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Aus der Stadt Hannovers Handwerker machen ihrem Ärger Luft
Hannover Aus der Stadt Hannovers Handwerker machen ihrem Ärger Luft
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15:36 19.05.2015
Die Handwerkersunternehmer aus Stadt und Umland fühlen sich von der Stadt allein gelassen und gegenüber anderen Wirtschaftszweigen benachteiligt. Quelle: Symbolbild
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Der Titel der Diskussionsveranstaltung im Neuen Rathaus lautete eigentlich „Mein Hannover 2030 – starkes Handwerk für eine starke Stadt“. Doch von einem starken Handwerk ist laut den Mitveranstaltern, der Handwerkskammer Hannover und der Kreishandwerkerschaft Hannover, nichts zu spüren. Die zehn Redner, allesamt Handwerkersunternehmer aus Stadt und Umland, fühlen sich von der Stadt allein gelassen und gegenüber anderen Wirtschaftszweigen benachteiligt. Dabei ist das Handwerk ein bedeutender Faktor: Rund 31 000 Beschäftigte erwirtschaften in 5100 Betrieben zwei Milliarden Euro Jahresumsatz – allein im Stadtgebiet. Tegtmeyer-Dette sagte während der Veranstaltung: „Wir werden die Wünsche aufgreifen und daraus ein Beteiligungskonzept erarbeiten“, sagte sie.

Die Kritik im Überblick:

  • Bürokratie: Lähmende bürokratische Verfahren sind der Hauptkritikpunkt der ansässigen Unternehmer. „Keine Stadt macht es den Handwerkern so schwer wie Hannover“, wetterte etwa Bäckerei-Unternehmer Gerhard Bosselmann. Er solle Strafe dafür zahlen, dass ein Salat als Feta- statt als Hirtenkäsesalat ausgewiesen sei, seine Fahrer müssten Schulungen machen, wie sie sich im Auto gesund ernähren. „80 Prozent meiner Arbeit verbringe ich mit so einem Schwachsinn“, schimpfte Bosselmann.
  • Standortpolitik: Vielen Unternehmern fehlen innenstadtnahe Flächen für ihre Geschäfte. Susan Jäger, Betreiberin der gleichnamigen Möbelpolsterei in Misburg, kritisiert, dass die Stadt zwar Flächen und Hallen für Künstler, nicht aber für Handwerker zur Verfügung stellt.
  • Steuerlast: Alle kritisierten die hohen Steuern. „Grund- und Gewerbesteuern sind hier sehr hoch“, sagte Kosmetikfilialen-Betreiberin Andrea Thronicke.
  • Infrastruktur: Viele Handwerker haben Probleme, ihre Kunden in der Innenstadt zu erreichen. Die Verkehrsdichte dort sei ein Albtraum, außerdem es gebe zu wenig Parkplätze, meinte etwa Autohändler Fritz Ferdinand Henze.
  • Öffentliche Auftragsvergabe: Kritisiert wurden auch die strengen rechtlichen Auflagen, die die Stadt bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen dazu zwingen, sich für das günstigste Angebot zu entscheiden. „Dadurch wird dem ortsansässigen Mittelstand die Möglichkeit der Wertschöpfung genommen“, sagt Tischler Ralf Klebe. Er schlägt stattdessen vor, gemäß dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung Firmen vor Ort zu berücksichtigen. „Wenn die dadurch mehr Gewinn machen, würde auch die Gewerbesteuer steigen.“
  •  Nachwuchssorgen: Das Handwerk sucht händeringend nach Auszubildenden. Gab es im Stadtgebiet laut Handwerkskammer 1990 noch 22 000 Auszubildende, sind es 2015 weniger als 8500. „In ein paar Jahren werden wir aufwachen und uns fragen: Wer schneidet meine Haare? Wer repariert meine Toilette?“, fragt Ulf Hansen-Röbbel, der einen Solarstrombetrieb leitet.
Michael Zgoll 15.05.2015
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