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Aus der Stadt Hannovers Händler ächzen unter Abwrackboom
Hannover Aus der Stadt Hannovers Händler ächzen unter Abwrackboom
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19:52 13.04.2009
Von Anika Falke
Die Abwrackprämie lässt die Nachfrage nach Gebrauchtwagen rapide sinken.
Die Abwrackprämie lässt die Nachfrage nach Gebrauchtwagen rapide sinken. Quelle: Tim Schaarschmidt
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„Ich bange um meine Existenz“, sagt Resul Coeguer, Geschäftsführer von R&S Automobile. Schon seit Monaten habe er seine Firma, die sich auf den Handel mit kleinen Gebrauchtwagen spezialisiert hat, mit Geld aus privaten Mitteln am Leben erhalten. „Aber im Moment finde ich keine kleinen Autos, die werden alle verschrottet, für kleine Händler ist es im Moment ganz schwer“, sagt Coeguer. Auch Sergej Kollem, Geschäftsführer von Viktoria Automobile, schildert die Lage als dramatisch: „Wir können nicht mehr mithalten, es ist sehr schwer für uns geworden.“

Bundesweit sind die Gebrauchtwagenhändler doppelt von der Abwrackprämie betroffen: Weil viele Autofahrer ihre Fahrzeuge verschrotten lassen, um in den Genuss der Abwrackprämie von 2500 Euro zu kommen, gibt es im Gebrauchtwagenmarkt keinen Nachschub an kleinen, älteren Modellen. Und die Klientel, die früher zu den potenziellen Kunden gehörte, kauft nun Neuwagen. „Der Gebrauchtwagenmarkt hat in den letzten neun Monaten erheblich nachgelassen“, sagt Ansgar Klein, Geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes freier Kfz-Händler. Die Händler hätten Wertverluste bis zu 50 Prozent hinnehmen müssen.

In Hannover haben die Händler sogar noch eine weitere Hürde zu nehmen, sagt Hans-Jürgen Biegalke, Chef von Autoland-Hannover: Autos mit roter und gelber Umweltplakette seien nur für auswärtige Kunden interessant. „Vor allem der Dieselmarkt ist komplett zusammengebrochen“, bestätigt Biegalke. Sein Gesamtgeschäft sei um etwa 25 Prozent rückläufig.

Was das heißt, ist in seinem Geschäft deutlich sichtbar. Nur noch wenige Kunden halten Ausschau nach gebrauchten Fahrzeugen. Als sich jemand seinen Weg durch die angebotenen Autos bahnt, um zu Biegalke zu kommen, hellt sich dessen Miene auf – doch der Mann fragt nur nach dem Weg. Die Abwrackprämie sei gefährlich, sie habe das Gleichgewicht des Marktes durcheinander gebracht, sagt Biegalke. „Alle Leute, die sich jetzt einen Neuwagen kaufen, tun dies nächstes Jahr nicht mehr, das wird ein Riesenproblem“, meint er. Viele Kunden, die einen alten Wagen abwracken lassen, würden sich beim Neukauf übernehmen. Und da die meisten Nutzer der Prämie ausländische Kleinwagen kaufen würde, käme die Regelung nicht einmal den deutschen Händlern zugute.

„Die Abwrackprämie ist nur ein Geschäft für den Staat“, meinen José Luis Llorens von Espal-tec und Thomas Heine vom Autohaus Nikolai Garagen übereinstimmend. „Viele lassen aus Bequemlichkeit Autos abwracken, die viel mehr Wert sind als 2500 Euro“, sagt Llorens. Heine beklagt, dass die Gebrauchtwagenhändler vor allem bei den alten, kleinen Autos keine Chance hätten mitzuhalten: „Wenn wir solche Fahrzeuge in Zahlung nehmen wollen, müssen wir Gewährleistungen bieten und liegen am Ende unter der Prämie.“ Die Folge: Die Verkäufer wracken doch lieber ab. „Und die guten, preiswerten Gebrauchtwagen fehlen auf dem Markt“, sagt Heine. Das bereitet vor allem einer ganz bestimmten Kundenschicht Probleme: „Junge Fahranfänger, die für 3000 Euro einen Gebrauchten suchen, kriegen kaum etwas“, sagt Biegalke.

Auch Selcuk Uzun hat Verständnis für die Probleme der Kollegen: „Für die ist das eine Katastrophe“, sagt der Geschäftsführer von R.I.S. Automobile, der hauptsächlich mit gebrauchten Luxuswagen handelt und deswegen nach eigenen Angaben nicht von den negativen Folgen der Abwrackprämie betroffen ist. „Bei uns läuft alles wie immer“, sagt er als einziger der befragten Händler.