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Aus der Stadt Hochschulen fehlen 430 Millionen Euro
Hannover Aus der Stadt Hochschulen fehlen 430 Millionen Euro
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20:38 09.12.2016
Von Bärbel Hilbig
Am größten Campus der Hochschule Hannover in Linden ist das zentrale Gebäude Block 9 (oben rechts) noch nicht saniert, ebenso die Laborhallen (unten rechts). An der Villa Simon (links) schützen Netze seit Jahren Passanten vor herabfallenden Steinen.
Am größten Campus der Hochschule Hannover in Linden ist das zentrale Gebäude Block 9 (oben rechts) noch nicht saniert, ebenso die Laborhallen (unten rechts). An der Villa Simon (links) schützen Netze seit Jahren Passanten vor herabfallenden Steinen. Quelle: Schaarschmidt/Peters
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Hannover

Schließen musste die Hochschule Hannover (HsH) bisher noch kein Gebäude wegen Sicherheitsmängeln. Vizepräsident Thorsten Schumacher hält das aber eher für eine Glückssache. Studenten und Dozenten arbeiten mancherorts in Räumen, in denen die Deckenplatten herabzustürzen drohen oder auch EDV- und Stromleitungen gemeinsam in einem Kabelkanal verlaufen. Die Landeshochschulkonferenz hat jetzt beklagt, das Land stelle kaum Geld für dringend notwendige Sanierungen an den niedersächsischen Hochschulen bereit. Schätzungen gehen von 2 Milliarden Euro Bedarf aus.

Eine realistische Zahl, bestätigen Schumacher und Christoph Strutz, Vizepräsident der Leibniz-Universität. Die Fachhochschule benötigt zeitnah rund 60 Millionen Euro. Der Sanierungsstau an der Leibniz-Uni steigt jedes Jahr und beläuft sich aktuell auf 370 Millionen Euro. Das sei dem Wissenschaftsministerium bekannt, betont Vizepräsident Strutz. „Vom Land bekommen wir pro Jahr vielleicht 5 Millionen Euro. Damit komme ich natürlich nie hinterher.“

Offensichtliches Zeichen des Verfalls sind bröckelnde Fassaden an Uni-Gebäuden wie bei der seit Jahren mit Netzen verhängten Villa Simon am Königsworther Platz. Über rund 100 Gebäude verfügt die Leibniz-Uni für ihre 28.000 Studenten und 5000 Mitarbeiter, vom hochmodernen Forschungsbau bis zum denkmalgeschützten Gemäuer. „Manche Häuser sind abrissreif. In den vergangenen Jahrzehnten ist viel zu wenig in ihren Unterhalt gesteckt worden“, konstatiert Strutz. Ein Sanierungsprogramm, wie andere Bundesländer es bereits aufgelegt haben, sei dringend notwendig.

Die HsH zahlt aktuell manche Sanierung und sogar Neubauten aus Rücklagen. Doch die sind endlich. „Das Ministerium fördert Sanierungen nur, wenn Gefahr für Leib und Leben droht. Aber sobald wir das ernsthaft feststellen, dürfen wir ein Gebäude nicht mehr betreiben“, sagt Schumacher. Am Campus in Linden steht noch für gut ein Drittel der Altbauten aus der Siebzigerjahren die Sanierung aus. In Ahlem hat das Land für die HsH Gebäude erworben, die komplett erneuerungsbedürftig sind. Nur der erste Sanierungsschritt, der bis 2020 läuft, ist gesichert. „Das Land behilft sich oft damit, Arbeiten zu strecken. Und mittlerweile läuft nichts mehr, ohne dass wir etwas dazugeben.“

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