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Aus der Stadt Hat Anwalt aus Hannover Bedürftigen betrogen?
Hannover Aus der Stadt Hat Anwalt aus Hannover Bedürftigen betrogen?
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09:46 07.01.2011
Von Sonja Fröhlich
Quelle: Michael Thomas (Symbolbild)
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Das wäre umso anstößiger, als dass es sich bei dem Geld um die Unterhaltszahlungen der Schwester für Uwe K. handelte, der zu dem Zeitpunkt das Obdachlosenmagazin „Asphalt“ verkaufte.

Die Schwester klagt nun gegen den Anwalt P.: Er habe einen Teil der Unterhaltszahlungen – monatlich rund 1500 Euro, die er im Auftrag des Bruders verwalten sollte – über Jahre in die eigene Tasche gewirtschaftet. Ihr Anwalt Bernd Wegener wirft seinem Kollegen außerdem Verstöße gegen das Standesrecht vor: Dieser habe sich das Geld auf sein Kanzleikonto überweisen lassen, statt es auf einem Treuhandkonto zu verwahren.

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Anwalt P. sagt dagegen, er habe „viel“ für seinen Mandanten gearbeitet und sich sein Honorar gleich abgezogen. Das Gericht stellte am Donnerstag fest, dass zahlreiche Rechnungen nicht gesetzestreu erstellt worden seien – zum Teil fehlten Angaben, wofür die Gebühren berechnet worden seien. K. sagt, er habe regelmäßig einen „Wust von Unterlagen“ unterschreiben müssen, aber sein Anwalt habe ihm nie einen größeren Geldbetrag ausgezahlt. Als er sich bei seiner Schwester darüber beschwerte, dass er von dem für ihn vorgesehenen Geld der Eltern nichts oder nur wenig bekomme, wurde diese misstrauisch.

Anwalt P. will seinem früheren Mandanten dagegen auch 4000 Euro in bar ausgezahlt haben. Er behauptet, dieser habe das Geld für eine Bahncard 1. Klasse haben wollen und präsentierte dem Gericht am Donnerstag auch eine unterschriebene Quittung über den Betrag. Der 43-Jährige widersprach dieser Darstellung. Er habe schon vor dem vermeintlichen Gespräch eine Bahncard 2. Klasse besessen – und käme gar nicht auf die Idee, 1. Klasse fahren zu wollen. Die besagte Übergabe des Geldes habe es nicht gegeben, sagte er: „An so einen großen Geldbetrag könnte ich mich erinnern.“ Zumal, wie er erklärte, der Verkauf der Obdachlosenzeitung „Asphalt“ zu dem Zeitpunkt in der Weihnachtszeit genug Geld abgeworfen habe. Er könne sich auch nicht entsinnen, wann er die Quittung unterschrieben haben soll.

Richter Hans-Heiner Bodmann hätte der „unwürdigen Vorstellung“ gern ein Ende bereitet und schlug den Parteien einen Vergleich vor. Doch diese konnten sich nicht einigen. Das Gericht will am 14. Februar eine Entscheidung verkünden.