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Aus der Stadt Hier fährt der TW 3000 durch Hannover
Hannover Aus der Stadt Hier fährt der TW 3000 durch Hannover
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18:43 29.01.2015
Von Bernd Haase
Am Donnerstag steuerte der TW 3000 die Endhaltestelle in Altwarmbüchen an. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Mitfahren ist noch nicht erlaubt, aber man kann ihn schon sehen – den neuen Stadtbahnwagen der Üstra vom Typ TW 3000. „Er ist derzeit im gesamten Netz für Fahrschulfahrten unterwegs“, sagt Unternehmenssprecher Udo Iwannek. Am Donnerstag fuhr der TW 3000 durch die Oststadt, die List und Lahe nach Altwarmbüchen. Wegen seiner hochgezogenen Form und den großen Fenstern fällt der Neue durchaus auf – schon im Vergleich zum Silberpfeil, erst recht aber gegenüber den älteren grünen Stadtbahnen, denen die Schwierigkeiten bei der Produktion des TW 3000 ja eine längere Verweildauer im Üstra-Betrieb als ursprünglich geplant beschert haben.

Pfusch bei Schweißarbeiten an tragenden Teilen hatte dazu geführt, dass die neue Stadtbahn im März vergangenen Jahres zwar in recht pompösen Rahmen vorgestellt wurde, dann aber nach Entdeckung der Mängel erst einmal stillgelegt werden musste. Die für das Malheur verantwortliche Zuliefererfirma hat den Auftrag verloren. Die Kosten für die Verzögerung muss nicht die Üstra sagen, sondern die Produzenten.

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Hannovers neue Stadtbahn ist unterwegs: Für Schulungszwecke werden derzeit Fahrten im gesamten Streckennetz der Üstra absolviert.

Mittlerweile haben sich Hersteller, Verkehrsunternehmen und Aufsichtsbehörde über einen Sanierungsplan für die insgesamt 18 schadhaften Fahrzeuge geeinigt. Auch läuft die Auslieferung von Wagen, bei denen keine Schäden aufgetreten sind. Derzeit sind insgesamt drei von 50 im ersten Lieferpaket vorgesehenen Stadtbahnen zum Stückpreis von 2,5 Millionen Euro einsatzfähig. Die Üstra will sie von April an im regulären Fahrbetrieb einsetzen, und zwar auf der Linie 7 Richtung Misburg.

Bis dahin kann es im hannoverschen Schienenverkehr noch zu Engpässen kommen. Im Dezember hatte die Üstra vorübergehend nicht genügend Fahrzeuge zur Verfügung, um der regulären Betrieb aufrecht zu erhalten. Am 2. Dezember waren acht Fahrzeuge nach Unfällen in der Werkstatt, zudem fielen fünf weitere mit kleineren Störungen aus, sodass es zu Problemen gekommen war. Das Verkehrsunternehmen musste auf fünf Linien Fahrten ausfallen lassen. „Solange der TW 3000 nicht eingesetzt werden kann, haben wir weiter keine großen Reserven, um Ausfälle zu kompensieren“, hieß es seitens des Unternehmens.

Das ist neu am TW 3000

Intelligente Fahrersitze, weiche Außenhaut, getönte Scheiben: Die neuen Stadtbahnen bringen viele innovative Austattungsmerkmale mit. So wurden bei der Entwicklung des TW 3000 Ideen von Senioren- und Behindertenverbänden, Erkenntnisse aus der Unfallforschung und Ergebnisse von Fahrgastbefragungen berücksichtigt. Im Unterschied zu den vorhandenen Silberpfeilen sind die Außenscheiben leicht getönt und stehen hochkant. Auffällig sind auch die Lichtstreifen über den Türen. Bei grünem Signal lassen sich die Türen noch öffnen, bei Rot nicht mehr. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Farbe je nach Stimmung

Mittlerweile berühmt ist die sogenannte farbliche Ambientebeleuchtung, die es weltweit noch nicht in Stadtbahnen gibt und mit der die Üstra auf das Wohlbefinden ihrer Fahrgäste Einfluss nehmen will. Lichtbänder unter der Decke des Fahrgastraums können nicht nur Weißlicht abstrahlen, sondern je nach Bedarf auch andere Farben: kühles Blau an heißen Sommertagen, warmes Gelb, wenn es draußen kalt ist, und beruhigendes Grün. „Rot hätten wir auch aufnehmen können, haben es aber unterlassen, weil die meisten sofort eine bestimmte Assoziation hatten“, erklärt Gunnar Straßburger, Projektleiter bei der Üstra.

Innen: Hilfston und intelligente Sitze

Zu den Standards im Fahrzeuginneren zählen dunkelbraune Sitze, orangefarbene Haltestangen, Abteile für Kinderwagen, Rollatoren sowie Videoüberwachung und Fahrgastfernsehen. Die Sitze des neuen Stadtbahnmodells sind bis zu sechs Zentimeter höher als die bisherigen. Gleich hinter der Fahrerkabine befindet sich eine breitere Sitzschale, die zum Beispiel Eltern mit Kind Platz bieten soll.

Die Üstra hatte zahlreiche Wünsche für ihre neuen Stadtbahnwagen. Höhere Sitze, mehr Platz im Innenbereich, größere Fenster – hier kommt der Überblick.

Die Haltestangen im Inneren sind im Abstand von einem Meter eingebaut worden. Damit sollen auch Rollstuhlfahrer sich leicht in der Bahn bewegen können. Fahrgäste, die schlecht sehen oder blind sind, sollen mit Hilfe eines Tons leichter zur Tür finden. Auch an das eigene Personal hat die Üstra gedacht. Die Fahrer dürfen sich über einen Memorysitz freuen, der sich automatisch den ergonomischen Anforderungen des Fahrzeuglenkers anpasst.

Außen: Weiche Haut und Lichtleiste

Zu den Besonderheiten des TW 3000 zählt die Frontpartie mit ihrer hochgezogenen Scheibe. Bei drei der darunter angebrachten Teile lässt sich die äußere Kunststoffhaut mit dem Finger leicht eindrücken. „Forscher haben herausgefunden, dass sich so bei Unfällen mit Personen die Schwere von Kopfverletzungen mindern lässt“, erklärt Straßburger.

Wagenlänge: 25,16 m

Wagenbreite: 2,65 m

Wagenhöhe: 3,75 m

Sitzplätze: bis zu 54

Stehplätze: bis zu 121

Antrieb: 4 x 125 kW

Gewicht: etwa 40 Tonnen

Türen: 4 Stück auf jeder Seite

Höchsttempo: 80 km/h

Verzichtbar sind beim TW 3000 indes die Klapptrittstufen. Die Wagen kommen nur auf Linien zum Einsatz, die bereits vollständig mit Hochbahnsteigen ausgebaut sind. Zum Start sollen sie auf den Linien 3 und 7 rollen.

29.01.2015
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