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Aus der Stadt Der Hund kann ja nichts dafür
Hannover Aus der Stadt Der Hund kann ja nichts dafür
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00:28 19.02.2015
Von Jörn Kießler
Oskars Herrchen weiß, was sich gehört. Beim Spaziergang am Maschsee hat es immer kompostierbare Beutel für die Hinterlassenschaften des Jack Russell Terriers in der Tasche. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Wer in diesen Tagen an der Leine westlich des Maschsees spazieren geht, kann jede Menge stinksaurer Hundebesitzer treffen. Ende Januar entdeckte ein Spaziergänger nicht weit von der Maschseequelle im Gebüsch einen toten Hund. Das übel zugerichtete Tier wurde erschlagen, wie ein Tierarzt später feststellte. „Mit Leuten, die so etwas tun, sollte man genau das Gleiche machen“, sagt eine ältere Frau, die mit ihrem Hund am Ufer unterwegs ist. „Sofort erschlagen!“ Zwei Wochen zuvor hatte ein Tierquäler Hundehalter in der Südstadt in Aufregung versetzt, als er vergiftete Brötchen und mit Schrauben gespickte Wurststücke am Bertha-von-Suttner-Platz auslegte. Drei Tiere mussten daraufhin behandelt werden, weil sie die Köder fraßen. „Das ist schrecklich und hinterhältig“, sagt eine ältere Frau. Immerhin, der Terrier, der am Freitag tot im Maschsee gefunden wurde, wurde offenbar nicht von einem Hundehasser getötet, sondern ertrank. Dennoch ist die Wut der Hundefreunde derzeit groß.

Das ist die eine Seite. Und dann ist da die Sache mit den Haufen. „Selbst ich als Hundebesitzerin würde manchen Leuten, die mit ihrem Hund spazieren sind, ab und an am liebsten die Hände abhacken“, sagt eine Frau. Sie beobachte seit einiger Zeit, dass viele Hundehalter die Hinterlassenschaften ihres Haustieres einfach am Weg liegen lassen. „Das ist ekelerregend und macht auch mich ziemlich wütend“, sagt sie.

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Kaum eine Diskussion wird in der Großstadt derart erbittert geführt wie die um Hunde. Den einen sind sie lieb und wichtig, den anderen gehen sie gehörig an die Nerven, weil sie Fußgänger anspringen und sich auf Bürgersteigen erleichtern. Und dann gibt es Menschen, die legen Giftköder aus.

Hundehalter ekeln sich vor Hinterlassenschaften

Professor Hansjoachim Hackbarth ist Leiter des Tierschutzzentrums der Tierärztlichen Hochschule Hannover und als solcher ganz bestimmt Tierfreund. Aber auch er stellt fest, dass für den Ärger, den Hannovers Hunde auf sich ziehen, Herrchen und Frauchen zu guten Teilen selbst verantwortlich sind. Der Grund, warum die die Hundehaufen nicht selbst wegräumen, sei einfach, sagt Hackbarth: Sie ekeln sich selbst vor den Hinterlassenschaften. Und unterscheiden sich insofern nicht von Nicht-Hundehaltern.

Hackbarth trennt indes sehr sorgfältig zwischen solchen und solchen Hundehaltern. „Den kleinen Teil der Hundebesitzer, die sich nicht an die einfachsten Regeln halten, sollte man aber dennoch drastisch sanktionieren“, sagt er. Die Möglichkeit gäbe es: Versäumt ein Tierfreund, den Kot seines Hundes aufzulesen, könnten die Parkranger, die im Auftrag der Stadt Grünflächen, Parks und Spielplätze beaufsichtigen, ihm ein Bußgeld von 5 bis 5000 Euro auferlegen. Nach Informationen der Stadt passiert das aber nur selten. Meist beschränkten sich die städtischen Angestellten darauf, die Hundehalter zu ermahnen.

„Ich stelle immer wieder fest, dass sich einige Hundebesitzer gar nicht über ihre Rechte und Pflichten informieren“, sagt der Langenhagener Hundetrainer Sven Spitzner. Eigentlich hilft er Hundehaltern in seinen Trainingsstunden, die alltäglichen Probleme im Zusammenleben von Mensch und Tier zu lösen. „Immer wieder merke ich aber, dass manche Hundebesitzer nicht einmal wissen, dass sie einen Sachkundenachweis erbringen müssen, bevor sie überhaupt ein Haustier halten dürfen“, sagt Spitzner. „Dadurch bringen sie andere Tierhalter in Verruf“, sagt Hackbarth. Der Sachkundenachweis, im Volksmund Hundeführerschein, ist seit einigen Jahren Pflicht in Niedersachsen – zumindest für jene Hundehalter, die sich erstmals ein Tier zulegen.

Insgesamt leben nach Informationen der Stadtverwaltung derzeit fast 15.000 Tiere in Hannover. 7,5 Tonnen Hundekot fallen jeden Tag laut Müllentsorger Aha im Stadtgebiet an. Viele Hundebesitzer sammeln diese Hinterlassenschaften ihrer Haustiere beim Gassigehen ein. Immer wieder müssen Aha-Mitarbeiter sie aber auch auf Grünflächen oder aus Gebüschen aufsammeln und entsorgen. Im Sommer vergangenen Jahres führte Aha gemeinsam mit der Stadt bereits zum dritten Mal eine Kampagne gegen Hundekot durch. Auf mehr als 100 Plakaten in der Landeshauptstadt forderte Hund Jessy die Hundesbesitzer mit dem Slogan „Ich mach’s nur mit ...!“ dazu auf, beim Gassigehen immer eine Tüte für den Hundekot dabei zu haben und diese dann in einem der 5000 Papierkörbe im Stadtgebiet zu entsorgen.

Tonnenweise Hundekot

Hunde: In Hannover gibt es derzeit knapp 15 000 bei der Stadt gemeldete Hunde, regionsweit sind rund 45.000 Hunde registriert. Wie viele Hunde bei den Kommunen nicht angemeldet sind, ist unklar. Die gemeldeten Hunde in Hannover verursachen nach einer Berechnung des Abfallwirtschaftsbetriebs Aha täglich Hinterlassenschaften von 7,5 Tonnen, wenn sie nicht aufgehoben werden.
Einnahmen: Die Landeshauptstadt nimmt etwa 2,1  Millionen Euro im Jahr durch die Hundesteuer ein. Die Einnahmen sind allerdings nicht an einen bestimmten Zweck gebunden, wie zum Beispiel die Beseitigung von Hundekot oder die Einrichtung von Hundeauslaufflächen.
Hundesteuer: In Hannover kostet der erste Hund 132 Euro pro Jahr, für den zweiten und jeden weiteren Hund müssen die Bürger jährlich jeweils 240 Euro Hundesteuer bezahlen. Für besonders gefährliche Hunde – wie zum Beispiel sogenannte Kampfhunde – sind 600 Euro pro Hund und Jahr fällig.

Für eine Trendwende in Sachen hündischer Sauberkeit konnte aber auch Jessy nicht sorgen.„Ich beobachte regelmäßig Spaziergänger, die ihren Hund sein Geschäft verrichten lassen und dann einfach weitergehen, als wäre nichts gewesen“, sagt Edda Scholz, die mit Mischling Molly selbst häufig am Maschsee unterwegs ist. Aber muss man deshalb gleich Hunde umbringen?

Hundebesitzer sind Rudeltiere, beim Gassigehen lernt man sich kennen. Und man hilft sich. „Das Verhältnis ist gut“, sagt auch ein 25-Jähriger, der am Maschsee mit seinem eigenen und dem Hund eines Freundes unterwegs ist. „Wenn man etwas gehört hat, wie von den präparierten Ködern in der Südstadt, dann erzählt man das den anderen, damit sie gewarnt sind und die Augen offen halten.“ Und alle sind fassungslos über die Taten der Hundemörder.

„Die Hundebesitzer sollten sich aber auch untereinander beobachten und die schwarzen Schafe aktiv ermahnen, wenn sie den Kot ihrer Hunde nicht aufsammeln“, sagt Hansjoachim Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule. Schließlich gebe es eine klare Gesetzeslage, die auch das Aufsammeln von Kot festschreibt.

Das alles wäre ein Anfang. Um Giftattacken auf Hunde zu vermeiden – und die Nachbarn nicht zu verärgern.

„Der will doch nur spielen“

Herr Prof. Hackbarth, wieso kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen Hundebesitzern und Menschen, die kein Haustier haben?
Das ist leicht zu erklären: Ganz viele Hundebesitzer haben kein Verständnis dafür, dass nicht jeder ein Hundefan ist, gehen sogar eher davon aus, dass das Gegenteil der Fall ist. So entstehen regelmäßig Situationen, mit denen sie sich nicht beliebt machen.
Haben Sie ein Beispiel für so eine Situation?
Ein ganz typisches Beispiel ist das Zusammentreffen von Hundebesitzern, die mit ihrem Tier unterwegs sind, und Joggern. Der Jogger will Hund und Herrchen passieren, und der Vierbeiner springt an ihm hoch oder läuft ihm nach. Mal abgesehen davon, dass der Läufer vielleicht ohnehin Angst vor Hunden hat, ist es ihm lästig. Hundebesitzer strapazieren dann auch noch ganz gerne solche plumpen Sprüche wie: „Der will doch nur spielen“.
Ist das eine Frage der Erziehung der Hunde?
Natürlich. Aber die Erziehung der Hunde hängt ganz stark von ihrem Besitzer ab. Um noch ein Klischee zu strapazieren: Ein Hund ist immer nur so gut wie sein Herrchen. Wenn der Halter sich nicht an Regeln wie den Leinenzwang hält oder nie die Hinterlassenschaften seines Haustiers aufsammelt, ist es gut möglich, dass er auch nicht so viel Wert darauf legt, dass sein Hund sich benimmt.

Hansjoachim Hackbarth ist Leiter des Tierschutzzentrums der Tierärztlichen Hochschule.

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