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Aus der Stadt Hannovers Schulen nur bedingt alarmbereit
Hannover Aus der Stadt Hannovers Schulen nur bedingt alarmbereit
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06:16 29.04.2012
Zuletzt erreichte die Polizei aus der Fichteschule in der Voltmerstraße gleich zweimal ein Amokalarm. Schaarschmidt
Zuletzt erreichte die Polizei aus der Fichteschule in der Voltmerstraße gleich zweimal ein Amokalarm. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Auch die Lehrer haben sich nicht überall auf Ernstfälle eingestellt, obwohl das Kultusministerium seit längerem Notfallpläne und die Bildung von Krisenteams vorschreibt - damit im Fall der Fälle jeder Lehrer weiß, was zu tun ist.

Die Stadt Hannover will alle 110 Schulgebäude mit speziellen Lautsprecheranlagen ausrüsten. Diese verfügen über zwei Mikrofone in zwei unterschiedlichen Räumen. Bisher sind rund die Hälfte der Gebäude so ausgestattet, bis Ende des Jahres sollen es 95 Prozent der Standorte sein. „Die normalen Lautsprecheranlagen funktionieren aber überall“, betont Stadtsprecherin Susanne Stroppe. An den regionseigenen Berufs- und Förderschulen gibt es allerdings an 9 von 39 Standorten bisher weder Lautsprecher noch eine Anlage für ein spezielles Warnsignal.

„Diese Warnmöglichkeit ist aber entscheidend für die Sicherheit von Schülern und Lehrern. Bei der Region scheint es nach Kassenlage zu gehen“, kritisiert CDU-Regionspolitiker Bernward Schlossarek. Der Schulpolitiker hatte das Problem in den vergangenen Jahren immer wieder angesprochen - und auch jetzt eine Anfrage gestellt. NDR Info hat das Thema aktuell für Kommunen in ganz Norddeutschland überprüft. Im NDR-Vergleich liegen Stadt und Region im Mittelfeld: Es ist gewährleistet, dass alle Klassen von innen abschließbar sind. Notfallpläne sind offenbar verbreitet. Die Region will die fehlenden Amokwarnsysteme, für die 1,7 Millionen Euro veranschlagt sind, in drei bis vier Jahren nachgerüstet haben. „Wir verknüpfen das mit ohnehin anstehenden Bauarbeiten“, sagt Sprecher Nils Meyer.

Die Polizei Hannover hat im vergangenen Jahr Datenerhebungsbögen an alle Schulen in Stadt und Umland verschickt. „Wir wollen eine Übersicht, um auf eine Amoksituation reagieren zu können“, sagt Monika Taut, Präventionsexpertin der Polizeidirektion Hannover. Viele Schulen hätten sich inzwischen zurückgemeldet. „Aber es zeichnet sich deutlich ab, dass bisher nicht überall die Bildung eines Krisenteams erfolgt ist“, sagt Taut. Dabei sehe die Polizei gerade darin eine echte Chance, Gefahren frühzeitig zu erkennen. Die Teams aus rund fünf Personen dienen den anderen Lehrern als Ansprechpartner, sobald diese eine auffällige Beobachtung machen. „Da kann es beispielsweise um einen Aufsatz gehen, in dem ein Schüler sich merkwürdig äußert“, sagt Taut. Sie empfiehlt, auch den Hausmeister ins Krisenteam zu holen, weil er sich im Gebäude gut auskennt. „Auch eine Lehrkraft, die weiß, welche Seiten junge Menschen im Internet nutzen, sollte dabei sein“, sagt Taut. In der Vergangenheit hätten Amoktäter oft zuerst in Onlinenetzwerken über ihre Pläne berichtet.

In den vergangenen Monaten hat die Polizeidirektion Hannover in Veranstaltungen Schulleiter und Lehrer über Krisenteams informiert. Nicht alle Schulen folgten der Einladung.

Für die Polizei ist die Zusammenarbeit mit den Schulen wichtig. „Wir sind darauf angewiesen“, sagt Präventionsexpertin Taut. So ist es für die Beamten, die in das Gebäude vordringen, wichtig, dass sie sich dort gut orientieren können. „In manchen Schulen ist das aber gar nicht so leicht.“ Die Räume sollten konsequent durchnummeriert sein. „Ein Raum im Erdgeschoss darf nicht die Raumnummer 116 tragen, die gehört in den ersten Stock“, sagt Taut. Die Beamten, die ein Gebäude im Notfall „durchkämmen“, müssten sich auf Nummerierung und die aushängenden Lagepläne verlassen können. „Sie halten Funkkontakt zu ihren Kollegen. Die Informationen, die sie durchgeben, müssen stimmen“, sagt Taut. In einer Stresssituation könne einer kleiner Fehler schnell zur Katastrophe führen.

Nach den Amokläufen in Erfurt und Winnenden ist nach Angaben der Polizeidirektion heute jeder hannoversche Beamte im Einsatz- und Streifendienst auf Notfälle vorbereitet. „In einer Amoksituation haben wir nicht die Zeit, auf eine Spezialeinheit zu warten“, sagt Taut. 54 Beamte wurden zu sogenannten „Ansprechpartner Amok“ ausgebildet. Die Polizeidirektion Hannover habe dafür eigens den renommierten Experten Frank Roberts engagiert. Die 54 Beamten sind Ansprechpartner der Schulen und bewerten die Ernsthaftigkeit von Amokdrohungen. Monat für Monat kündigen Schüler beispielsweise in sozialen Netzwerken im Internet vermeintliche Bluttaten an - in Hannover hat es sich bisher stets um leere Drohungen gehandelt.

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