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Aus der Stadt Hitzige Debatte um Namen des Wilhelm-Busch-Museums
Hannover Aus der Stadt Hitzige Debatte um Namen des Wilhelm-Busch-Museums
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19:55 28.06.2010
Von Simon Benne
Wie heißt dieses Haus? Um den Namen des Busch-Museums herrscht Verwirrung. Quelle: Pyrcek
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Der Satiriker Wilhelm Busch hätte an der ganzen Angelegenheit wohl seine Freude gehabt. Vermutlich hätte er sich im Lehnstuhl zurückgesetzt, an seiner Pfeife gezogen und ganz entspannt „Wat geiht meck dat an!“ gesagt. Unter Mitgliedern der Wilhelm-Busch-Gesellschaft (WBG) hingegen hat die Umbenennung des Wilhelm-Busch-Museums teils hitzige Debatten ausgelöst – mit dem kuriosen Ergebnis, das inzwischen gar Verwirrung darüber herrscht, wie das Haus derzeit denn nun offiziell und rechtmäßig heißt.

Bei der jüngsten Mitgliederversammlung hatte der WBG-Vorstand den Mitgliedern einen neuen Namen für das Haus im Georgengarten präsentiert: Statt „Wilhelm-Busch-Museum – Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik“ würde dieses künftig „Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst Wilhelm Busch“ heißen, erfuhren die teils überraschten Mitglieder des Trägervereins. Abgehandelt wurde die Sache unter Tagesordnungspunkt 10, kurz vor „Verschiedenes“, als „Vorstellung eines neuen Corporate Design“. „Das Stichwort Namensänderung fand sich gar nicht in der Einladung“, moniert WBG-Mitglied Gunther Kruse. Er glaubt, dass der Vorstand um den früheren Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg eine Diskussion vermeiden wollte und deshalb vollendete Tatsachen geschaffen habe: „Die Presse war bereits über den Namenswechsel informiert.“

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Er habe vom neuen Namen leider erst aus der Zeitung erfahren, sagt Hansjürgen Wehrmann vom Förderverein des Museums: „Der alte Name war umständlich“, sagt er. „Der neue ist es auch.“ Museumsdirektor Hans Joachim Neyer hingegen bricht eine Lanze für diesen: International sei Wilhelm Busch nun einmal zu unbekannt, um damit prunken zu können, und der neue Name spiegele auch die Arbeit des Hauses besser wider. „Der alte Name erweckte den Eindruck, es gehe in dem Museum nur um Wilhelm Busch“, sagt auch Schmalstieg: „Bei der Mitgliederversammlung gab es viel Zustimmung zum neuen Namen.“ Ein Mitglied der Busch-Gesellschaft, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sieht das anders: „Der Wunsch nach einer Abstimmung über die Änderung wurde abgewürgt, weil darüber angeblich der Vorstand alleine entscheiden dürfe“, sagt der Mann. Dabei sei für eine Namensänderung eine Satzungsänderung nötig, die mit Dreiviertelmehrheit der Mitglieder beschlossen werden müsse. Und weil es diese nun einmal nicht gab, sei die ganze Änderung schlicht ungültig: „Der bisherige Name bleibt bis auf Weiteres verbindlich.“

Schmalstieg hingegen versichert, die Namensänderung sei juristisch genau geprüft worden. Die Mitgliederverammlung habe laut Satzung nur „über wenige grundlegende Dinge“ zu beschließen – der Rest sei Vorstandssache, heißt es in einem Schreiben des Vorstands an ein WBG-Mitglied, das der HAZ vorliegt.

Der Brief reagiert spitzfindig auf Spitzfindigkeiten: Eine Satzungsänderung sei nicht nötig, heißt es darin, da der Name „Wilhelm-Busch-Gesellschaft“ in der Satzung ja gar nicht angerührt werde: „Nur der Name des Museums wird geändert.“ Dass der alte Museumsname weiterhin in der unveränderten Satzung steht, falle nicht weiter ins Gewicht – „weil jeder weiß, was gemeint ist“.

28.06.2010
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Juliane Kaune 27.06.2010