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Aus der Stadt Hannovers Notaufnahmen sind überfüllt
Hannover Aus der Stadt Hannovers Notaufnahmen sind überfüllt
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20:39 05.09.2014
Von Michael Zgoll
Foto: In den siebziger Jahren landeten 7.000 Patienten pro Jahr in der MHH-Notaufnahme, 2013 waren es 55.000.
In den siebziger Jahren landeten 7.000 Patienten pro Jahr in der MHH-Notaufnahme, 2013 waren es 55.000. Quelle: Eberstein
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Hannover

In der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) etwa unterscheiden die Notfallmediziner zwischen fünf Kategorien, die die Schwere der Verletzungen bezeichnen. „Nur fünf bis zehn Prozent zählen zur Gruppe eins oder zwei, also zu den echten Notfällen, für die eine Rettungsstelle vordringlich da ist“, sagt Pressesprecher Stefan Zorn. Das andere Ende der Ambulanzpatienten, die Gruppen vier und fünf, mache ungefähr ein Drittel aus: Menschen, die eher unter chronischen als unter akuten Problemen leiden.

Auch die Diakoniekrankenhäuser Henrietten- und Friederikenstift beklagen eine „signifikante Zunahme von Fällen, die eigentlich gar nicht in die Notaufnahme gehören“. Unternehmenssprecher Achim Balkhoff führt dies darauf zurück, dass die Notfallambulanzen zuverlässig 24 Stunden am Tag geöffnet haben; ungeduldige Patienten mit chronischen Leiden, die oft Wochen auf einen Facharzttermin warten müssten, würden gerne auf eine Klinik ausweichen.

Auffällig ist, dass die Wartezimmer der Notaufnahmen gegen Ende eines Quartals oft voller sind als zu Beginn. Manch niedergelassener Arzt, der sein Honorarbudget ausgeschöpft hat und nicht unentgeltlich arbeiten will, schickt seine Patienten einfach ins Krankenhaus. Das Ergebnis ist durchaus beeindruckend: So landeten in den siebziger Jahren 7000 Patienten pro Jahr in der MHH-Notaufnahme, 2013 waren es 55.000. Als Reaktion filtern an der MHH Allgemeinmediziner im Rahmen eines Modellprojekts Patienten aus der Ambulanz heraus, die nur leicht erkrankt oder verletzt sind und keine Notfallversorgung brauchen. Die benachbarte Praxis ist im Wechsel von je einem Arzt besetzt, immer werktags von 10 bis 18 Uhr.

„In die Notaufnahme der MHH kommen jeden Tag 120 bis 180 Menschen, und da haben Patienten mit schweren Blutungen oder Herzinfarkt natürlich Vorrang“, sagt Pressesprecher Stefan Zorn. Das Klinikum Region Hannover (KRH) mit seinen zwölf Häusern will einen Pool von Krankenschwestern und Pflegern einrichten, die im Notfall in den Ambulanzen aushelfen können.

Auch wolle man das hausübergreifende Bettenmanagement verbessern und für eine gleichmäßigere Auslastung sorgen, erläutert Sprecher Bernhard Koch. Es soll verhindert werden, dass sich KRH-Kliniken wegen Überfüllung bei der Leitstelle der Feuerwehr abmelden und bei einem 112-Notruf in der Nachbarschaft keine Patienten mehr aufnehmen können. „Bis diese Reformen umgesetzt sind, wird aber einige Zeit vergehen“, schränkt Koch ein.

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