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Aus der Stadt Hannovers Grüne und ihre Probleme mit einer Patenschaft
Hannover Aus der Stadt Hannovers Grüne und ihre Probleme mit einer Patenschaft
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09:42 12.04.2010
Gewählt: Thomas Schremmer bleibt im Parteivorstand. Ihm steht als Sprecherin künftig Friederike Kämpfe zur Seite.
Gewählt: Thomas Schremmer bleibt im Parteivorstand. Ihm steht als Sprecherin künftig Friederike Kämpfe zur Seite. Quelle: Behrens
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Bei der Mitgliederversammlung am Sonnabend im Freizeitheim Ricklingen kam ein Antrag der Parteijugend, die Patenschaft zu beenden, zwar nicht zur Abstimmung, fand aber erhebliche Zustimmung. „Die Ausprägung der Patenschaft ist gruselig“, befand der Landtagsabgeordnete Enno Hagenah.

Nach Einschätzung der Grünen Jugend führt die Bundeswehr „Kriege von gestern“, Mitglied Tobias Leverenz, der später als Beisitzer in den Parteivorstand gewählt wurde, sprach sogar von Massenmorden. Vor diesem Hintergrund stößt man sich neben der Patenschaft vor allem am jährlichen Sommerbiwak der 1. Panzerdivision im Stadtpark, bei dem regelmäßig mehrere Tausend geladene Gäste feiern.

„Das ist eine unangemessene Glorifizierung der Bundeswehr“, heißt es in dem Antrag, der ausdrücklich die Unterstützung des hannoverschen Parteivorstands fand, wie Sprecher Thomas Schremmer sagte. Abgestimmt wurde trotzdem nicht, weil sich unter anderem die Ratsmitglieder Lothar Schlieckau und Michael Dette, aber auch Hagenah bemühten, die Angelegenheit zu entschärfen. „Wir dürfen uns nicht verweigern, sondern sollten uns mit der Bundeswehr auseinandersetzen und darum ringen, dass die Patenschaft anders ausgestaltet wird“, sagte Hagenah.

Schlieckau machte darauf aufmerksam, dass hier von der SPD keine Unterstützung zu erwarten sei und die Entscheidung über die Patenschaft letztlich in den Händen von Oberbürgermeister Stephan Weil liege. Letztendlich beschlossen die Grünen mit knapper Mehrheit, nicht über den Antrag abzustimmen, sondern ihn zu vertagen und vorher engagiert darüber zu diskutieren.

Leichter taten sich die Parteimitglieder mit einem ersten Eckpunktepapier zur aufziehenden Kommunalwahl, das unter dem Titel „Veränderung ist Grün“ vorgestellt wurde. Es enthält unter anderem Positionen zu Klimaschutz, Stadtentwicklung und Finanzpolitik, trifft aber keine Aussagen über politische Wunschpartner im Rat. Es wurde ebenso beschlossen wie ein Antrag, in Hannover nach Vorbild der belgischen Stadt Gent einen sogenannten Veggi-Tag einzuführen. An ihm soll in allen öffentlichen und möglichst auch privaten Küchen und Kantinen kein Fleisch auf die Teller kommen.

Zum Abschluss erneuerten die Grünen ihren Vorstand fast komplett. Als Einziger aus dem alten Quintett bleibt Schremmer im Amt. Ihm steht als Sprecherin künftig Friederike Kämpfe zur Seite, die Referentin beim Landtagsmitglied Helge Limburg ist. Kämpfe folgt auf Silke Kleinhückelkotten, die nicht mehr kandidiert hatte. Beisitzer sind mit Leverenz und Neele Rosenberg zwei Studenten, Schatzmeisterin ist nun Barbara David, im Hauptberuf Geschäftsführerin des Verein Violetta gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und jungen Frauen.

Bernd Haase