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Aus der Stadt Hannoverscher Arzt unterstützt Flüchtlinge im Nordirak
Hannover Aus der Stadt Hannoverscher Arzt unterstützt Flüchtlinge im Nordirak
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21:05 05.09.2014
Von Simon Benne
„Unglaubliche Grausamkeiten“: Hüseyin Bektas im Irak - das Mädchen auf seinem Schoß musste mit ansehen, wie sein Vater ermordet und seine Mutter verschleppt wurde. Quelle: privat
Hannover

Das Schicksal der Kinder, sagt er, habe ihn am meisten bewegt: „Viele laufen ohne Schuhe in den Lagern herum. Und viele haben auf der Flucht unbeschreibliche Grausamkeiten miterleben müssen.“ Hüseyin Bektas kann von Jungen berichten, die in Abwässern spielen, oder von dem Mädchen, das mit ansehen musste, wie sein Vater ermordet und seine Mutter verschleppt wurde. Der Mediziner, selbst Professor an der MHH, ist gerade von einem zweiwöchigem Hilfseinsatz aus dem Irak zurückgekehrt.

Die Truppen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) machen in der Region mit äußerster Brutalität Jagd auf Jesiden, Christen und andere Minderheiten. Die Fanatiker haben Hunderte Zivilisten massakriert, Frauen vergewaltigt - und eine Flüchtlingskatastrophe ausgelöst. Allein in der Provinz Dohuk leben inzwischen 1,2 Millionen Flüchtlinge - bei einer Einwohnerzahl von einer Million Menschen. In der Stadt Zakho sind im Flüchtlingscamp Derebun rund 31 000 Menschen untergebracht. „Die sanitären Anlagen sind dürftig, es fehlt an Matratzen, Decken - eigentlich an allem“, sagt Bektas.

Der Leber- und Pankreaschirurg, selbst kurdischer Herkunft, kam als Jugendlicher aus der Türkei nach Deutschland. Seit Jahren arbeitet der 52-Jährige als Hochschullehrer an der MHH - und er engagiert sich im Verband Kurdischer Ärzte in Deutschland. Mit einer Delegation aus Medizinern hat er sich im Irak jetzt nicht nur ein eigenes Bild von der katastrophalen Lage der Flüchtlinge gemacht - er hat in den Camps auch selbst tatkräftig geholfen: Bektas verteilte bei dem Einsatz, über den das ZDF unter anderem im Heute-Journal berichtete, auch Medikamente und behandelte weit über 100 Patienten.

„Viele Kinder leiden unter Durchfall, Dehydration und Bronchitis - und dazu herrschen Temperaturen um 45 Grad“, sagt er. Außerdem gebe es in den Flüchtlingscamps immer wieder Engpässe bei der Versorgung mit Medikamenten. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen in der Region ist beeindruckend“ berichtet der Arzt. „Es gibt dort Familien, die selbst nicht viel haben. Doch wenn sie Essen machen, kochen sie nicht nur für sich selbst , sondern so viel sie können - und sie verteilen es auf der Straße in Töpfen an fremde Flüchtlinge.“

Die Landesregierung hatte Bektas’ kurdischem Ärzteverband 200.000 Euro für die Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, Ministerpräsident Stephan Weil hatte außerdem zu Spenden aufgerufen. Mit dem Geld konnte Bektas unter anderem Schuhe und Spielzeug für 1200 Kinder kaufen. Seine Mitstreiter und er haben mehrere Tonnen Medikamente beschafft - und sie haben veranlasst, dass in den Camps mehrere Container als medizinische Versorgungseinheiten und zwei mobile Zahnarztpraxen eingerichtet werden. Sie wollen auch dafür sorgen, dass die Lager Duschen bekommen: „Die Flüchtlinge haben oft kaum eine Möglichkeit, sich zu waschen.“

Kaum heimgekehrt, unterstützt Bektas bereits die nächste Hilfsaktion. Unter der Federführung von Hannovers langjährigem Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und seiner Frau Heidi Merk setzt sich das European Technology und Training Center (ETTC) im irakischen Erbil für Flüchtlinge ein. „In der Region Hannover sind bereits mehr als 20.000 Euro an Spenden zusammen gekommen“, sagt Schmalstieg. Täglich werden davon 1000 Erwachsene und 500 Kinder in Erbil profitieren. Die Flüchtlinge sollen jeden Tag eine warme Mahlzeit bekommen.

Wer helfen möchte

Unter dem Stichwort „Spende für Flüchtlingsspeisung durch ETTC Erbil“ kann an das S.A.Z. Kinderhilfswerk gespendet werden: Ziraat Bankasi International Hannover, IBAN : DE14512207001032503003.

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