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Aus der Stadt Hannoversche Beteiligungsgesellschaft bezieht Sitz in Groß Berßen
Hannover Aus der Stadt Hannoversche Beteiligungsgesellschaft bezieht Sitz in Groß Berßen
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20:21 02.12.2010
Herzlichst willkommen: Reinhard Kurlemann, Bürgermeister von Groß Berßen, hält HannBG-Geschäftsführerin Corinna Kuhny die Tür zu ihrem neuen Büro auf.
Herzlichst willkommen: Reinhard Kurlemann, Bürgermeister von Groß Berßen, hält HannBG-Geschäftsführerin Corinna Kuhny die Tür zu ihrem neuen Büro auf. Quelle: dpa
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Corinna Kuhny wirkt noch etwas unsicher in ihrem neuen Büro. Kein Wunder, denn während sie erste Umzugskartons ins Zimmer trägt, wird die Beamtin aus der Landeshauptstadt Hannover von Journalisten und Fotografen umlagert. Eine Sitzprobe hinter dem Tisch für die Kameras lehnt Kuhny ab. So eine leere Arbeitsfläche wirke doch wenig vorteilhaft, meint sie.

Die Juristin aus dem Finanzministerium ist gerade erst eingetroffen an ihrem neuen Dienstsitz, dem 660-Einwohner-Dorf Groß Berßen im Emsland. Ihr Chef, Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), hat es so gewollt. Schließlich trennen Hannover und Groß Berßen nicht nur knapp 250 Kilometer, sondern auch rund eine Million Euro Gewerbesteuer. Die will der Finanzminister sparen. Deshalb musste Corinna Kuhny am Donnerstag ein Büro im Dorfgemeinschaftshaus von Groß Berßen beziehen. Mit Gunther Krajewski ist sie Geschäftsführerin der Hannoverschen Beteiligungsgesellschaft (HannBG), einem Unternehmen, das zu 100 Prozent dem Land gehört. Aufgabe der HannBG ist es, die Beteiligungen des Landes zu verwalten, beispielsweise an Volkswagen oder dem Flughafen Hannover.

Seitdem die Regierung den Umzug der HannBG beschlossen hat, gibt es in der Landeshauptstadt eine Menge Aufregung. Deshalb möchten die Journalisten von Corinna Kuhny nun genau wissen, wie das so ist, wenn eine Vertreterin der Regierung plötzlich ihren Dienstsitz in der emsländischen Provinz bezieht. „Es ist schön hier“, sagt Kuhny höflich und schaut sich in dem Zimmer mit den Büromöbeln aus Birkenfurnier um. Auf dem Schreibtisch hat Bürgermeister Reinhard Kurlemann einen kleinen Adventskranz mit vier Kerzen postiert.

Viel Zeit zum Einräumen der Akten hat Kuhny an diesem ersten Tag nicht. Ein Fernsehteam möchte noch einmal ihre Anfahrt vor dem Dorfgemeinschaftshaus aufnehmen. Also steigt die Juristin in ihren braunen Kleinwagen Marke Mini und fährt langsam die Dorfstraße von Groß Berßen entlang. Vor dem Dorfgemeinschaftshaus begrüßt Bürgermeister Kurlemann zum wiederholten Male Kuhny mit Handschlag: „Herzlich willkommen in Groß Berßen.“ Der gelernte Agraringenieur ist zufrieden. „Jetzt kommt mal endlich was von Hannover in unser Dorf“, ruft Kurlemann den Medienleuten zu.

Unterlagen und Arbeitswerkzeug der Geschäftsführerin passen in zwei Umzugskartons. Viel mehr werden die beiden Repräsentanten der HannBG wohl auch nicht unterbringen in ihrem neuen Büro. Rund 25 Quadratmeter ist das Dienstzimmer groß. Früher handelte man in dem Gebäude mit Viehfutter, dann hielt hier die Gemeindeverwaltung ihre Sprechstunden ab. Künftig zahlt die Landesgesellschaft 100 Euro Monatsmiete für das Zimmer im Dorfgemeinschaftshaus und wird von hier aus ihre Korrespondenz pflegen. Auch Finanzminister Möllring hat demnächst Termine in Groß Berßen. „Unsere Gesellschafterversammlungen werden wir hier, am Sitz der Gesellschaft, abhalten“, kündigt Geschäftsführerin Kuhny an.

Bürgermeister Kurlemann hört das gern. Corinna Kuhny, da ist er sicher, wird von der Dorfgemeinschaft gut aufgenommen werden. Zum Schützenfest hat er sie bereits eingeladen. Und auch über neues Bauland direkt hinter dem Dorfgemeinschaftshaus haben die beiden schon gesprochen: „Die Preise sind verlockend“, sagt Kuhny. Aber sie und ihr Kollege Krajewski werden nur Tageweise in Groß Berßen arbeiten. Den Kommunalpolitikern vor Ort soll das egal sein. Die Gewerbesteuer wird auf jeden Fall in der emsländischen Gemeinde fließen. Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers will noch nicht sagen, wie das schöne Geld – vermutlich 2,5 Millionen Euro – zwischen Landkreis, Samtgemeinde und Groß Berßen aufgeteilt wird. Nur so viel: „Wir werden das so gestalten, dass alle Beteiligten ihre Freude daran haben.“

Bernhard Remmers

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