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Aus der Stadt Herrenhäuser ist mit Gehältern im Rückstand
Hannover Aus der Stadt Herrenhäuser ist mit Gehältern im Rückstand
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18:24 01.03.2010
Von Bernd Haase
Das Geschäft mit dem Bier läuft bei Herrenhäuser gut, trotzdem ist das Unternehmen mit Gehältern und Betriebsrenten im Rückstand. Quelle: Archiv

Nachrichten über Zahlungsschwierigkeiten bei der Herrenhäuser Brauerei kommen mit schöner Regelmäßigkeit. Am Montag wurde bekannt, dass das Unternehmen zum wiederholten Mal mit Gehältern, Betriebsrenten und Abfindungen im Rückstand ist. Eine Handvoll Mitarbeiter hatte sich am Morgen zu einer Spontandemonstration auf dem Brauereigelände eingefunden. In den vergangenen Wochen ist dort die Belegschaft von 100 auf 82 reduziert worden – Anfang des vergangenen Jahres hatte sie noch 112 Köpfe gezählt. Das Paradoxe: Herrenhäuser, mittlerweile nach Hektoliterausstoß die Nummer eins unter den hannoverschen Marken vor der leidgeprüften Gilde, hat kein Absatzproblem. „Uns drücken Altlasten, die wir abarbeiten müssen“, sagt Geschäftsführer Manfred Middendorff.

Die von Middendorff genannten Altlasten liegen sozusagen auf zwei unterschiedlichen Deponien: Zum einen muss das Unternehmen nach wie vor einen satten fünfstelligen Euro-Betrag an Betriebsrenten erwirtschaften. Zum anderen drücken Steuerschulden in sechsstelliger Höhe, die zum großen Teil in den achtziger Jahren entstanden sind. „Wir müssen davon herunterkommen, aber das geht eben nicht von heute auf morgen“, erklärt Middendorff.

Die angespannte Lage belastet nicht nur die Unternehmensleitung, sondern auch die Mitarbeiter. Aktuell hinkt Herrenhäuser mit den Lohnzahlungen zwei Monate hinterher. Außerdem hat man vor Weihnachten beim Personal gestrichen – vor allem in den Bereichen Logistik und Außendienst. Unter anderem hat Vertriebschef Michael Heller die Brauerei verlassen. „Wir müssen Kosten streichen und dabei vor allem gewährleisten, dass der Braubetrieb ohne Unterbrechung läuft“, sagt Middendorff. Letzteres ist oft schwieriger, als es klingt: Rohstoffe erhält die Brauerei schon seit geraumer Zeit nur noch gegen Vorkasse. Wenn mehr Geld für den Einkauf da wäre, könnte Herrenhäuser nach Angaben des Geschäftsführers sogar mehr Bier brauen.

Im operativen Geschäft verdient Herrenhäuser nach eigenen Angaben Geld. Im Gegentrend zum gesamtdeutschen Markt, auf dem der Bierausstoß im vergangenen Jahr um zwei Prozent gesunken ist, hat die Stadtteilbrauerei unter anderem auf Kosten der schwächelnden Gilde um zwei Prozent zugelegt. Der Jahresausstoß liegt bei 200 000 Hektolitern, und seit die Rohstoffkosten für Hopfen, Malz und Energie zurückgegangen sind, lassen sich wieder Margen erzielen.

Das laufende Geschäft ist der Grund, warum trotz der angespannten Situation derzeit niemand an eine Insolvenz denkt – Middendorf selbst nicht, aber auch die Sozialträger und die Gewerkschaft nicht. „Wir haben damit zu tun, für die Mitarbeiter Ansprüche zu erhalten und rechtsgültige Titel zu erstreiten“, sagt Hans-Werner Maier, Geschäftsführer bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Hannover. Er hatte Anfang im April 2009 eine Strafanzeige wegen Verdachts der Insolvenzverschleppung gegen die Brauerei gestellt, Anlass waren auch damals die schleppenden Gehaltszahlungen. Nach einem Kompromiss, den die frühere Landesministerin Heidi Merk vermittelte, zog Maier die Anzeige zurück.

Eine Insolvenz, so vermutet Maier nun, werde im Fall Herrenhäuser aber nicht die Chance auf einen Neubeginn eröffnen, sondern das Ende für die Traditionsbrauerei herbeiführen. Als positives Zeichen wertet es der Geschäftsführer, dass in Herrenhausen mittlerweile ein Betriebsrat ins Leben gerufen worden ist. „Das zeigt, dass bei allen Beteiligten der gute Wille da ist“, sagt der Gewerkschafter.

Brauerei mit langer Tradition

Wenn in Hannover der Name „Herri“ fällt, weiß jeder, was gemeint ist. Die Herrenhäuser Brauerei blickt auf 132 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Das Stammunternehmen, die Brauerei „Wölfler & Wedekind Herrenhausen“, fusionierte 1906 mit der „Hannoverschen Actien-Brauerei“ zur heutigen Firma. Zeitweilig war das Unternehmen sogar an der Börse notiert. Heute ist es eine Privatbrauerei, die sich komplett im Besitz der Familie Middendorff befindet.

Hauptmarke des Unternehmens ist das Herrenhäuser Pilsener, neben Gilde und Lindener eine der drei großen heimischen Traditionsmarken. Dass das Bier aus der Stadtteilbrauerei diesen Namen tragen darf, haben Richter bestätigt. 1913 und 1930 strengte die Stadt Pilsen Prozesse an, mit denen sie das verhindern wollte, wurde aber in beiden Fällen abgewiesen. Mitte der sechziger Jahre, als in Deutschland noch mehr Bier getrunken wurde als heute, wurden in Herrenhausen mehr als 300 000 Hektoliter im Jahr gebraut. Aktuell ist es ein Drittel weniger.

Neben dem Pilsener füllen die Mitarbeiter auch Alsterwasser, Weizenbier sowie das in Hannover unerlässliche Lüttje-Lagen-Bier ab.

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