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Aus der Stadt Herrenhäuser Brauerei steckt erneut in Turbulenzen
Hannover Aus der Stadt Herrenhäuser Brauerei steckt erneut in Turbulenzen
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22:59 15.04.2010
Produziert mittlerweile mehr Bier als die Gilde: Die Herrenhäuser Brauerei. Quelle: Dröse

Bei der Herrenhäuser Brauerei brennt es derzeit wieder an mehreren Ecken. Zum einen haben zwei Krankenkassen beim Amtsgericht Hannover die Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt, weil Sozialbeiträge für Mitarbeiter nicht abgeführt worden sind. „Der Fall hat sich aber gestern erledigt“, sagt Manfred Middendorff, Geschäftsführer der chronisch in Geldschwierigkeiten steckenden Brauerei. Zum anderen laufen erneut Klagen vor dem Arbeitsgericht. Der hannoversche Anwalt Erik Weidemann vertritt drei Mandanten wegen ausbleibender Löhne und Gehälter, von denen zwei seit sechs Monaten kein Geld bekommen haben. „Einen vergleichbaren Fall habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Arbeitsrechtler. Der für den kommenden Dienstag anberaumte Kammertermin wird allerdings wegen Krankheit der Richterin platzen.

Das Insolvenzverfahren richtet sich gegen zwei für Marketing, Logistik, Vertrieb und Technik zuständige Tochterfirmen der Brauerei mit insgesamt 40 der mittlerweile nur noch 62 Mitarbeiter. „Wir haben die ausstehenden Zahlungen geleistet und dies dem Amtsgericht auch gestern schriftlich mitgeteilt“, sagt Middendorff. Gerichtssprecher Michael Siegfried erklärte, die sogenannten Erledigungserklärungen würden dazu führen, dass das Verfahren beendet wird. „Sie sind angekündigt, aber bisher nicht bei uns eingetroffen“, sagte er.

Bei den Tochterfirmen arbeiten auch die drei Mitarbeiter, die Weidemann vertritt. „Sie haben immer noch kein Geld erhalten“, sagt der Anwalt, der wenigstens einen Titel sichern will. Arbeitsgerichtsprozesse rund um die Herrenhäuser Brauerei sind nichts ungewöhnliches: Schon in der Vergangenheit hat es Verfahren wegen ausbleibender Löhne und Betriebsrenten gegeben. Dass jemand sechs Monate lang kein Geld bekam, ist nach Angaben Weidemanns aber neu.

Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hält man in Sachen Herrenhäuser vorerst still. „Der Geschäftsführer muss bis Ende April Geld an seine Mitarbeiter fließen lassen und sagen, wie es weitergeht“, sagt Thomas Bernhard, seit kurzem zuständiger Sekretär für den Raum Hannover. Sollte das nicht passieren, werde man sich „geeignete Schritte überlegen“, betont er. Die Gewerkschaft berücksichtige dabei auch das Verhalten der Mitarbeiter: „Die Situation ist ja seit Jahren verfahren. Dass die meisten Beschäftigten so lange stillhalten, werten wir als Zeichen, dass bei ihnen Hoffnung da ist.“ Middendorff machte wie schon in der Vergangenheit ererbte Altlasten für die Probleme verantwortlich – vor allem Steuerschulden sowie die Betriebsrentenkasse, deren Kapital zur Deckung der Ansprüche nicht ausreicht. Deshalb müssen auch die Betriebsrentner oft monatelang auf Zahlungen warten. Aktuell mache dem Unternehmen zusätzlich der harte Winter zu schaffen, in dem traditionell weniger Bier getrunken wird.

Im laufenden Geschäft verdient Herrenhäuser, mittlerweile nach Hektoliter­ausstoß größer als die Gilde und damit Nummer eins in Hannover, laut Middendorff Geld und verzeichnet gegen den allgemeinen Trend Zuwächse. „Wir könnten sogar noch mehr brauen, können aber derzeit die nötigen Rohstoffe nicht bezahlen“, sagt er. Diese bekommt das Unternehmen nur gegen Vorkasse.

Herrenhäuser bräuchte dringend frisches Geld, bekommt aber keins. Die Banken halten sich zurück, die verschiedenen Fonds der öffentlichen Hand sind vor allem auf Unternehmensneugründungen ausgerichtet. „Uns bleibt nichts übrig, als weiter die Kosten zu drücken“, sagt Middendorff. Das geht unter anderem über die Mitarbeiterzahl. Ende vergangenen Jahres arbeiteten am Herrenhäuser Markt noch 100 Beschäftigte, jetzt sind es 62. „Wir machen nur noch das, was direkt mit Bierbrauen zu tun hat“, sagt der Geschäftsführer. Aufgeben jedoch will er nicht.

Bernd Haase

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