo & Julia), „Undank ist des Ekels Lohn“ (Franz Kafka - Die Verwandlung) und „Dumme Jungs, Mädchen Dito“ (Jane Austen - Stolz & Vorurteil). Und die beiden haben bereits viele weitere Ideen: Bücher auf Lesezeichen, eine Märchen-Reihe, Fünf Klassiker auf Wunsch und vieles mehr sind denkbar - wenn denn die erste Serie gut ankommt. Die Bücher gibt es ab dem 10. Dezember für 4 Euro oder als Fünfer-Set für 18 Euro im Buchstabenladen Qwertz, Egestorffstraße 6, und bei Decius, Marktstraße 52.

Lisa Malecha

29.11.2016