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Aus der Stadt Ritter am Altar
Hannover Aus der Stadt Ritter am Altar
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17:53 27.09.2014
Von Simon Benne
Foto: Hunderte von Besuchern haben am Sonnabend mit einem Gottesdienst das 150-jährige Bestehen der Hannoverschen Genossenschaft - einer Art Landesverband - des Johanniterordens gefeiert.
Hunderte von Besuchern haben am Sonnabend mit einem Gottesdienst das 150-jährige Bestehen der Hannoverschen Genossenschaft - einer Art Landesverband - des Johanniterordens gefeiert. Quelle: Akbaba
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Hannover

Eigentlich gibt es Ritter nur noch in Geschichtsbüchern und in den Träumen kleiner Jungen. Die Neuzeit hat sie verbannt ins Reich der Drachen und Feen. Eigentlich. "Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass ich einmal mit 250 Rittern über den Marktplatz in die Kirche einziehen würde", sagt Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Lieberman. Und doch ist ihre Kirche jetzt für einen Tag gewissermaßen zur Gralsburg des deutschen Rittertums geworden.

Hunderte von Besuchern haben am Sonnabend mit einem Gottesdienst das 150-jährige Bestehen der Hannoverschen Genossenschaft - einer Art Landesverband - des Johanniterordens gefeiert. Anno 1864 hatte König Georg V. auf Fürsprache seines Staatsministers Ernst von Malortie genehmigt, einen Ableger jenes Ordens zu gründen, den Kreuzfahrer 1099 in Jerusalem aus der Taufe gehoben hatten. Diesen gibt es bis heute: Zu seinen Einrichtungen gehören unter anderem Seniorenheime oder die Johanniter-Unfallhilfe. Und seine Mitglieder firmieren wie ehedem als Ritter.

Der Johanniter-Ritterorden feiert sein 150-jähriges Bestehen.

"Wir haben zwei Aufträge, seit mehr als 900 Jahren", sagt einer von ihnen in der Marktkirche. Seinen schwarzen Ordensmantel ziert das weiße, achtspitzige Kreuz, das an die acht Seligpreisungen aus der biblischen Bergpredigt erinnert. "Die Pflege von Alten und Kranken - und den Kampf gegen den Unglauben." Er räuspert sich kurz: "Heute würden wir natürlich eher sagen: den Kampf für den Glauben."

Die Johanniter sind das evangelische Pendant zu den katholischen Maltesern. Doch konfessionsübergreifend sind Ritter eine geschichtsbewusste Klientel: Als die Johanniter unter Glockengeläut zum Festgottesdienst in die Marktkirche einziehen, gewandet in ihre Mäntel, zu Orgelbrausen und Bläserklängen, wirkt das wie von Wagner persönlich inszeniert. Landesbischof Ralf Meister beschwört in seiner Predigt die Kraft, die aus dem Wissen um die eigene Herkunft erwächst. Dann nimmt Dietrich von Elsner, langjähriger Kommendator der Genossenschaft, neue Mitglieder in den Orden auf: Feierlich hängt man ihnen die Mäntel um, feierlich werden die Knienden gesegnet. Andere bekommen Ehrenritterkreuze verliehen, die auf roten Kissen angereicht werden. Dieser Gottesdienst ist auch ein Hochamt der Form und der Tradition.

Doch zum modernen Rittertum gehört noch mehr: "Mich hat das karitative Engagement des Ordens begeistert", sagt Christof von Borries. Vor zehn Jahren wurde der Lüneburger ein Ritter. Als solcher begleitet er seither die Arbeit der Johanniter-Hilfsgemeinschaft, das Engagement ehrenamtlicher Helfer, die Alte und Kranke besuchen oder sozial schwache Familien unterstützen. Der Ritteralltag kann ganz unromantisch sein und viel Einsatz erfordern. Beworben hatte Christof von Borries sich um den Posten nicht. "Ritter wird man, indem man gebeten wird", sagt der Immobiliensachverständige. Er hatte sich schon lange in der Kirche engagiert, als der Orden ihm die Ehre antrug.

Ritter ist kein Lehrberuf. Die meisten Mantelträger in der Marktkirche haben im Alltag ganz bürgerliche Jobs: Landwirte und Juristen sind unter ihnen, Theologen und Ärzte. Der alte Adel ist nicht unterrepräsentiert. "Anfangs ist man Ehrenritter, nach sieben Jahren kann man zum Rechtsritter aufsteigen", sagt einer von ihnen. In ganz Deutschland hat der Orden 4000 Mitglieder, die Hannoversche Genossenschaft ist mit 400 Rittern die größte. "Sie zählt zu den lebendigsten des Ordens", sagt Oskar Prinz von Preußen, der als "Herrenmeister" eine Art Präsident der Johanniter ist, beim Festakt nach dem Gottesdienst.

In Grußworten würdigen Oberbürgermeister Stefan Schostok und  Klosterkamerpräsident Hans-Christian Biallas das segensreiche Wirken der Johanniter. Auch Sozialministerin Cornelia Rundt findet lobende Worte dafür, dass sich der Orden für Schwache einsetzt. Dann mahnt sie vorsichtig an, dass es "möglicherweise ein Gewinn" für den Orden sein könnte, künftig auch Frauen aufzunehmen. Doch an der Stelle fällt der Beifall eher verhalten aus.

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