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Aus der Stadt Ganz großes Kino
Hannover Aus der Stadt Ganz großes Kino
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00:15 21.06.2014
Von Gunnar Menkens
Luxuskino statt Popcorn-Tempel: Das ehemalige Cinemaxx in der Nikolaistraße soll zum Kino der Extraklasse umgebaut werden. Quelle: dpa
Hannover

Der Unternehmer Hans-Joachim Flebbe will das frühere Cinemaxx in der Nikolaistraße zu einem Kino umbauen, das sich besonders an Menschen richtet, die eine „stilvolle Atmosphäre wünschen“. „Es geht um den einzelnen Gast, nicht um die Menge", sagte Flebbe am Mittwoch bei der Vorstellung seines Projektes.

Am Mittwoch hat Hans-Joachim Flebbe die Pläne für ein Luxuskino im leerstehenden Cinemaxx-Gebäude an der Nikolaistraße vorstellt.

Den Ort für die Premierenvorstellung wählte Hans-Joachim Flebbe mit Bedacht. Seit der Kinounternehmer in ausgewählten deutschen Städten stilvolle und luxuriöse Filmtheater eröffnet, wählt er gerne einen Vergleich aus der Gastronomie, um sein Konzept zu erklären. „Wer schnell was essen will, geht zu McDonalds oder ins Cinemaxx. Wer einen schönen Abend verbringen will, geht in ein gutes Restaurant, und gibt auch gerne etwas mehr Geld aus“. Also präsentierte er seine Pläne in einem Restaurant, in dem Gäste ohne Zweifel etwas mehr Geld ausgeben können: Flebbe baut das frühere Cinemaxx in der Nikolaistraße für acht Millionen Euro um. Es soll ein Premium-Kino werden, ähnlich wie der traditionsreiche Zoopalast in Berlin. Dort wirbt Flebbe mit dem Slogan „Das Kino kommt zurück“ – so hat er nun auch sein Projekt für Hannover überschrieben.

In bester Stimmung erzählte der 62-jährige am Mittwoch von seinen Absichten. Flebbe, ein Kind dieser Stadt, will ein Kino, wie er es sich wohl selbst als Zuschauer wünscht. „Es geht um den einzelnen Gast, nicht um die Menge“, sagt der Unternehmer. Mehr Platz zwischen den Sitzreihen, Ledersessel mit verstellbaren Rückenlehnen, in den Logen mit Fußhockern und, vor dem Film, Bedienung an den Logenplätzen. Kein Schlangestehen an Kassen, Kartenkauf per Handy oder Internet, Garderobe und Empfangslounge. Etwa 100 Angestellte sollen sich um Zuschauer kümmern, die hier Gäste heißen. Mitarbeiter, die sogar darauf achten, dass Besucher nicht von nervtötendem Handy-Gequatsche irgendwo im Saal gestört. Die Hölle, das sind gerade im Kino immer die anderen.

So soll es werden: Nach dem Umbau soll in das leerstehende Gebäude wieder Leben einkehren. Quelle: Animation

Flebbes neues Filmtheater ist der Gegenentwurf zu hektischen Großkinos wie den Cinemaxx-Häusern, die Flebbe selbst seit Beginn der neunziger Jahre überall in Deutschland eröffnet hat. Auf dem Höhepunkt betrieb er 40 Multiplexhäuser mit 340 Leinwänden und 90 000 Sitzplätzen. Ein Modell, auf das besonders ältere Filminteressierte immer weniger Lust haben. Heute sagt Flebbe: „Der Kinobesuch soll entschleunigt sein, kein Stress, wie auf dem Sofa zu Hause, wo man die Füße hochlegt.“ Ein Kino für ein Publikum „mit Sicherheit über 30 Jahre“. In ähnlichen Kinos in Berlin, Köln und München habe er erlebt, wie viele Grauhaarige den Weg zurück ins Kino gefunden hätten. Grauhaarige, zu denen er mittlerweile selbst zählt. Sein Architekt Heinz-Jürgen Schumacher sagt: „Wir wollen weg von der Kino­fabrik.“

Die Filme sollen daher auch ein überwiegend älteres Publikum ansprechen. Gehobener Mainstream, keine reinen Action- und Gewaltfilme. Filme wie „Der Medicus“ und „Wolf on Wall Street“. Eintrittspreise nannte Flebbe nicht. In seinem Zoopalast in Berlin etwa kosten Karten für Erwachsene zwischen 10,50 und 13 Euro, 3-D-Filme sind teurer. Flebbe hofft, dass rund 600.000 Besucher im Jahr sein stilvolles Kino zu schätzen wissen.

Vor einem Jahr sah die Welt am Standort Nikolaistraße noch ganz anders aus. Seit 2012 ist Hans-Joachim Flebbe, gemeinsam mit seinem Stuttgarter Partner Heinz Lochmann Eigentümer des Gebäudes. Es ist jene Spielstätte, die der gebürtige Hannoveraner 1991 zur ersten Multiplex-Arena in Deutschland machte. Weil sich Flebbe dann 2013 mit den Cinemaxx-Betreibern nicht über die künftige Miete einigen konnte, schlossen die Betreiber das Kino. Auch deshalb, weil sich der Betrieb nicht mehr lohnte, wie Flebbe glaubt. Damals erklärte Flebbe zu seinen Plänen: „Ein Kino wird es nicht bleiben.“ Jetzt wird es doch eines. Pläne, aus dem Gebäude ein Studentenwohnheim zu machen, ein Lager fürs Schauspielhaus oder ein Einkaufszentrum haben sich zerschlagen. Flebbe setzt in einem Markt mit inzwischen rückläufigen Besucherzahlen auf ein Publikum, das bereit ist, für Kinoerlebnisse ein paar Euro mehr zu zahlen.

Am Mittwoch mochte Flebbe keinen konkreten Eröffnungstermin nennen. Er hat noch keine Baugenehmigung von der Stadt, es gibt einiges zu klären für die Renovierung im Innern. Dort sollen aus 3250 Sitzplätzen in zehn Sälen nur noch 2200 Plätze werden. Schrägen müssen verändert werden, um Raum zu schaffen, auf einer Zwischenebene ist ein neues Foyer geplant, es geht um Brandschutz und Fluchtwege. Neue Auflagen könnten das Projekt in die Länge ziehen. Flebbe und Lochmann hoffen dennoch, schon in diesem Jahr die ersten Gäste begrüßen zu können, spätestens aber Anfang 2015. Gibt es einen Plan B für das Gebäude, falls die Stadt den Umbau nicht genehmigt? „Abriss“, sagt Flebbe knapp, und dann den ganzen Vorplatz neu gestalten. Aber daran will er lieber nicht denken.

Lieber plant Flebbe im Detail. In seinem neuen Kino gibt es keine Nachos, die Besucher noch während der Vorstellung im Mund zerkrachen lassen. „Ich hasse Nachos“, sagt Flebbe, der aber auch weiß, dass solches Beiwerk zu einem guten Teil Umsatz bringen würde. Bei Popcorn aber bleibt es, „weil die Leute das wollen“. Aber es soll in kleinen Behältern verkauft werden, wie auch Weingummis in knisterfreien Bechern, statt in raschelnden Tüten. Besucher, die Logenplätze kaufen, bekommen noch was extra: das kostenlose Begrüßungsgetränk.

„Ich glaube immer noch an Kino“

Das geplante Luxuskino in Hannover ist nicht das erste seiner Art: Im Interview mit dieser Zeitung erläuterte Kino-Patron Hans-Joachim Flebbe Mitte 2013, was es mit seinen Luxus-Kinos auf sich hat.

gum/mic/dpa

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