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Aus der Stadt Hochwasser kostet auch Hannover Geld
Hannover Aus der Stadt Hochwasser kostet auch Hannover Geld
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00:15 12.06.2013
Von Andreas Schinkel
Hannover Rück rechnet damit, dass es für die Flutschäden zur Kasse gebeten wird. Quelle: dpa
Hannover

„Es ist davon auszugehen, dass sich demnächst Versicherer bei uns melden“, sagt Janine Bernkurth, Sprecherin des Rückversicherers. Sollte Hannover Rück dadurch Gewinneinbußen haben, fiele die Gewerbesteuerzahlung an die Stadt wesentlich geringer aus als eingeplant.

Im Rathaus erwartet man zwar keinen massiven Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen, wohl aber „eine Delle“, wie es heißt. Für Stadtkämmerer Marc Hansmann (SPD) ist die Unsicherheit in Sachen Hannover Rück ein Beleg dafür, welchen Schwankungen die Gewerbesteuer ausgesetzt ist. „Daher warne ich davor, in blindem Vertrauen auf die Gewerbesteuereinnahmen immer neue Ausgaben zu schaffen“, sagt Hansmann.

Noch aber macht man sich in der rot-grünen Koalition diese Sorgen nicht. Aktuell verbucht die Stadt Einnahmen von rund 580 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer. „Das ist ein gutes Polster“, sagt SPD-Finanzexperte Ralf Borchers. Das ursprünglich gesteckte Ziel von 540 Millionen Euro habe man also schon weit überschritten. „Wenn Ende des Jahres keine Wirtschaftskrise kommt, werden die Einnahmen nicht komplett einbrechen, trotz möglicher Einbußen bei Hannover Rück“, sagt Borchers. 2012 lagen die Erträge aus der Gewerbesteuer bei rund 600 Millionen Euro, 2011 bei 530 Millionen Euro.

Das Hochwasser rollt auf Norddeutschland zu. Experten haben die erwarteten Pegelstände am Samstag nach oben korrigiert. Im Süden wird nach und nach das Ausmaß der Zerstörung deutlich.

Den vollen Umfang der Flutschäden und damit die Summen, die auf die Hannover Rück zukommen, kann das Unternehmen noch nicht absehen. Aber die Hochwasserkatastrophe sei schon „ein größeres Ereignis“, das man ernst nehme. Auch die Verwüstung, die ein Tornado vor einigen Wochen in Oklahoma angerichtet hatte, dürfte für den Rückversicherer  nicht folgenlos bleiben. „Wir warten noch auf verlässliche Informationen“, sagt Sprecherin Bernkurth.

Als weltweit drittgrößter Rückversicherer ist Hannover Rück immer dann gefordert, wenn auf der Welt ein großes Unglück wie jetzt die Flutkatastrophe geschieht. Dann werden die Schadenssummen für die örtlichen Versicherungsunternehmen zu groß, sodass sie sich an die Hannoveraner wenden. Vertraglich kann beispielsweise festgelegt werden, dass Hannover Rück bei Schadensfällen von mehr als zehn Millionen Euro in die Bresche springt.

Trotz vorübergehender Entspannung keine Entwarnung: Zahlreiche Gegenden in Niedersachsen sind weiter überflutet. Auch nach tagelangen Überschwemmungen lässt der Wetterbericht noch nicht aufatmen - bis Samstag sind weitere Regenfälle gemeldet.

Vor zwei Jahren musste Hannover Rück schon einmal tief in die Tasche greifen, und die Stadt verlor auf einen Schlag 100 Millionen Euro. Damals wurde Japan von einem heftigen Erdbeben und einem Tsunami heimgesucht. Die Atomkraftwerke in
Fukushima waren am Ende nur noch Ruinen, ein ganzer Landstrich wurde radioaktiv verseucht. Hannover Rück musste zahlen, und die Stadt musste die bereits überwiesene Gewerbesteuer komplett zurückerstatten.

Der Kämmerer rechnete damals mit einem hohen Schuldenberg in seinem Haushalt, doch das Minus hielt sich am Ende des Jahres mit rund 20 Millionen Euro in Grenzen. Andere Unternehmen in Hannover konnten aufgrund der guten konjunkturellen Lage den Verlust bei den Gewerbesteuereinnahmen ausgleichen.

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