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Aus der Stadt Herzlabor wird zum Operationssaal
Hannover Aus der Stadt Herzlabor wird zum Operationssaal
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19:13 15.05.2012
Von Juliane Kaune
Julian Widder, Johann Bauersachs, Andreas Tecklenburg (v. l.) mit einem Patienten in dem neuen Herzlabor.Poblete
Julian Widder, Johann Bauersachs, Andreas Tecklenburg (v. l.) mit einem Patienten in dem neuen Herzlabor.Poblete Quelle: Gabriel Poblete Young
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Mittels eines Ballonkatheters werden die Herzklappen über einen winzigen Schnitt in der Leiste durch die Schlagader eingeführt. „Wir können nun immer mehr Herzerkrankungen ohne zeitliche Verzögerung und mit größtmöglicher Sicherheit für den Patienten sowohl diagnostizieren als auch therapieren“, sagt Prof. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie. Nach seinen Worten gehört das neue Labor zu den modernsten und leistungsfähigsten bundesweit. Die Kosten von 1,6 Millionen Euro samt Umbau des dazugehörigen Kliniktrakts trägt das Land.

Auch in etablierten Herzkatheterlaboren werden bereits sogenannte minimalinvasive Eingriffe, als „Schlüssellochchirurgie“ bekannt, über die Leiste vorgenommen. Das Spektrum dieser Technik ist weitreichend. So können zum Beispiel zur reinen Diagnose die Herzkranzgefäße grafisch dargestellt werden. Ebenso ist es möglich, diese Gefäße bei einem drohenden oder akuten Herzinfarkt mittels eines Spezialkatheters zu weiten oder auch einen Herzschrittmacher einzuführen.

Noch weitreichendere Möglichkeiten bietet das Hybrid-Labor. Eine minimalinvasive Implantation einer Herzklappe etwa war in den bisher zur Verfügung stehenden Katheterlaboren der MHH nicht möglich, weil die hygienischen Bedingungen nicht den hohen Anforderungen für einen solchen Eingriff entsprachen. In dem neuen Labor gibt es nun eine Luftschleuse wie in einem Operationssaal und eine eigene Anästhesieeinheit für die Narkose. Die Hygienestandards seien so weitreichend, dass bei Notfällen sogar der Brustkorb eines Patienten geöffnet werden könne, sagt Bauersachs. Den klassischen Operationssaal, in dem Herzchirurgen aufwendige Eingriffe an dem lebenswichtige Organ vornehmen, kann das Hybrid-Labor aber natürlich nicht ersetzen.

Hochmodern ist auch die Bildtechnik, mit der Röntgen-, Computertomographie- oder Ultraschallaufnahmen noch detaillierter und präziser werden. Besonders stolz ist Laborleiter und Oberarzt Julian Widder auf den großen Flachbildschirm, auf den während eines Eingriffs dreidimensionale Aufnahmen des Herzens projiziert werden können.

„Die Modernisierung der Klinik für Kardiologie und Angiologie stärkt die überregionale Bedeutung der MHH in der Behandlung schwerstkranker Patienten“, sagt Vizepräsident Andreas Tecklenburg. Im vergangenen Jahr wurden in der Klinik 3300 Herzpatienten behandelt, diese Zahl soll nun weiter gesteigert werden.

Andreas Schinkel 15.05.2012
Bernd Haase 18.05.2012
Tobias Morchner 15.05.2012