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Aus der Stadt Wie weit steigt der Pegel der Leine?
Hannover Aus der Stadt Wie weit steigt der Pegel der Leine?
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19:28 15.12.2017
Hochwasser in Hannover: Am Zusammenfluss von Ihme und Leine in Linden.
Hochwasser in Hannover: Am Zusammenfluss von Ihme und Leine in Linden.  Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Der Leine-Pegel ist in Herrenhausen weit über die Fünf-Meter-Marke gestiegen. Am frühen Freitagmorgen wurden in Herrenhausen noch 5,24 Meter gemessen, um 13 Uhr knackte die Leine dann die Marke von 5,30 Meter. Damit hat das Wasser alle drei Warnmeldestufen weit überschritten und liegt nur noch 20 Zentimeter unter dem Wert vom Juli-Hochwasser..

Auch bei Pattensen-Koldingen ging die Tendenz nach oben. Am Nachmittag stieg der Pegel auf 4,50 Meter an und lag damit nur noch 20 Zentimeter unter der Meldestufe 3. Bereits seit einigen Tagen ist die Kreisstraße 335 zwischen den Neustädter Ortsteilen Bordenau und Poggenhagen gesperrt. Eine 24-jährigen Garbsenerin versuchte am Freitagmorgen dennoch, mit ihrem Auto den gesperrten Ascbhnitt zu durchfahren. Das Auto blieb liegen, als das Wasser bis über die Türschwellen schwappte. Die erschrockene Frau blieb im Wagen sitzen und alarmierte übers Mobiltelefon die Rettungskräfte. Ein Feuerwehrmann in Wathose schob den Wagen schließlich wieder aufs Trockene.

Am Donnerstagabend war das Technische Hilfswerk zu einem Hochwassereinsatz in Hannover ausgerückt: Durch den steigenden Pegel der Leine drückte das Grundwasser in eine Baugrube im Klärwerk Herrenhausen. Ein Zug des THW installierte Pumpen. Gleichzeitig werden offenbar auch Sandsäcke befüllt. „Für das Wochenende ist eine Pumpenwache eingerichtet“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix gegenüber der HAZ. Die Lage in Herrenhausen werde beobachtet.

Der Pegel der Leine steigt weiter: Bilder vom Hochwasser in Hannover und Umland.

Wie weit der Pegel der Leine noch steigt, ist offen. „Wenn nicht noch weitere ordentliche Niederschläge hinzukommen, wird es nicht so schlimm wie im Sommer“, sagt Kurt Bültemann vom überregionalen Hochwassermeldedienst. Allerdings sind die Wetterprognosen für das Wochenende nicht einheitlich.

Problematisch ist die Lage deshalb, weil die wassergetränkten Böden im Einzugsbereich der Flüsse alles, was noch an Regen vom Himmel kommt, nicht mehr zurückhalten können. Bültemann hat deshalb einen Wunsch, den andere unter dem Begriff weiße Weihnacht auch hegen: „Frost und Schnee würden helfen.“ Danach sieht es aber derzeit nicht aus.

Das Technische Hilfswerk ist zu einem Hochwassereinsatz im Klärwerk Herrenhausen angerückt. Durch den steigenden Pegel der Leine drückt das Grundwasser in eine Baugrube. Das muss nun abgepumpt werden.

Laut Stadtsprecher Dennis Dix sind die Pegelstände nicht beängstigend. „Speziell für die Stadtentwässerung gibt es aber Ablaufpläne für den Fall, dass etwas passiert. Dann werden sogenannte Schieber an den Stellen, die in Hochwassernähe sind, dicht gemacht.“ Von der Stadtentwässerung werden im Fall von Hochwasser auch  die Straßensperrungen der Wilkenburger Straße, Brückstraße und der Klappenburgbrücke aufgestellt und das Deichtor in der Düsternstraße geschlossen. Auch nach Angaben der Feuerwehr ist die Hochwassersituation noch „im grünen Bereich“, sagt ein Sprecher. „Wir führen regelmäßig Kontrollfahrten durch.“ Lediglich am Kneippweg in der Nähe des Ricklinger Bads stehe etwas Wasser auf der Fahrbahn. Die neuralgischen Punkte an der Leine wie die Brückstraße waren am Freitag aber weiterhin passierbar. Sandsäcke werden noch nicht gefüllt. Sollten die Pegelstände jedoch weiter steigen, „sind wir vorbereitet“, so der Sprecher.

Schwere Überschwemmungen und historische Wasserhöchstände: Hier gibt es Archivfotos von vergangenen Hochwasser-Lagen.

Ganz so entspannt sieht der Landvolkkreisverband Hannover die Sache nicht: „Die Leinemasch ist größtenteils unter Wasser und wir wissen jetzt schon, dass da noch was kommt“, sagt Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolkkreisverbandes mit Blick auf die Wetterberichte. Viele Bauern hätten ihre Felder nicht bestellen können. Zu groß die Gefahr, dass die Saat weggespült wird. „Die Körner vergammeln durch die ständige Nässe schon im Boden. Normalerweise kommen von 100 ausgesäten Körnern etwa 95 durch – ich denke, dass die Quote bald nur noch bei 70 liegt", sagt Hahn. Die Bauern seien mittlerweile fast daran gewöhnt. „Seit Ende Juni ist die einzige Konstante der Regen gewesen. So langsam ist auch die Futterversorgung für die Tiere nicht mehr gewährleistet.“ Ein bis zwei Hochwassser im Jahr seien relativ normal. „Aber wir haben stellenweise vier oder fünf gehabt – und das ist außergewöhnlich.“

Von Bernd Haase, Michael Soboll, Peer Hellerling, Tomma Petersen