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Aus der Stadt Hochhaus in Hannover seit Tagen ohne Heizung
Hannover Aus der Stadt Hochhaus in Hannover seit Tagen ohne Heizung
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21:36 02.12.2010
Menschliche Wärme: Giseltraud Meyer bringt einer bettlägerigen Seniorin heißen Tee.
Menschliche Wärme: Giseltraud Meyer bringt einer bettlägerigen Seniorin heißen Tee. Quelle: Rainer Surrey
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In einem Hochhaus in Groß-Buchholz ist seit Tagen die Heizung ausgefallen. Die Mieter, darunter etliche ältere und auch bettlägerige Menschen, müssen in ihren Wohnungen Zimmertemperaturen von 14 bis 15 Grad ertragen. Sie haben sich in Decken und Mäntel gehüllt, eine 88-jährige Seniorin bekommt von Nachbarn regelmäßig heißen Tee ans Bett gebracht. „Es ist nicht zum Aushalten“, sagt Bewohnerin Theodora Kardekewitz. Von den rund 60 Parteien im Haus sind etliche bereits geflüchtet, auch Kardekewitz ist am Donnerstagabend übergangsweise zu ihrer Schwester gezogen.

Bereits im Juli hatten Bewohner des Hochhauses in der Sven-Hedin-Straße 21 Alarm geschlagen, weil der Aufzug wochenlang ausgefallen war und ältere Menschen mit künstlichen Hüften und anderen Handicaps mühsam Treppen steigen mussten. Im Sommer konnte erst die öffentliche Berichterstattung den Vermieter – die bundesweit aktive Fondsgesellschaft Deutsche Annington (DA) – zu einer nachhaltigen Reparatur bewegen. Zuvor war die Wartung jahrelang vernachlässigt worden, auch weil das Unternehmen zu einer billigeren Wartungsfirma gewechselt hatte.

Bei der Heizung verhält es sich offenbar ähnlich. Nach Angaben der Mieter ist die Anlage, die wohl noch aus den sechziger Jahren stammt, schon lange störanfällig. Die Servicefirma habe die Probleme aber stets in den Griff bekommen. Zu Jahresbeginn hätten die Monteure offenbar eine Grundreparatur an den Gasventilen empfohlen, die einen vierstelligen Betrag kosten sollte. „Seitdem kommt hier eine andere Firma“, sagt eine Mieterin. „Die stehen vor der Anlage und wissen nicht, wo sie anfangen sollen.“

Offenbar gab es am Mittwoch einen Reparaturversuch, danach lief die Heizung für etwa eine halbe Stunde. Auf die verzweifelten Anrufe der Mieter hin schickte die vom Vermieter DA beauftrage
Servicefirma am Donnerstag wieder die gleichen Techniker, die mittags schulterzuckend abzogen. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe gab es keine Hinweise, dass das Problem behoben wurde.

DA-Sprecher Ralf Krämer konnte am Donnerstag keine detaillierten Angaben zu dem Vorgang machen. Bundesweit gebe es wegen der Kältewelle Schwierigkeiten mit Zentralheizungen. Die mobilen Heizaggregate, die in solchen Fällen als Notversorgung installiert würden, seien „bis zum 10. Dezember ausgebucht“. Heute wolle man sich des hannoverschen Problems annehmen und den Mietern möglicherweise Heizlüfter zur Verfügung stellen.

Miete darf gekürzt werden: Wenn bei den derzeitigen Temperaturen die Heizung ausfällt, darf die Miete um 100 Prozent gekürzt werden. Alternativ können Mieter ins Hotel gehen und sich die Kosten erstatten lassen, sagt Susanne Schönemeier vom Mieterbund. In jeden Fall aber solle der Vermieter vorher unter Zeugen über den Mangel informiert werden.

Conrad von Meding

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