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Aus der Stadt Hannovers erste Passivhaus-Kita erregt Interesse im Ausland
Hannover Aus der Stadt Hannovers erste Passivhaus-Kita erregt Interesse im Ausland
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Freundliche Farben, gleichmäßige Temperaturen und viel Licht: Die Kinder fühlen sich sichtlich wohl im neuen Haus.
Freundliche Farben, gleichmäßige Temperaturen und viel Licht: Die Kinder fühlen sich sichtlich wohl im neuen Haus. Quelle: Schwarzenberger
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Die Kita ist mit 680 Quadratmetern größer als der marode Altbau; die Heizung verbraucht je Quadratmeter und Jahr nur 15 Kilowattstunden – das sind weniger als 1000 Euro für den gesamten Bau. Auch Architekturpreise sowie überregionales Interesse kann das Gebäude für sich verbuchen. Kita-Leiterin Monika Zywitza zieht ihre persönliche Bilanz allerdings so: „Das Schönste ist, dass etwas richtig Gutes für die Kinder entstanden ist.“

Vor knapp drei Wochen ist eine Gruppe von 40 Architekten in den Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gekommen, schon wieder. „Diesmal waren es Schweden“, sagt Zywitza. Sie ist es inzwischen gewohnt, größere Besuchergruppen durch ihre Kita zu führen. Natürlich so, dass die Kinder möglichst wenig gestört werden, betont sie.

Die Planer der Kita, das Architekturbüro Despang, organisieren die Führungen, oft macht es aber die Stadtverwaltung selbst. Für sie ist die Kita mit ihrem Holzgerüst und der geschwungen Glasfassade auf der Südseite ein Vorzeigeobjekt. Aus Deutschland rücken die Fachleute an, aus Polen, aber auch Architekturstudenten aus Hannover kommen.

Diese Aufmerksamkeit sei schon „ein sonderbares Gefühl“, sagt Zywitza. „Und wir sind ja auch stolz auf unsere Kita.“ Immerhin gehört das Gebäude bei den Arbeiten, die sich in diesem Jahr um den Niedersächsischen Staatspreis für Architektur beworben haben, zu den besten zehn.

So richtig wohl fühlen sich die Erzieherinnen aber, wenn sie in Ruhe ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen. „Es ist eine besondere Atmosphäre hier. Ganz anders als im Altbau“, sagt Zywitza. Dreifachverglasungen, dicke Dämmplatten und die Tatsache, dass die Kinder direkt aus ihren Gruppenräumen aufs großzügige Freigelände kommen – all das sorgt für eine gewisse Ruhe.

Kein Vergleich zu dem alten Pavillon, der 1969 errichtet und eigentlich nur für fünf Jahre bestehen sollte. Es wurde ein Dauerprovisorium; der Altbau litt unter undichten Decken, Schimmel und viel zu dünnen Wänden. Gut 1,35 Millionen Euro ließ sich die Stadt den Neubau kosten.

In den Gruppenräumen wird gespielt, getobt und gegessen. Die Ausbuchtungen an der Südfront dienen als abgetrennte Wintergärten. „Dort können vor allem die Kleineren in Ruhe basteln“, sagt eine Erzieherin. Manchmal aber säßen die Kleinen einfach nur in der Sonne, die durch die hohen Fenster scheint und betrachteten die Flugzeuge am Himmel.

So viel Weitsicht gab es im Altbau nicht. Freundliche Farben und viel Holz dominieren zudem die Einrichtung. Kein Heizkörper nimmt unnötig Platz weg. Zwar übernehmen Sonne sowie die Körperwärme von 68 Kindern, acht Erzieherinnen, vier Köchinnen und Reinigungsfrauen einen Großteil der Heizenergie – zusätzliche Wärme kann die Haustechnik dennoch produzieren. Die Luft wird über Schächte ausgetauscht. „Und die Luft dort kann bei Bedarf angewärmt werden“, sagt Zywitza. Auf angenehme 20 bis 22 Grad. Überhitzte Räume und Zugluft seien Geschichte.

Über mangelnde Neuanmeldungen kann sich Zywitza nicht beklagen. Rund 30 Kinder hat sie schon jetzt für nächstes Jahr auf der Warteliste. Die Kinder könnten auch nach Stöcken oder Garbsen gehen. Doch die Eltern lockt der Neubau. Und manche setzen bewusst auf den Passivhausbau. „Eine Mutter begründete ihre Wahl damit, dass die Luft bei uns so gut ist“, sagt Zywitza.

von Marcel Schwarzenberger