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Aus der Stadt Herrenhäuser-Geschäftsführer führt durch Brauerei
Hannover Aus der Stadt Herrenhäuser-Geschäftsführer führt durch Brauerei
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22:11 06.05.2010
Prost: Zum Abschluss der Brauereiführung stößt Middendorf (re.) mit Gästen an. Quelle: Frank Wilde

Seit Wochenbeginn ist bei der insolventen Brauerei Herrenhäuser wieder Leben in der Bude: Die 60 Beschäftigten haben ihre Arbeit wieder aufgenommen, von der Verwaltung bis zum Sudhaus herrscht Betriebsamkeit. Donnerstag durften sich Besucher vom Frühlingserwachen in Hannovers letzter mittelständischen Brauerei überzeugen: Erstmals nach langer Zeit bot Geschäftsführer Manfred Middendorff wieder eine Besucherführung an.

Die kleine Besuchergruppe staunte nicht schlecht: Eine Brauerei ist heute ein Hochtechnologiebetrieb. Computer haben vielerorts Menschen ersetzt, ganze Wände mit Schaltern, Knöpfen und digitalen Anzeigen prägen das Innenleben des Betriebs. Die wichtigste Zutat für das Bier ist nicht etwa Hopfen und Malz, sondern Wasser. „Wir haben ein eigenes Wasserrecht“, erzählt Middendorff. Bis zu 80 Meter tief reichen elf auf dem Gelände befindliche Brunnen in den Boden. Das Wasser kommt aus dem Harz – ein unterirdischer Urfluss führt es unter der Leine hindurch nach Herrenhausen. Das Wasser habe einen enormen Einfluss auf den Geschmack des Bieres, doziert Middendorf: Es mache das aktuelle Herrenhäuser Pils „bitter und malzig, aber nicht mehr so hart im Geschmack wie früher“.

Die Middendorffs sind über Generationen Bierbrauer gewesen. Kein Wunder, dass der Chef sagt: „Eigentlich ist Bierbrauen kinderleicht.“ Man nehme einen großen Topf, erhitze Wasser darin, gebe Malz und Hefe dazu – und nach einer Zeit des Gärens ist das Getränk fertig. Die Gäste zweifeln – die Vielzahl an Maschinen überzeugt einen davon, dass Bierbrauen in der Praxis vielleicht doch nicht so einfach ist. Für sie aber zählt vor allem das Ergebnis – und das lieben sie. Der 74-jährige Bernhard Petrasch etwa hat kürzlich sogar in seinen Bayernurlaub extra eine Kiste „Herri-Pils“ mitgenommen. Günter Evers hat der „wunderbare Geschmack“ nicht mehr losgelassen: „Mein Herri bleibt mein Herri.“ Petrasch würde eine Pleite des Unternehmens bedauern. „Es wäre schade, wenn so eine alteingesessene Brauerei wirklich kaputtgeht.“

Bei der Herrenhäuser-Führung geht es derweil bergauf. Letzte Station der Führung ist der „Bierhimmel“. So haben die Angestellten die ehemalige Brauereigaststätte getauft, Besucher werden hier mit Bier und Schmalzbrot versorgt. Einem tollen Panoramablick, der über einen großen Teil Herrenhausens reicht, verdankt der „Bierhimmel“ seinen Namen.

Künftig gibt es wöchentlich eine Tour in den „Himmel“. Donnerstags ab 12 Uhr führt der Chef persönlich, die Kosten betragen sieben Euro pro Person. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer (05 11) 7 90 72 32 möglich.

Dirk Meyland

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