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Aus der Stadt Heimspiel für Heinz
Hannover Aus der Stadt Heimspiel für Heinz
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00:15 04.02.2014
Heinz Rudolf Kunze im Capitol. Quelle: Moritz Küstner
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Hannover

Einen Mann wie Heinz Rudolf Kunze erkennt man in der Menge. Er wirkt immer ein bisschen verloren, mit tapsigem Gang und schiefem Lächeln, mit Klamotten jenseits von jeglichem Modegeschmack und mit seiner überdimensionierten Brille. Er sieht aus wie eine Mischung aus kleiner Junge und Oberlehrer und trotz fehlendem Bart immer noch so wie auf dem Cover von „Reine Nervensache“ von 1981, der Schallplatte, die die deutsche Liedermacherszene gehörig durcheinandergewirbelt hat.

„Deutsche hassen alles außer Fußball“ – der Literat existierte immer parallel zum Musiker. Auch am Freitag im Capitol. Kunze gab ein umjubeltes Konzert in seiner Wahlheimatstadt und ließ dabei auch die schwierigen Zwischentöne nicht aus. Gleich die zweite Nummer „Glaubt keinem Sänger“, immerhin 29 Jahre alt, bringt die meisten der 1100 Kunze-Jünger zum Mitklatschen. Er kann’s also doch noch, sagen die zufriedenen Gesichter im Publikum, nach Ausflügen in andere Genres und Unplugged-Projekte ist das der alte Kunze, der da auf der Bühne steht und sich hinter verschiedenen Gitarren versteckt. Dann setzt er sich an den Flügel, singt, und plötzlich wirkt er auch nicht mehr so, als ob er über seine eigenen Texte nachdenken muss. Er benutzt Wörter wie „summasummarum“, „Wertstofftüte“ und „Nothaltebucht“, er singt Zeilen wie „Schlachtet die Idole“ – das gibt ihm immer noch ein Alleinstellungsmerkmal, selbst in einer Musiklandschaft, die seit seinen Anfangszeiten viel weitläufiger geworden ist. Wenn er über Huren singt, reden die in Hotelzimmern über den Krieg. Die gefällige Melodie tarnt den bitterbösen Text. „Was das Leben betrifft, sind wir alle Amateure“ – so was in Rockmusik zu verpacken, ist große Kunst.

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Viele Kunze-Texte sind seit Jahrzehnten präsent, nicht nur der über das Herz, das sich auf Schmerz reimt, und viele davon haut er am Freitag raus. „Mit Leib und Seele“, „Finden Sie Mabel“, „Regen in Berlin“, nur „Lola“ schenkt er sich. Zwischendurch liest er vor. Seine Texte sind lyrisch und politisch, manche platt, manche atemberaubend schlau. Seine Zuhörer wissen dann nicht so recht, ob sie betreten gucken oder doch lieber die Arme in den Himmel strecken sollen. Apropos Himmel: „Hallo Himmel“, die Auskopplung aus der neuen CD „Stein vom Herzen“, ist wieder so ein Kunze-Ohrwurm: Irgendwie kriegt man die Hookline nicht mehr aus dem Ohr, wie schon so oft. Am Ende geht’s ins Gewerbegebiet: „Balkonfrühstück“ vom ersten Album. Hätte er auch gerade erst geschrieben haben können. Frohe Mienen im Publikum, viel Applaus, auch für die Verstärkung. Alex Grube am Bass, Drummer Jens Carstens, Matthias Ulmer an den Keyboards und Gitarrist Zoran Grujovski spielen auffällig unauffällig. Hat er eigentlich ein Lied namens „Gänsehaut“?

Von Michael Krowas

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