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Aus der Stadt Aus Leipzig und Lüneburg wird Hannover
Hannover Aus der Stadt Aus Leipzig und Lüneburg wird Hannover
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09:48 19.04.2014
Constanze Wolf und Roland Kietzmann auf ihrem Hochzeitsfoto, entstanden in Herrenhausen.

Es begann 1994 mit einer Wohnungsnot. Ich arbeitete bei einer Leipziger Zeitung, bei der eine Studentin aus Hannover ein Praktikum machen wollte und kurzfristig ein Quartier brauchte. Ich bot ihr ein Zimmer in meiner Wohnung an. Ihr Freund aus Lüneburg kam in dieser Zeit mehrfach zu Besuch und lud mich zu seiner Geburtstagsparty ein. Ich freute mich darauf, eine schöne Stadt kennenzulernen, Leute zu treffen und zu feiern. Auch Ronald, ein guter Freund aus Hannover, war eingeladen. Auf der ausgelassenen Feier kamen wir uns näher. Eine Partybekanntschaft, eine nette Begegnung, an die ich mich gern erinnern würde. Am nächsten Tag würde ich wieder nach Leipzig fahren, zu meinem zehnjährigen Sohn Felix, meinem Job, meinem Leben – so dachte ich anfangs.

Wir könnten mit dem Auto gemeinsam nach Hannover fahren, schlug Ronald am Tag danach vor. Nach kurzer Stippvisite in seiner Wohnung, die er mir unbedingt zeigen wollte, saßen wir wenig später im Biergarten „Dornröschen“ an der Ihme, bei Brause und Kirschkuchen und redeten lange. Beim Abschied am Bahnhof fragte Ronald nach meiner Telefonnummer. Ich überlegte: Warum nicht ab und an ein nettes Treffen, mal hier, mal da. Denn eine feste Beziehung kam zu dem Zeitpunkt in meinem Kopf überhaupt nicht vor. Ich gab ihm meine Nummer und stieg in den Zug nach Leipzig.

Zwischen diesem und dem Hochzeitsfoto liegen 13 Jahre. Dieses zeigt Constanze Wolf und Roland Kietzmann im Jahr ihres Kennenlernens. Quelle: Privat

Drei Tage später sein Anruf, bei dem er verkündete: „Ich möchte am Wochenende zu dir kommen!“ Da spürte ich schon Kribbeln im Bauch. Meinen Sohn – von dem Ronald bereits wusste – wollte ich aber außen vor lassen. Aber es kam, wie das manchmal ist bei Alleinerziehenden: Ich fand so schnell keine Betreuung für Felix. Und ich wusste nicht, wann ich an dem Freitag Feierabend machen konnte. Also habe ich Felix ein Foto, das Ronald eiligst geschickt hatte, gezeigt und gesagt: „Den darfst du reinlassen – sonst keinen!“ Ich musste tatsächlich lange arbeiten. Zu Hause angekommen, sah ich als Erstes eine riesige Reisetasche im Flur. Im Wohnzimmer führten Ronald und Felix schon ein munteres „Männergespräch“. Ronald hatte auch einen großen Strauß Rosen mitgebracht. Und für Felix ganz bewusst nichts. Ein Kind mit einem Geschenk für sich einnehmen, das wollte er nicht.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, verstanden sich die beiden sofort. Manchmal war ich fast abgemeldet an diesem Wochenende. Aber ich freute mich, dass sich alles so gut anfühlte. Die geplante Abreise verschob sich dann um fast eine Woche – auf Wunsch von allen dreien. Diese „Partybekanntschaft“ hatte – auch bei Lichte betrachtet – eine ganz neue Dimension bekommen.
Wir pendelten, verbrachten mal ein Wochenende in Leipzig, dann wieder eins in Hannover. Doch mit Kind und zwei gescheiterten Ehen war ich eher vorsichtig und zurückhaltend, was eine Beziehung betraf. Schon vier Monate nach unserem Kennenlernen fragte mich Ronald plötzlich, ob ich ihn heiraten möchte. Ich war erschrocken, sagte sofort „Nein“ und erklärte: Nach so kurzer Zeit ginge das nicht. Er hat das wohl verstanden. Ein Jahr später, beim zweiten Antrag, hat ihn mein „Nein“ schwer getroffen – wie er sehr viel später erzählte. Wir pendelten damals immer noch. Ich wollte erst einen Job in Hannover haben, bevor ein Umzug infrage kam – so mein „Beziehungs-Plan“. Nur gut, dass für Ronald bei alledem unsere Beziehung nie infrage stand.

Ein drittes Mal fragte er nicht, nicht in den drei Jahren, die wir, nach zwei Jahren Pendelei, zu dritt in Ronalds Lindener Wohnung wohnten. Er fragte nicht nach dem Umzug in unser gemeinsam gekauftes Haus. Und er fragte auch nicht, als Felix, mittlerweile 20 Jahre, ausgezogen war und wir nun zu zweit lebten.

Wir hatten zwischenzeitlich Krisen gemeistert. Das Verhältnis von Ronald und Felix war immer bestens. Mit Felix leiblichem Vater und dessen neuer Familie sind wir befreundet. Ich hatte nach etlichen Jahren auch das Liebenswerte an Hannover entdeckt. In der ersten Zeit mochte ich die Stadt nicht besonders. Und auch das Naturell der Niedersachsen war für mich gewöhnungsbedürftig. Alles war also in Ordnung, so wie es war.
Im Frühsommer 2007 lernten wir beim Mallorca-Urlaub ein Paar kennen, das kürzlich auf der Insel geheiratet hatte. „Ihr seid so ein tolles Paar! – warum seid ihr nicht verheiratet?“, fragten sie uns eines Abends. Ronald antwortete: „Heiraten? Das ist für mich kein Thema mehr.“ Was die drei nicht wussten: Ich hatte längst meinen Heiratsantrag geplant – zu seinem 50. Geburtstag. Nach dem Satz stand ich unter Schock, sagte, mir sei vom Wein plötzlich schlecht und wankte wie benommen ins Hotel. In den dann neun folgenden schlaflosen Nächten bis zum Geburtstag grübelte ich, ob ich diesen Antrag wirklich machen sollte.

Am Vorabend des Geburtstags lockte ein Freund Ronald aus dem Haus. So konnte ich mit Felix im Garten alles vorbereiten: roter Teppich, 50 Rosen, ein Herz aus 100 roten Luftballons, Illumination, kleines Feuerwerk. Als Ronald um Mitternacht in den Garten trat, ahnte er, dass dies wohl nicht nur eine Gratulation zum 50. wird. Ich hatte meinen Antrag in einem mehrseitigen handgeschriebenen Brief formuliert. Ich stand also da, ein Glas Champagner in der Hand und starrte gebannt auf den lesenden Mann. Später sagt Ronald, er habe schon auf Seite zwei gewusst, dass auf der vierten ein Antrag kommen würde. Doch er las bis zum Schluss – eine Ewigkeit. Dann sagte er: „Ja – ich will!“ Der Moment ist in einem Foto festgehalten – mit zwei Menschen, die strahlen. Genau vier Monate später feierten wir unsere Hochzeit bei viel Sonnenschein, so wie wir sie wollten: mit Trauung in der Orangerie in Herrenhausen und mit einer tollen Feier im Berggasthaus Niedersachsen. Für manche war das nach gut 13 Jahren Beziehung vielleicht nur eine Formalität, für mich fühlte es sich nun genau richtig an. Ich war endlich an der Stelle, wo ich das noch offene Stück Verantwortung auch nach außen dokumentieren wollte.

Protokolliert von Gerd Schild.

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