Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt So wird das Historische Museum umgebaut
Hannover Aus der Stadt So wird das Historische Museum umgebaut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 24.11.2017
Umbau im großen Stil: Jan Willem Huntebrinker und Thomas Schwark vom Historischen Museum in der Vierländer Stube, die derzeit abgebaut wird. Quelle: Wilde
Hannover

 An den Wänden zeichnen sich Staubrahmen ab, wo vor kurzem noch Bilder hingen. Rollwagen und Leitern stehen zwischen hölzernen Transportkisten und den Vitrinen, in denen noch vor kurzem Hannovers historisches Ratssilber zu sehen war. In den Räumen herrscht gespenstische Leere. Tabula rasa. Alles muss raus, damit alles ganz neu gefüllt werden kann. „Bei unserer Neukonzeption wird jedes Exponat neu bewertet“, sagt Thomas Schwark.

Derzeit wird die Dauerausstellung des Historischen Museums neu konzipiert.

Der Museumsdirektor steht in der „Vierländer Stube“, von der nur noch ein Fachwerkgerippe übrig ist. Das Historische Museum baut seine Dauerausstellung seit Juni im ganz großen Stil um. Für 2,8 Millionen Euro erfindet sich das Haus praktisch neu; das erste und zweite Stockwerk sind seither für Besucher gesperrt. Abteilungen wie „Leben auf dem Land“, die zuletzt gleich im mehrfachen Sinne museal anmuteten, verschwinden – und damit auch der betuliche Nachbau der Bauernstube.

Die Prunkstücke des Museums sollen auch künftig zu sehen sein

Rund 1100 Objekte sind bereits verpackt und ausgelagert worden, weitere 800 folgen noch. Das Museum hat zusätzliche Depotflächen von 2000 Quadratmetern angemietet, um die Stücke unterzubringen. Unter anderem musste eine große Dreschmaschine aus der Zeit um 1900 weichen. Die neue Ausstellung wird schlanker werden und nur noch rund 1200 Stücke zeigen. „Die Strahlkraft einzelner Objekte soll so besser zur Geltung kommen“, sagt Schwark. Allerdings blieben Ikonen des Museums auch weiterhin zu sehen – beispielsweise das Hanomag-Kommissbrot, die berühmten Kutschen und das Mackensen-Gemälde „Gottesdienst im Moor“. „Das ist  schließlich unsere Mona Lisa“, sagt Schwark.

So ein Relaunch ist für ein Museum eine große Häutung, ein Stück identitäre Selbstvergewisserung. Die alte Dauerausstellung war größtenteils 1993 konzipiert worden – seither hat sich unsere Weltsicht schleichend verändert,  andere Themen sind in den Fokus gerückt. In der neuen Dauerausstellung sollen zeitgenössische Themen wie die Expo oder Migration ihren Platz haben. Bislang war spätestens in den Fünfzigerjahren Schluss.

Auch das Besucherverhalten hat sich verändert.  „Niemand bleibt heute mehr sechs Stunden lang im Museum, um alles zu sehen“, sagt Museumspädagoge Jan Willem Huntebrinker. Das neue Konzept sei darauf abgestimmt: Bislang gab es im zweiten Stock Impressionen aus dem Landleben zu sehen und im ersten Stock Hannovers Stadtgeschichte, nach alter Väter Sitte sauber chronologisch geordnet. Die neue Dauerausstellung soll auf den beiden Etagen hingegen sieben Themen präsentieren.

Beim Kapitel „Einschnitte“ soll es um prägende Zäsuren wie die Reformation oder den Krieg gehen. Die Kutschenhalle steht unter der Überschrift „Welfenstadt“. Bei einem anderen Thema dreht sich alles um Kleidung und Geschlechtsrollen, und „Typisch Hannover!?“ zeigt, wie VW, Schützenfeste oder Messe die Identität der Stadt geformt haben.

Asbest könnte Wiedereröffnung verzögern

Die Wiedereröffnung der Dauerausstellung ist für den  Herbst 2019 geplant. Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Unter anderem sollen viele jener Fenster ausgetauscht werden, die die Architektur des Hauses prägen: Textilien und Dokumente sind teils hochempfindlich; zu viel Licht ist Konservatoren ein Gräuel. Daher soll das Museum Scheiben mit speziellen UV-Filtern bekommen.

„Wir wissen außerdem, dass hier Asbest verbaut wurde“, sagt Schwark. „Womöglich werden wir für bestimmte Baumaßnahmen Spezialfirmen brauchen.“ Änderungen am Zeitplan und am Kostenrahmen könnten daher nicht ausgeschlossen werden.

Der Museumsbetrieb läuft derweil weiter: Kindergeburtstage und Schüleraktionen gehen verstärkt im benachbarten Beginenturm über die Bühne, das Erdgeschoss steht durchgängig für Sonderausstellungen zur Verfügung. „Unser Haus bleibt geöffnet“, sagt Schwark: „Wir hatten noch nie so viele Veranstaltungen wie in diesem Winter.“

Winterprogramm mit Basar, Märchen und Vorträgen

Trotz der Umgestaltung gibt es in den Wintermonaten zahlreiche Veranstaltungen im Historischen Museum.

Am kommenden Freitag, 24. November, geht dort von 11 bis 16 Uhr ein großer Basar über die Bühne. Das Museum verkauft unter anderem Reproduktionen von Gemälden aus der Dauerausstellung. An einem Stand der HAZ-Weihnachtshilfe können Besucher die neue Benefiz-CD "Weihnachtliche Musik aus der Unesco City of Music" erwerben oder in den Kunstwerken der Künstlerwerkstatt two lives stöbern, die zugunsten von Menschen in Not verkauft werden.

Im Dezember geht es märchenhaft im Museum zu: Am 2. Dezember, 16 Uhr, wird dort der „Verstiefelte Kater“ gezeigt, am 3. Dezember „Sterntaler“. Am 10. Dezember zeigt das Figurentheater Marmelock um 11.30 Uhr sowie um 13 Uhr „Die Schöne und das Tier“, anschließend gibt es Mitmachaktionen zum Thema Märchen.

In einer Vortragsreihe spricht Bauhistoriker Sid Auffarth am 28. November, 18 Uhr, über das NDR-Funkhaus und am 12. Dezember, 18 Uhr, über das Historische Museum selbst. Und am 7. Dezember, 18 Uhr, moderiert HAZ-Redakteur Jan Egge Sedelies eine Talkrunde mit prominenten Gastronomen über Hannovers Kneipenszene.

Von Simon Benne

Das Interesse war groß: Die Stadtverwaltung hat die Bürger in der Sitzung des Bezirksrats Südstadt-Bult über die Sanierung von Straßen informiert. 

21.11.2017

Die Proteste an der Universität Hannover gegen  zentrale Prüfungstermine reißen nicht ab. Am Dienstag haben mehr als 200 Studenten vor dem Hauptgebäude mit Trillerpfeifen demonstriert.

24.11.2017
Aus der Stadt Sicherheitslandung in Langenhagen - Tui-Flieger muss nach dem Start umkehren

An Bord der Maschine von Langenhagen nach Hurghada wurde am Dienstagmorgen eine „technische Unregelmäßigkeit“ festgestellt. Die Boeing drehte um und landete wieder in Hannover.

24.11.2017