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Aus der Stadt Leinen los am Mittellandkanal!
Hannover Aus der Stadt Leinen los am Mittellandkanal!
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20:00 06.04.2015
Von Bernd Haase
Leinen los!: Blick auf den Lister Yachthafen.
Leinen los!: Blick auf den Lister Yachthafen. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Auf einem 1,20 Meter breitem Steg im Lister Yachthafen kniet Jörg Liesegang vor zwei Stücken PVC-Boden. Gemächlich schneidet er sie zurecht. Der Frühlingshimmel ist grau, das Thermometer zeigt Temperaturen im einstelligen Bereich. Um sich vor der Kälte zu schützen, trägt der 52-Jährige einen knallroten Fleecepullover. Die PVC-Stücke bringt Liesegang in sein Boot. Fußbodenbelag für die Schlafkoje. „Wasser war schon immer mein Ding“, sagt der gebürtige Wilhelmshavener und lächelt. Seekrank war er noch nie.

In Hannover gibt es zwei Yachthäfen am Mittellandkanal. In Misburg betreibt der Hannoversche Motorboot Club (HMC) einen Sportboothafen mit 32 Liegeplätzen. Ein kleines Naturwunder, wenn man so will: Zwischen Bäumen gelegen, die vergessen lassen, dass die Skipper sich hier zwischen Mergelgrube, Beton-, Stahl und Schrotthändlern in einer der am stärksten industriell geprägten Ecken befinden.

Während in Misburg schon Mitte März fast alle Boote für die Sommersaison vorbereitet sind, ist Liesegang im Lister Yachthafen fast allein bei der Arbeit an seinem Boot. Offiziell beginnt die Saison hier erst in den nächsten Tagen so richtig. Gut 30 der insgesamt 45 Liegeplätze sind noch frei.

Liesegangs Boot schaukelt sanft auf dem Wasser hin und her. Es ist noch mitten im Umbau. Den alten PVC-Boden hat er zur Hälfte herausgerissen. Schraubenzieher und Wasserkocher liegen in der Schlafkoje. Im Eingangsbereich steht ein staubiger Koffer. „Eigentlich mag ich Unordung überhaupt nicht“, sagt der Hobbykapitän, der sich im Hauptberuf in der Drogenarbeit engagiert, mit Blick auf das Chaos. In den nächsten Wochen hat Liesegang weitaus mehr zu tun als nur den Boden neu zu verlegen. Der Frühjahrsputz steht an - innen und außen. Und Gardinenwäsche. Danach will Liesegang noch eine Soundanlage und andere Beleuchtung im Schiff einbauen. „Aber alles nach und nach, ich bin ja nicht auf der Flucht“, sagt der Hobbykapitän und grinst.

Außer Liesegang ist noch ein weiterer Mann im Hafen am Werkeln: Hafenmeister Lothar Brüssing. Er hat gerade fast drei Tage damit verbracht, die Stahlgitterstege zu den Liegenplätzen mit einem Hochdruckreiniger zu säubern. „Da sitzen oft Möwen drauf. Viel vom Möwenkot fällt zwar durch die Gitter, aber leider nicht alles“, erzählt der 62-Jährige und lacht ein rauhes Seebär-Lachen. Passt irgendwie zu diesem Typ: blauen Mütze, weißgraues Strubbelhaar darunter, Zehntagebart, braungebrannt. „Ich war früher bei der Marine. Ein bisschen Salzwasser fließt bestimmt in meinen Adern“, sagt Brüssing augenzwinkernd.

Bis 1988 war auf dem Gelände des Lister Yachthafens die Arminius-Werft. Heute zeugt nur noch ein weißer Kran mit der „Arminius“-Namenszug davon. Als die Werft geschlossen wurde, übernahm ein Privateigentümer die Anlage und betrieb den Hafen nach einem Jahr Pause weiter. Aber sein Konzept war ein Schlag ins Wasser. Nach einer Pleite übernahm erst die Marinekameradschaft die Anlage. Seite 2012 ist die wieder in der Hand eines privaten Investors. Er finanziert sich größtenteils über die Einnahmen aus der hafeneigenen Tankstelle. Pro Jahr werden etwa 65 000 Liter Diesel verkauft.

Die Bilder zum Besuch am Lister Yachthafen.

Der neue Besitzer hat viel investiert. Aus Holzgitterstege wurden durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Außerdem gibt es mehr Liegeplätze und vier Hütten für Übernachtungsgäste. „In einem Boot ist nicht viel Platz. Da schläft man wie ein Fragezeichen“, erklärt Hafenmeister Brüssing. Wer mal wieder in einem richtigem Bett schlafen möchte, kann sich eine der Hütten mieten.

Hobbykapitän Liesegang würde das niemals einfallen. „Das Boot schaukelt so schön. So schlafe ich am besten“, erzählt er. Es ist für ihn wie ein Zuhause. Er hat dort eine Toilette, einen Fernsehgerät, Herdplatten und einen Kühlschrank. Gut gefüllt mit dem, was man hier so braucht: Brot, Butter, Wurst und Grillfleisch. Wenn es wärmer wird, grillen Hobbykapitäne im Yachthafen oft zusammen. Im Sommer schläft Liesegang jeden Tag auf seinem Boot. In seiner Wohnung ist er dann nur noch, um zu baden und Wäsche zu waschen.

Und wann geht es auf große Fahrt? Liesegang will zusammen mit seiner Frau und seinem Border Collie nach Amsterdam fahren. Fertig wird sein Boot wohl erst im August sein. Das macht ihm aber nichts. „So ein Boot fährt nur 13 Stundenkilometer“, sagt er schulterzuckend. So ein Boot ist nichts für Leute, die es eilig haben.

Hier stechen Hannoveraner in See

Kapitän für einen Tag: Im Lister Yachthafen, Werftstraße 19, kann man sich Sportboote auch ausleihen. Für die bis zu 15 Stundenkilometer schnellen Boote ist kein Bootsführerschein nötig. Nach einer kurzen Einweisung durch Bootsverleih-Chef Rüdiger Stoll-Hencke geht die Fahrt alleine weiter. Zwei Stunden kosten 65 Euro, jede weitere Stunde kostet 45 Euro. Für einen Tag bezahlt man 240 Euro, ein Wochenende kostet 390 Euro. Der verbrauchte Treibstoff wird separat in Rechnung gestellt. Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer (01 71) 47 87 52 5 oder unter www.bootsverleih-hannover.de.

Frisch aus der Kombüse: Nicht nur Fisch gibt es im Schifftaurant im Lister Yachthafen, Werftstraße 19. Das Restaurant mit maritimem Ambiente ist in einem knapp 90 Jahre alten Schiff untergebracht. Neben Allerlei aus dem Meer gibt es auch Fleisch- und Nudelgerichte. „Am liebsten essen unsere Gäste das Wiener Schnitzel mit Pommes“, sagt Chef und Koch Olly Erdmann. Das Restaurant hat von Montag bis Sonnabend von 12 bis 22 Uhr und am Sonntag von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Für Leichtmatrosen: Wer auf kleinere Kähne steht, der kann beim Kanuverleih am Allerhorn ein Kanu ab 20 Euro pro Tour ausleihen und durch Hannover paddeln. Weitere Informationen zu Touren, Preisen und Treffpunkten gibt es unter www.hannover-kanuverleih.de oder unter der Telefonnummer (01 77) 36 96 11 2.

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