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Aus der Stadt Hannovers Uni-Präsident Barke plädiert für Studiengebühren
Hannover Aus der Stadt Hannovers Uni-Präsident Barke plädiert für Studiengebühren
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20:02 09.03.2011
Präsident der Leibniz Universität Hannover: Prof. Erich Barke. Quelle: Martin Steiner

Herr Barke, die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Öffentlichkeit intensiv beschäftigt, vielfach war eine Art antiakademischer Reflex zu spüren. Hat die Hochschullandschaft durch den Betrug mit dem Doktortitel Schaden genommen?
Die akademische Welt ist dadurch nicht wirklich erschüttert worden. Ich glaube auch nicht, dass das öffentliche Ansehen des Wissenschaftsbetriebs und des Doktortitels nun grundsätzlich infrage gestellt sind. Generell besteht allerdings in großen Bevölkerungskreisen eine Distanz zum akademischen Bereich, die nicht so leicht zu überwinden ist. Mir ist es aber ein Rätsel, warum die Doktorarbeit von Guttenberg überhaupt angenommen wurde. Außerdem werden meiner Meinung nach in manchen Disziplinen gute Noten zu freigiebig verteilt.

An der Jura-Fakultät Ihrer Uni gab es eine Affäre um die Vermittlung von Promotionen gegen Geld, ein Professor wurde wegen Bestechlichkeit verurteilt. Wie kontrollieren Sie, dass alles mit rechten Dingen zugeht?
Den Fall darf man nicht mit der aktuellen Diskussion vermischen. Es ging um einen Professor, der sich von einer Promotionsagentur dafür bezahlen ließ, dass er Doktoranden betreute. Das ist ein schweres Vergehen, das entsprechend geahndet wurde; die Kandidaten hatten aber alle ordentliche Arbeiten geschrieben. Bei der Qualitätssicherung hilft uns das Internet. Plagiatsprogramme suchen gezielt nach Übereinstimmungen mit anderen Texten, noch ist das aber kein Standard. Über dieses Thema werden wir künftig mit allen Beteiligten noch intensiver diskutieren müssen.

Die Glaubwürdigkeit der Institution Universität ist eine Seite. Letztlich geht es darum, junge Leute für ein Studium zu gewinnen. Gerade vor dem Hintergrund des doppelten Abitur-Jahrgangs ist jetzt viel von überfüllten Hörsälen, einer Sechs-Tage-Woche für Studenten und Vorlesungen um 22 Uhr die Rede. Ist das Studium noch attraktiv?
Was die überfüllten Hörsäle betrifft, werden wir Lösungen finden, im Notfall auch durch Anmietung von Kinosälen. Natürlich wird es Engpässe geben. Aber ich bin zuversichtlich, dass die 1180 zusätzlichen Studienplätze, die wir in Hannover im Zuge des Hochschulpakts einrichten, ausreichen werden. Grundsätzlich ist die Universität hochattraktiv – weil man hier etwas erreichen kann. Studierende transportieren gern das Bild, sie seien überlastet und hätten keine Freiräume mehr. Erhebungen haben allerdings gezeigt, dass die reine Zeit, die unsere Studierenden fürs Studium aufwenden, nur 20 bis 30 Stunden pro Woche beträgt.

Dann waren die Proteste gegen das verschulte Bachelorstudium und den Studienstress übertrieben?
Aus Sicht der Studierenden hatten sie sicher ihre Berechtigung. Ich habe aber den Eindruck, dass die heutige Generation im Vergleich zu früher einen höheren Freizeitbedarf hat. Studieren ist und bleibt anstrengend. Ein reguläres Studium erfordert einen Zeitaufwand von mindestens 40 Stunden pro Woche, Freiräume muss man sich erkämpfen. Natürlich ist durch den Bachelor das Korsett der Vorgaben enger geworden, vor allem in den Geisteswissenschaften. Unser Präsidium ist mit Lehrenden und Studierenden im Dialog, um Verbesserungen zu erreichen. Übrigens gibt es auch durchaus Studierende, die eine stärkere Strukturierung des Lehrplans wünschen.

Befürchten Sie, dass Studenten abwandern, wenn Niedersachsen neben Bayern und Baden-Württemberg eines der wenigen Länder bleibt, die Studiengebühren erheben?
Das macht mich etwas unruhig. Bei allen Umfragen, die wir gemacht haben, hat sich gezeigt, dass die Gebühren bisher kaum jemanden davon abgehalten haben, hier zu studieren. Das könnte sich aber ändern, wenn jetzt immer mehr Länder auf Studienbeiträge verzichten. Möglich ist das nur, weil der Föderalismus im Bildungsbereich eine bundesweit einheitliche Linie verhindert. Ich habe dafür kein Verständnis. Wie viele Studierende uns durch mögliche Abwanderungen verloren gehen könnten, kann ich nicht beurteilen. Zehn Prozent wären viel, aber vielleicht noch zu verschmerzen. Die jährlich zwölf Millionen Euro, die wir durch Studienbeiträge einnehmen, wären mir wichtiger. Bei den vom Land gedeckelten Budgets geben sie Spielraum für die erforderlichen Qualitätsverbesserungen in der Lehre. Es ist aber schwer, dies Abiturienten vor der Wahl des Studienorts zu vermitteln.

Und wie überzeugen Sie Abiturienten, an der Leibniz-Uni zu studieren?
Bundesweit machen wir beispielsweise Werbung für Fächer wie Geodäsie, Gartenbau und Meteorologie, die bei uns exzellent ausgestattet sind und nur an wenigen Hochschulstandorten angeboten werden. Im Übrigen ist die Leibniz Universität eine Hochschule, an der sich vor allem junge Leute aus der Region Hannover einschreiben. Für sie müssen wir heute wie in Zukunft ein breites Lehrangebot vorhalten. In Umfragen hat sich gezeigt, dass die Heimatverbundenheit sehr groß ist – manche wären sogar bereit, auf ihr Wunschfach zu verzichten, damit sie hier bleiben können. Wir müssen keine Spitzenuniversität sein, damit der Nachwuchs aus der Region zu uns kommt.

Das klingt angesichts des gerade neu gestarteten bundesweiten Exzellenz-Wettbewerbs etwas mutlos.
Keineswegs. Wir haben Spitzenforscher. In der vorigen Runde der Exzellenzinitiative haben die Quantenphysiker mit dem Projekt „QUEST“ überzeugt. Ich bin optimistisch, dass der Folgeantrag ebenfalls positiv bewertet wird. Auch unser Maschinenbau steht im bundesweiten Vergleich ausgezeichnet da. Im Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft belegt er Platz fünf; betrachtet man nur die Produktionstechnik ist es sogar der erste Platz. In der Biomedizintechnik sind Maschinenbauer und Physiker ebenfalls bestens aufgestellt – als Partner im Exzellenzprojekt „REBIRTH“ in der äußerst erfolgreichen Kooperation mit der Medizinischen und der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Gleichwohl gibt es keine neuen Erfolgsmeldungen aus dem Exzellenz-Wettbewerb. Das könnte daran liegen, dass die Leibniz-Uni wegen politischer Vorgaben dieses Mal nur im Verbund mit den Universitäten in Braunschweig und Clausthal als Niedersächsische Technische Hochschule (NTH) antreten durfte.
Die NTH ist mit einer Graduiertenschule weiter im Rennen. Das zeigt, dass die NTH zumindest exzellenzfähig ist. Anzeichen, dass sie die Profilierung der Leibniz Universität behindert, kann ich derzeit nicht erkennen. Sinnvoll an dem Verbund ist es, aus der Konkurrenz zur Kooperation zu kommen. Eine zukunftsfähige Organisationsstruktur haben wir dafür allerdings noch nicht gefunden.

Bedeutet das, dass die drei Unis sich stärker aufeinander zu bewegen müssen?
Das wäre das Ziel, dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Fusion. Wir müssen ein Dach finden, unter das auch die geisteswissenschaftlichen Fächer passen. Es ist nicht glücklich, dass bisher nur die technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen zur NTH gehören, das führt zu einer Zweiteilung der Leibniz Universität. Ein Problem ist auch, dass die Präsidenten der Mitgliedsuniversitäten bei Entscheidungen des NTH-Präsidiums leicht in einen Konflikt zwischen den Interessen der NTH und denen der eigenen Hochschule geraten können.

Welche Alternativen gibt es?
Denkbar wäre ein übergeordnetes Gremium, das vom Ministerium mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet wird und unter Mitwirkung der drei Präsidien Entscheidungen trifft. Wichtig ist mir, dass die Mitgliedsuniversitäten absolut selbstständig bleiben und dass die Einheit der Leibniz Universität nicht angetastet wird. Schließlich ist das Wirgefühl in den vergangenen Jahren meiner Amtszeit gewachsen. Mein erklärtes Ziel ist es, noch mehr interdisziplinäre Forschungsprojekte unserer Fakultäten zu fördern. Ein Beispiel sind innovative Energiekonzepte: Ingenieure und Naturwissenschaftler erforschen technische Fragen – die Geisteswissenschaften nehmen die gesellschaftlichen Folgen in den Fokus.

Die Leibniz-Uni ist durch die Namensgebung in der Stadt zu einer Marke geworden. Die NTH kennt kaum jemand.
Das kann sich ja noch ändern. Ich bin aber sehr froh, dass es gelungen ist, unsere Universität in der Stadtgesellschaft fest zu verankern. Dazu hat auch Oberbürgermeister Stephan Weil beigetragen, der sich sehr für den Wissenschaftsstandort Hannover einsetzt. Wegweisend sind Projekte wie der von der Volkswagenstiftung finanzierte Neubau des Schlosses Herrenhausen, das zum wissenschaftlichen Tagungszentrum wird.

Bis 2014 werden sie als Uni-Präsident im Amt bleiben und mit 68 Jahren ausscheiden. Ihr Kollege Prof. Dieter Bitter-Suermann bleibt bis zum Alter von 75 Jahren Präsident der Medizinischen Hochschule. Haben Sie auch darüber nachgedacht, noch länger durchzuhalten?
Ich blicke meiner zweiten Amtszeit mit einer gewissen Gelassenheit entgegen. Doch eines ist sicher: Es gibt auch noch andere schöne Aufgaben im Leben.

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