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Aus der Stadt Hannovers Kliniken und die "Pille danach"
Hannover Aus der Stadt Hannovers Kliniken und die "Pille danach"
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13:00 19.01.2013
Von Veronika Thomas
In Hannover werden Opfer von sexueller Gewalt in der Rechtsmedizin MHH untersucht. Quelle: HAZ (Symbolbild)
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Hannover

Im Nachhinein soll alles ein Missverständnis gewesen sein. Wie jetzt bekannt wurde, haben zwei katholische Krankenhäuser in Köln einer vergewaltigten Frau die gynäkologische Untersuchung zur Sicherung von Tatspuren verweigert. Sie hatten argumentiert, mit einer solchen Untersuchung sei auch immer ein Gespräch verbunden, in dem auf die „Pille danach“ hingewiesen werde. Das aber sei in katholischen Häusern untersagt. Inzwischen haben sich die Kliniken bei der 25-Jährigen entschuldigt.

Aber auch im hannoverschen Vinzenzkrankenhaus bekäme keine Frau die „Pille danach“ verschrieben, wie der Ärztliche Direktor Jens Albrecht auf Anfrage sagt. „Das Medikament ist in katholischen Krankenhäusern nicht gelistet. Gleichwohl würde keine hilfesuchende Frau im Vinzenzkrankenhaus abgewiesen, sondern bekäme eine Erstuntersuchung und eine Beratung.“

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Allerdings stelle sich eine Situation wie jetzt in Köln geschehen in Hannover gar nicht, weil Opfer von sexueller Gewalt in der Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht würden. Nach Angaben von Prof. Peter Hillemanns, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, meldeten sich Betroffene im Regelfall zunächst bei der Polizei. Die begleitet die Frauen anschließend in die MHH.

Zur weiteren Beweissicherung würden die Opfer sexueller wie auch häuslicher Gewalt in der Rechtsmedizin auf äußere Verletzungen untersucht, in der Frauenklinik folgten weitere Untersuchungen, darunter Abstriche zur Sicherung auch von DNA. „Das Beweissicherungsverfahren der Rechtsmedizin mit Fotodokumentation der Verletzungen, Befragung, Spurensicherung und -aufbewahrung ist ein sehr differenziertes“, sagt Hillemanns. Selbstverständlich bekämen Opfer einer Vergewaltigung die „Pille danach“ verschrieben.

Der Gynäkologe verweist auch auf das vor sechs Monaten an der MHH mit Unterstützung der Landesregierung eingerichtete Netzwerk „Pro Beweis“. Dort erhielten Opfer, die im familiären Umfeld körperlich oder sexuell misshandelt wurden, aber zunächst nicht die Polizei einschalten möchten, eine kostenlose und gerichtsverwertbare Untersuchung. „Dann können sie sich später immer noch entscheiden, Anzeige zu erstatten“, sagt Hillemanns.

Auch in der Frauenklinik des evangelischen Friederikenstifts ist die „Pille danach“ Normalität. „Selbstverständlich erhalten Frauen das Medikament in Notsituationen, nicht nur nach einer Vergewaltigung“, sagt Sprecherin Christel Suppa. Wie „Bonbons“ würden die Pillen aber nicht verteilt. Bevor ein Rezept ausgestellt werde, müssten sich die Frauen von der diensthabenden Gynäkologin beraten lassen, sagt die Kliniksprecherin. So sei das auch mit dem „Notruf Mirjam“ vereinbart, der im Friederikenstift das sogenannte Babykörbchen unterhält.

Volker Goebel 18.01.2013
Andreas Schinkel 18.01.2013