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Aus der Stadt Hannovers Friedensbaby
Hannover Aus der Stadt Hannovers Friedensbaby
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00:15 11.04.2015
Von Simon Benne
„Ich wollte wohl dabei sein“: Heidi Eickhoff vor ihrem Geburtshaus (l.) und als Baby 1945 mit ihrem großen Bruder.
„Ich wollte wohl dabei sein“: Heidi Eickhoff vor ihrem Geburtshaus. Quelle: Rainer Surrey
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„Ich wollte wohl unbedingt bei der Befreiung der Stadt dabei sein“, sagt Heidi Eickhoff und lacht. Ihr Großvater lief damals aus dem Haus, um einen Arzt zu holen - und direkt den Amerikanern in die Arme, die eine strikte Ausgangssperre verhängt hatten: „Sie bedrohten meinen Großvater, der kein Wort Englisch sprach, mit vorgehaltener Waffe“, sagt Heidi Eickhoff. Gottlob sah der Arzt gerade aus seinem Fenster. Er konnte sich mit den Soldaten verständigen - und schließlich das gesunde Baby entbinden. Am 11. April, 6.40 Uhr, kam Heidi Eickhoff in der Limmerstraße 42 zur Welt. Wahrscheinlich als Hannovers erstes Friedensbaby.

„Ich habe es immer als ein großes Glück empfunden, mein ganzes Leben ohne Krieg verbracht zu haben“, sagt die frühere Logopädin und Sonderpädagogin. Tatsächlich hat sie nicht einen einzigen Tag der NS-Diktatur miterlebt, und vielleicht hat kein Hannoveraner länger in Friedenszeiten gelebt als sie.

Gleichwohl prägten die Folgen des Krieges ihre Kindheit: Ihr Vater fiel noch in den letzten Kriegswochen. Ihre Mutter, die Kontoristin Martha Eickhoff, musste ihr neugeborenes Kind als Kriegswitwe alleine durchbringen: „Ich sah als Kind so schmal aus wie eine Spitzmaus“, sagt Heidi Eickhoff: „Andere Hausbewohner spendeten ihre Milchmarken, um mich zu ernähren.“ Dass sie es schaffte, war alles andere als selbstverständlich: Im zerstörten Hannover lag die Säuglingssterblichkeit im April 1945 bei etwa 50 Prozent.

Im Fotoalbum mit den Bildern ihrer Kindheit finden sich Aufnahmen von Trümmern, und wenn die 69-Jährige an damals zurückdenkt, fallen ihr kratzige Pullover ein und das Strickkleid, an das über Jahre hinweg immer wieder neue Maschen angestrickt wurden, weil das Kind ja wuchs. Es sind Erinnerungen an eine harte Zeit - aber eben auch an eine Zeit ohne Krieg: „Ich bin im Frieden geboren“, sagt sie schmunzelnd, „und ich bin auch selbst ein friedlicher Mensch geworden.“

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