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Aus der Stadt Herrenhäuser Gärten in Hannover locken mit Blütenpracht
Hannover Aus der Stadt Herrenhäuser Gärten in Hannover locken mit Blütenpracht
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15:14 19.04.2011
Für Freunde von blühenden Beeten und Bäumen ist Herrenhausen momentan ein hervorragendes Ausflugsziel.
Für Freunde von blühenden Beeten und Bäumen ist Herrenhausen momentan ein hervorragendes Ausflugsziel. Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Sie haben eine weite Reise hinter sich – und die hat sich gelohnt, finden Pauline und Gary Keating. Das Touristenpaar aus dem australischen Lake Macquarie, das für einige Tage in Hannover Station macht, ist begeistert von den blühenden Schönheiten in den barocken Beeten des Großen Gartens. Dort geben, passend zu Ostern, cremefarbene Narzissen den (Farb)ton an, unterstützt von Stiefmütterchen in Zartviolett und roten Tupfern in Tulpenform. Gary Keating zückt seine Handykamera, um die farbenfrohe Szenerie auf Erinnerungsfotos festzuhalten. „Wundervoll“, urteilt der Pflanzenliebhaber, auf dessen Schirmmütze das Emblem des „Royal Botanic Garden“ in Sydney prangt.

Wer den Frühling in seinen schönsten Farben erleben möchte, ist in den Herrenhäuser Gärten genau richtig – auch ohne allzu lange Anreise. Im Berggarten blühen derzeit nicht nur die Magnolien überaus üppig. Die Zierkirschen machen ihnen unübersehbar Konkurrenz in Rosé, und die ersten Rhododendren zeigen sich in zarten Fliedertönen. Wer schon Osterurlaub oder einen freien Nachmittag hat, genießt das in vollen Zügen. Wie Ingrid Panitz, die es sich auf einer Bank vor der Blütenkulisse bequem gemacht hat. „Ich habe keinen Garten und keinen Balkon – bei schönem Wetter komme ich hierher, so oft ich kann“, sagt die Laatzenerin.

Während die Besucher entspannen, haben die Herrenhäuser Gärtner gut zu tun. Im Staudengrund sind Andreas Renner und seine Kollegen mit den letzten Arbeiten an dem neu angelegten Bach beschäftigt, der sich malerisch zwischen Sumpfprimeln, Sumpfdotterblumen und verschiedensten Narzissensorten hindurchschlängelt. Kleinere Wasserläufe gab es in diesem Teil des Berggartens bereits, aber nun hat der Bereich den Charakter einer naturwüchsigen Mini-Insel bekommen, deren schattige Sitzplätze über viele frisch befestigte Wegen erreichbar sind.

Premiere in dieser Saison hat auch der Glasdurchgang vom Berggarten zu den Beeten im Schmuckhof – erstmals können Besucher eine neu geschaffene Verbindung zwischen den Tropenschauhäusern nutzen. Gartenmeister Walter Konarske, seit 14 Jahren im Dienst, kann sich nicht mehr daran erinnern, wie oft das Projekt bereits aufgeschoben wurde. Nun wurde im wahrsten Wortsinn endlich der Durchbruch geschafft – für einen fünfstelligen Betrag (inklusive einer großzügigen Spende), den Gartenchef Ronald Clark nicht näher beziffern möchte.

Im Schmuckhof erwartet Blumenfreunde eine beeindruckende Szenerie. Seltene Tulpensorten wie die orange-roten Princess Irene, die purpurnen Jan Reus oder die gelb-roten Gavota wetteifern mit leuchtend orangen Kaiserkronen und strahlend blauen Hyazinthen. Die prachtvollen Beete wirken in diesen Tagen sogar noch farbenfroher als ihre barocken „Nachbarn“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Großen Garten. Insgesamt haben die Gärtner im vergangenen Herbst rund 82 000 Pflanzen und 66 000 Blumenzwiebeln in die Erde gebracht, die sich dank des sonnigen Wetters nun zur vollen Schönheit entfaltet haben.

Richtig Arbeit machen den Gartenprofis zurzeit die Buchsbaumhecken, die im Großen Parterre die berühmten Barockornamente bilden. Gut 25 Kilometer Hecken gilt es in Form zu bringen. Mit elektronischen Heckenscheren sind die Gärtner zu Gange. Und sie stutzten nicht irgendeinen Buchsbaum: „Blauer Heinz“ heißt die Spezialität aus Herrenhausen. Ende der sechziger Jahre hatte Gärtner Heinz Grupe diese Sorte eingeführt – heute wird sie europaweit in barocken Gärten gepflanzt. Der Name geht auf die typisch bläulich-grünen Blätter zurück.

In den Gewächshäusern setzen Walter Konarske und seine Kollegen unterdessen zum Endspurt bei der Anzucht der Sommerblumen an. Denn Mitte Mai müssen die Frühlingsblüher im Großen Parterre und in den anderen Schmuckbeeten Herrenhausens ihren Nachfolgerinnen Platz machen. Rund 52 000 Pflanzen kommen nach den „Eisheiligen“ in den Boden, darunter Blumenrohr mit dem verheißungsvollen Namen „Liebesglut“, knallgelbe Wandelröschen, rosarote Dahlien und Heliotrop in Marineblau mit Vanilleduft. Und dann ist der Sommer wirklich nicht mehr aufzuhalten.

Juliane Kaune