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Aus der Stadt Hannovers Baudezernat verärgert Investoren
Hannover Aus der Stadt Hannovers Baudezernat verärgert Investoren
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02:15 06.11.2014
Von Andreas Schinkel
Das Nachkriegsgebäude soll umgebaut werden. Der Entwurf für den Umbau fiel in der Bauverwaltung durch – der städtische Bauplan für das Quartier von 1959 lässt das nicht zu.
Das Nachkriegsgebäude soll umgebaut werden. Der Entwurf für den Umbau fiel in der Bauverwaltung durch – der städtische Bauplan für das Quartier von 1959 lässt das nicht zu. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Am liebsten würde er den Papierkram vom Schreibtisch wischen, die Ärmel hochkrempeln und endlich mit den Bauarbeiten beginnen. „Doch so einfach ist das nicht in Hannover“, sagt Samuel Marcheel, Geschäftsführer der Immobilienfirma Areo. 17 Wohnungen will er schaffen in einem leer stehenden, ehemaligen Bürohaus an der Langen Laube, das seiner Firma gehört. Ein Vorhaben, das angesichts eines angespannten Wohnungsmarktes im Rathaus auf Wohlwollen stoßen müsste. Doch seit einem Jahr liefert sich Marcheel einen Papierkrieg mit Hannovers Bauverwaltung. Da geht es um Dachhöhen, Fassadenlinien und der Frage, ob Balkone zur Tiefe eines Gebäudes hinzugerechnet werden dürfen. Marcheel will keineswegs ein Hochhaus an der Langen Laube errichten, fünf Geschosse wie bei den Nachbarhäusern reichen ihm völlig aus. „Wegen der Verzögerungen sind schon sieben Interessenten für unsere Wohnungen abgesprungen“, sagt der Investor. Ob sich das Projekt irgendwann rechne, sei ungewiss.

Der Entwurf für den Umbau des Nachkriegsgebäudes mit Balkonen fiel wegen des städtischen Bauplans für das Quartier von 1959 in der Bauverwaltung durch. Quelle: Areo

Bei Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) wollte der Unternehmer sein Leid klagen, doch der reichte weiter an Baudezernent Uwe Bodemann. „Aus unserer Sicht besteht kein Bedarf, ein Grundsatzgespräch zum Planungsrecht zu führen“, teilte Bodemann in einem Brief mit. Über einzelne Projekte könne man aber jederzeit reden.

Wer sich mit offenen Ohren durch Hannovers Bauwirtschaft bewegt, hört solche Klagen nicht zum ersten Mal. Sie werden meist hinter vorgehaltener Hand geäußert, denn kein Architekt, kein Bauherr will es sich mit der mächtigen Bauverwaltung verscherzen. „Bei Baugenehmigungen gibt es immer Ermessensspielräume, und die können streng oder wohlwollend ausgelegt werden“, sagt Projektentwickler Marcheel. Man kann auf den Zentimeter schauen, Fassadenoptik für wichtiger halten als die Funktion eines Gebäudes - oder ein Auge zudrücken. „Es geht doch zuallererst darum, attraktiven Wohnraum zu schaffen“, meint Marcheel.

Zur Straßenseite darf Das Nachkriegshaus an der Langen Laube zeitgemäß umgebaut werden. Um das oberste Geschoss hatte es bis zuletzt Konflikte gegeben. Quelle: Rainer Surrey

Dem würden Baupolitiker aller Fraktionen im Rat zustimmen. Zugleich ist nicht nur den Kommunalpolitikern, sondern auch den Bauunternehmern klar, dass Stadtentwicklung kein Wildwuchs sein darf. Den Überblick über Ästhetik und Funktionalität muss Hannovers oberster Stadtgestalter, Baurat Uwe Bodemann, behalten. Doch damit nehme er es bisweilen zu genau, so der Tenor aus der Bauwirtschaft.

Als Marcheel und sein Architekt Robert Witt vor gut einem Jahr in der Bauverwaltung fragten, ob sie das Bürogebäude in der Langen Laube 28 sanieren, umbauen und in ein Wohnhaus verwandeln dürften, schien zunächst alles in bester Ordnung. „Wir haben eine positive Antwort bekommen“, sagt Marcheel. Architekt Witt zeichnete die Ausführungspläne, ein Statiker wurde beauftragt, um die Fundamente zu prüfen. Denn man plante, ein sogenanntes Zweidrittel-Geschoss draufzusatteln, um Platz für Maisonette-Wohnungen zu schaffen. „35 000 Euro haben wir allein für den Statiker ausgegeben“, sagt Marcheel. Doch im Februar 2014 teilte die Bauverwaltung mit, dass sie das Haus so nicht genehmigen könne. Man störte sich vor allem am zusätzlichen Geschoss.

Nach der Genehmigung der Änderungen an der Straßenseite, hat die Bauverwaltung jetzt auch die neue Fassadenfront genehmigt. Aktuell steht das ehemalige Bürohaus leer. Quelle: Areo

Marcheel und Witt warfen ihre Pläne über den Haufen und fassten nun Abriss und Neubau ins Auge. Auf der zum Innenhof gerichteten Seite des Gebäudes sollten Balkone angebracht werden. Doch auch hier stellte sich die Bauverwaltung quer. Die Behörde bemängelte eine „Überschreitung der rückwärtigen Baulinie“, wie es in einem Brief des Bauamts heißt. 14,68 Meter darf das Haus an der Langen Laube von der Vorderfront bis zur Hofseite betragen - einschließlich Balkonen. Um 2,50 Meter, eine Balkonbreite, überschreitet der Bauherr diese rote Linie. „Wir wollten etwas mehr Platz für die Wohnungen“, sagt Marcheel. Mit einem Haus von nur zwölf Metern Tiefe sei kaum ein vernünftiger Wohnungszuschnitt zu schaffen, das sähen selbst Mitarbeiter im Rathaus so.

Besonders ärgert ihn, dass sich die Stadt bei ihrer Beurteilung auf Unterlagen aus dem Jahr 1959 beruft. „Diese alten Durchführungspläne behindern die Stadtentwicklung“, sagt Marcheel. Dort seien noch Abmessungen vorgegeben, die nicht mehr mit der Wirklichkeit im Einklang stehen. Innenhöfe, die laut Plan Platz für Gewerbe lassen sollen, seien zum Teil zugebaut. „Die Pläne sollten alle 25 Jahre überarbeitet werden“, sagt Marcheel.

Immer wieder Ärger mit Bauvorhaben

Greift das Baudezernat mit seinen Vorstellungen von Bauqualität und der Forderung nach besonderer Architektur und Planerwettbewerben zu stark in die Rechte von Grundstückseigentümern, von Investoren und Architekten ein?
Immer wieder gibt es Konflikte – nicht immer wollen die Beteiligten aber mit Namen in der Zeitung erscheinen. 2012 hatte sich in Kirchrode viel Ärger angestaut, weil Anlieger in dem Villenquartier rund um die Jöhrensstraße modernistische Neubauten verhindern wollten. Sie fühlten sich von der Verwaltung ausgebremst. Auch der ursprünglich engagierte Architekt erhob schwere Vorwürfe: Der Stadtbaurat habe seinem Auftraggeber geraten, einen anderen Architekten zu beauftragen, wenn die Pläne genehmigt werden sollten.

Tatsächlich ging es mit dem anderen Planer dann schneller – die Anlieger waren trotzdem unzufrieden mit den als klobig empfundenen Neubauten. Am deutlichsten wurde im Konflikt mit dem Stadtbaurat der Chef der Genossenschaft Gartenheim, Günther Haese. Er bezeichnete das Agieren von Uwe Bodemann als „Affenzirkus“, deklarierte seinen Text aber als „Realsatire“.

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