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Aus der Stadt Was Flüchtlinge jetzt wirklich brauchen
Hannover Aus der Stadt Was Flüchtlinge jetzt wirklich brauchen
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12:41 12.11.2014
Von Andreas Schinkel
Foto: Beweis der Hilfsbereitschaft: Im Flüchtlingsheim an der Hildesheimer Straße ordnen Nazar Musa-Misho (von links) und Heimleiterin Irene Wenger die Spenden.
Beweis der Hilfsbereitschaft: Im Flüchtlingsheim an der Hildesheimer Straße ordnen Nazar Musa-Misho (von links) und Heimleiterin Irene Wenger die Spenden.Fotos: Thomas, Archiv Quelle: Michael Thomas
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Hannover

In den drei Flüchtlingsheimen, die die Caritas betreibt, wisse man gar nicht mehr wohin mit den vielen Kuscheltieren, Matratzen und Kleinmöbeln. Die Betreiber anderer Unterkünfte machen ähnliche Erfahrungen. „Kleidungsstücke haben wir mehr als genug“, sagt Irene Wegener, Leiterin des Wohnheims an der Hildesheimer Straße nahe dem Döhrener Turm. Man wisse die große Hilfsbereitschaft zu schätzen, heißt es aus den Einrichtungen, doch komme es jetzt auf gezielte Spenden an, die sich am tatsächlichen Bedarf orientieren - und der sieht von Wohnheim zu Wohnheim anders aus.

Grundsätzlich gilt: Alle Sachspenden sollten unbeschädigt und funktionstüchtig sein. „Manchmal bekommen wir Möbel, die reif für den Sperrmüll sind“, sagt Kemper von der Caritas. Hilfreicher als Möbel sei jetzt Winterbekleidung. „Wattierte Hosen für Kinder können wir gut gebrauchen“, sagt sie. Willkommen sind zudem Schultaschen und leicht verständliche Kinderspiele.

Im freikirchlichen Heim an der Hildesheimer Straße verzichtet man aus hygienischen Gründen auf manche Geschenke, etwa Matratzen. „Auch wir hatten schon Sperrmüll vor der Tür“, sagt Wegener. Alle Sachspenden deponiert sie in einem separaten Raum in der Nähe des Wohnheims. „Dort können sich unsere Bewohner und die Flüchtlinge, die in Wohnungen leben, bedienen“, sagt die Heimleiterin. Bei ihren Schützlingen seien Briefmarken besonders begehrt, schließlich wollten sie Kontakt mit der Heimat halten. Fernseher besitze man genug, aber ein digitaler Fernsehempfänger wäre eine sinnvolle Spende. „Zudem haben wir Bedarf an Pflastern und Mullbinden“, sagt Wegener.

Elvira Hendricks, Leiterin der Gemeinschaftsunterkunft auf der Bult, sucht nach Kleidungsstücken in der passenden Konfektionsgröße. „Ich brauche kleine Herrengrößen, etwa 48“, sagt sie. Denn die syrischen Männer, die in ihrer Einrichtung wohnen, seien deutlich schmaler als der durchschnittliche Deutsche. „Schuhgrößen sollten zwischen 39 und 42 liegen“, sagt Hendricks. Sie spricht für drei Einrichtungen, die von dem Unternehmen Fair Facility betrieben werden. Zudem ist Hendricks Vorsitzende des stadtweiten Unterstützerkreises Flüchtlingsunterkünfte Hannover e.V.

Manchmal, so hat Hendricks festgestellt, driften die Wahrnehmungen auseinander. „Opas Konfirmationsanzug mag für die Spenderfamilie eine hohe emotionale Bedeutung haben, aber wir müssen darauf achten, dass das Stück nicht allzu abgewetzt aussieht“, sagt sie.

In den sieben Wohnheimen des Betreibers European Homecare hält man Kleiderspenden für überflüssig. „Selbst für den Winter sind wir gut ausgestattet“, sagt Homecare-Sprecher Klaus Kocks. Dagegen hapert es an Spielen und Sportgeräten. „Die Asylsuchenden sind ja zur Beschäftigungslosigkeit verdammt, so lange ihr Antrag läuft“, sagt Kocks. Daher sei man dankbar für jeden Fußball, jedes Puzzle und Kinderspielzeug. „Und für die Frauen können wir Bastel- und Handarbeitsutensilien gebrauchen“, sagt Kocks.

Beim Deutschen Roten Kreuz, das die Unterkunft im ehemaligen Schulzentrum Ahlem betreut, kann man noch so ziemlich alles gebrauchen. Als neue Einrichtung fehlt es an Hausrat wie Wasserkochern, aber auch an Kleidung.

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