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Aus der Stadt Hannovers Künstler sind Fans des Krümelmonsters
Hannover Aus der Stadt Hannovers Künstler sind Fans des Krümelmonsters
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21:58 30.01.2013
Von Stefanie Nickel
Wer steckt im Krümelmonster-Kostüm? Bekannte Aktionskünstler aus Hannover sind es angeblich nicht. Quelle: Thomas
Hannover

Für Klaus-Dieter Gleitze hat Kunst etwas mit Intervention zu tun, mit einem Vordringen in den öffentlichen Raum. „Das hat manchmal auch eine illegale Komponente“, sagt der Mann vom Künstlernetzwerk „Schuppen 68“. Schließlich gehe es ja darum, Tabus zu brechen und Menschen zum Nachdenken anzuregen. „Es ist endlich mal wieder eine Aktion, die Herz und Verstand anregt“, sagt Gleitze zum Keksklau. Ob er selbst hinter dem Krümelmonsterkostüm steckt? Der Künstler wiegelt ab. „Nein, sicher nicht.“

In der hannoverschen Streetart-Szene gibt es viel Sympathie für die Krümelmonsteraktion. Gewesen sein will es aber niemand. Gleitze allerdings muss zugeben, dass die Aktion ganz gut in das Portfolio der Künstler passen würde. Die „Kunsthausierer“, wie sich Gleitze und seine Kollegen auch nennen, setzen auf künstlerische Interventionen mit sozialem Anspruch. Zur Landtagswahl haben sie Papierblätter mit Begriffen aus den Wahlprogrammen der Parteien auf die Eingangsstufen des Landtags gelegt. Sie wollten damit zum „Nachdenken über die Grundlagen des menschlichen Miteinanders anregen“.

Bei der HAZ ist ein „Erpresserbrief“ eingegangen, in der eine unbekannte Person für die Rückgabe des gestohlenen Bahlsenwahrzeichens die Versorgung des Kinderkrankenhauses auf der Bult mit Vollkornkeksen sowie eine Spende von 1000 Euro für das Tierheim Krähenwinkel fordert.

Gleitze räumt denn auch ein: „So eine Idee hätte durchaus auch in unseren Reihen entstehen können.“ Er selbst stecke zwar nicht hinter dem Krümelmonsterkostüm. Eine Kunstaktion sei es aber gewiss, glaubt Gleitze. „Allein die grafische Umsetzung des Bekennerschreibens deutet darauf hin.“ Ihn erinnert das Schreiben gar an Textcollagen der Dadaisten. „Sie haben witzige, satirische Momente geschaffen, um auf eine soziale Ungerechtigkeit hinzuweisen“, sagt er. „Das gefällt mir.“

Olf von den Streetart-Künstlern „Olf und Lupin“, die ganze Straßenzüge in Linden und in der Nordstadt mit bemalten Kacheln bestückt haben, ist vom Krümelmonster ebenfalls begeistert: „Die Aktion ist nicht eigennützig, und es geht um eine gute Sache“, sagt er. „Eine kriminelle Handlung war das ja nur in Anführungsstrichen.“ Die Reaktion von Bahlsen hingegen findet er etwas spröde: „Bahlsen sollte mal ein wenig Sinn für Humor beweisen“, sagt er. Schließlich seien 1000 Euro keine Belastung für einen Konzern dieser Größe. „Ich verstehe nicht, warum Bahlsen die Chance nicht besser nutzt, um sein Image aufzubessern.“

Dieser Auffassung ist auch Maximilian Mente von der Agentur Kreativnest. „Ich verstehe nicht, warum Bahlsen zuerst so grantig reagiert hat“, sagt er. Vor vier Jahren hatte Mente mit seinem Kollegen Erik Höhn 300 weiße Stoffausschnitte an Straßenschildern, Fahrradbügeln und Treppengeländern in Hannover aufgehängt. Darauf stand abwechselnd die Begriffe „Hoffnung“, „Optimismus“, „Leidenschaft“ und eine Internetadresse, auf der Menschen sich über die Bedeutung von Geld austauschen konnten.

Einzig aus den Kreisen der Künstlergruppe, die über mehrere Jahre hinweg Kirschen in Hannover aufgehängt hat, verlautet Abneigung: „Das ist eine Straftat“, sagt ein ehemaliges Mitglied. „Das wäre für uns nicht infrage gekommen.“

Das sagt die Sesamstraße

Beim NDR in Hamburg will man sich zum hannoverschen Krümelmonster nicht offiziell äußern. „Das ist eine illegale Aktion und letztlich eine Straftat“, sagte eine Sprecherin. „Mit der Sesamstraße und ihrem Krümelmonster hat das nichts zu tun.“ Offiziell ließ der NDR, der für die deutsche Ausgabe der „Sesamstraße“ zuständig ist, das Krümelmonster dann selbst zum Keksklau in Hannover Stellung beziehen: „Das geht mir mächtig auf’n Keks.“

Woher kommt das Kostüm?

Zwischen 60 bis 80 Euro dürften die Erpresser investiert haben, um sich ein Krümelmonsterkostüm zuzulegen. Zahlreiche Internetshops bieten den Dress an. Doch der Aufzug des Bahlsen-Erpressers unterscheidet sich dann doch ein wenig vom Krümelmonster in der Sesamstraße. Die Augen erinnern eher an Kermit. Der Hauptanbieter für das Krümelmonsterkostüm ist die britische Firma Spizzy.

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