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Aus der Stadt Plötzlich wohnt Schostok in der Halim-Dener-Straße
Hannover Aus der Stadt Plötzlich wohnt Schostok in der Halim-Dener-Straße
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00:15 31.08.2017
Von Tobias Morchner
Das offizielle Straßenschild wurde überklebt. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Mitten in der Diskussion um die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach dem 1994 getöteten kurdischen Aktivisten Halim Dener sind jetzt kuriose Fakten geschaffen worden - zumindest vorläufig. Unbekannte haben ein Straßenschild in Linden-Mitte mit dem Schriftzug „Halim-Dener-Str.“ überklebt. Aber nicht am Velvetplatz, der in der Diskussion steht, sondern an einem anderen Straßenzug. In der betroffenen Straße wohnt seit einigen Monaten Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD). Der Verwaltungschef, der Anfang des Jahres von der List nach Linden-Mitte gezogen war, ist ein entschiedener Gegner der Benennung einer Straße oder eines Platzes nach dem erschossenen Kurden.

OB nimmt Aktion mit Humor

Die Aktion als solche nehme er mit Humor, teilte der Oberbürgermeister der HAZ mit. „Das Ziel der Aktion sehe ich hingegen bekanntermaßen sehr kritisch“, sagt Schostok. Zu der Frage, ob der Halim-Dener-Schriftzug wieder von dem Straßenschild entfernt werde, wollte er sich nicht äußern. Er habe keine Veranlassung, etwas in dieser Richtung zu unternehmen.

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Immer wieder ungewöhnliche Aktionen 

Es ist nicht das erste Mal, dass Befürworter einer Ehrung des erschossenen Kurden zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. Teilnehmer einer Demonstration während des kurdischen Newroz-Festes nutzen im vergangenen Jahr die Veranstaltung, um am Steintor im Pflaster eine Gedenkplatte für Dener zu verlegen.

Diskussion festgefahren

Die Diskussion über einen Halim-Dener-Platz in Hannover ist inzwischen festgefahren. Der Bezirksrat Linden-Limmer hatte zunächst beschlossen, eine Fläche zwischen Velvet- und Pfarrlandstraße nach dem erschossenen Kurden zu benennen. Oberbürgermeister Schostok hatte daraufhin im Juni die Kommunalaufsicht angerufen. Die Landesbehörde stützte zwar die Auffassung des Oberbürgermeister. Dennoch räumte die Kommunalaufsicht dem Bezirksrat eine Frist bis zum 30. August zur Stellungnahme ein. In seiner Sitzung in der vergangenen Woche sprach sich der Bezirksrat erneut für die Schaffung eines Halim-Dener-Platzes aus.

Ein Polizist hatte am 30. Juni 1994 den 16 Jahre alten Halim Dener beim Plakatieren am Steintor erschossen. Ein Rückblick auf den Fall, der ganz Deutschland bewegete.

Halim-Dener-Platz bereits im Sprachgebrauch

Auch ohne offizielle Benennung taucht die Adresse Halim-Dener-Platz immer häufiger im öffentlichen Sprachgebrauch auf. So laden Plakate in Linden derzeit zu einem Straßenfest gegen Gentrifizierung am Freitag auf den Halim-Dener-Platz ein. Kurdische Musiker aus Diyarbakir organisierten vor Kurzem ein Konzert auf jedem Areal zwischen Velvet- und Pfarrlandstraße. Wie selbstverständlich bezeichneten sie den Ort ihres Auftritts als Halim-Dener-Platz.

Aus der Stadt Ticker am 28. August 2017 - HAZ live: Der Morgen in Hannover
28.08.2017
Bernd Haase 30.08.2017