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Aus der Stadt Hochwasserwelle rollt auf Hannover zu
Hannover Aus der Stadt Hochwasserwelle rollt auf Hannover zu
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18:38 08.01.2011
Von Mathias Klein
Am Ihme-Zentrum schwappte das Wasser am Freitag an das Gebäude heran. Quelle: Martin Steiner
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Um 21 Uhr am Freitagabend hatte der Leinepegel bei Herrenhausen einen Stand von 4,80 Metern erreicht - damit wurde die höchste Meldestufe 3 erreicht. Am Sonnabendmorgen stand er bei 5,06 und um 16 Uhr bei 5,21 Metern. Normal ist hier ein Pegelstand von etwa zwei Metern.

Derzeit bestehe keine Gefahr von größeren Überschwemmungen in Wohngebieten, sagte eine Sprecherin des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Samstagmorgen in Norden. „Die Pegel steigen langsam weiter.“ Vor allem in Südniedersachsen seien einige landwirtschaftliche Flächen überschwemmt.

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Auch Stadtsprecher Dennis Dix sagte, dass es bisher keine akute Hochwassersituation gebe. Die Lage werde aber sehr genau beobachtet. Die Stadt hat aber am Freitag erste Schutzmaßnahmen getroffen, berichtete er. So seien die Stauwand am Leinewehr bei Döhren geöffnet worden, damit dort keine mitgeschwemmten Äste oder anderes Material das Wasser aufstauen kann. Außerdem seien die Mitarbeiter der Stadtentwässerung dabei, die Abläufe der Regenwasserkanäle in die Leine zu schließen. Damit soll verhindert werden, dass das Hochwasser durch das Kanalsystem und die Gullys drückt und Straßen überschwemmt. Das Regenwasser werde dann mit Hilfe elektronischer Pumpen aus den Kanälen herausgeholt.

Die Baustelle am Ihme-Ufer, wo in den kommenden Tagen begonnen werden soll, giftigen Boden abzutragen, sei gegen das Hochwasser gesichert, meinte Dix. Das Tor am Ricklinger Deich sei noch geöffnet, könne aber bei steigenden Pegelständen jederzeit geschlossen werden.

Die Stadtwerke haben am Freitag Vormittag wegen der Hochwassergefahr das Wasserwerk Grasdorf außer Betrieb genommen um eine Verkeimung des Trinkwassers zu vermeiden. Die Wasserversorgung der Stadtteile und Kommunen im Süden haben die Harzwasserwerke übernommen.

In den Springer Ortsteilen Holtensen, Boitzum und Afferde musste die Feuerwehr am Freitagnachmittag bereits ausrücken. Dort drückte das Wasser aus der Kanalisation, einige Keller wurden überflutet. Sollte das Hochwasser, wie vorhergesagt weiter steigen, ist mit Straßensperrungen zu rechnen, sagte Regionssprecherin Christina Kreutz. Gewöhnlich seien zuerst Straßen in Hemmingen und die Kreisstraße 335 in Neustadt-Bordenau von Überflutungen betroffen. Ein Teil der Kreisstraße 335 musste am Sonnabendmorgen wegen Überflutung bereits gesperrt werden.

Die Region und auch die Kommunen hielten jeweils Sandsackvorräte bereit, berichtete sie. „Es gibt aber derzeit keine Veranlassung zu glauben, dass es eine katastrophale Lage geben könnte“, sagte Kreutz.

Ursache für den überraschend schnellen Anstieg des Pegels sind Tauwetter und Regenfälle. Das Schmelzwasser kommt aus dem Harzvorland, dem Solling und dem Weserbergland. Das Wasser aus den im Harz schmelzenden Schneemengen könnten die dortigen Talsperren noch gut aufnehmen, sagte eine Sprecherin der Landesbehörde.

Für Sonntag erwarten die Meteorologen weitere Regenfälle.

Rekorde am Pegel

Erst rund vier Wochen ist das letzte Hochwasser her. Mitte Dezember hatte der Pegel in Herrenhausen einen Höchststand von 4,95 Metern erreicht – fünfzehn Zentimeter über der höchsten Meldestufe 3, die bei 4,80 Metern liegt. Auch damals taute der Schnee und die Wiesen und Felder waren bereits mit Wasser gesättigt. Im Herbst 2007 mussten wegen Hochwassers viele Straßen in der Region gesperrt werden. Heftige Regenfälle hatten die Innerstetalsperre zum Überlaufen gebracht, das Wasser sorgte auch in der Leine für eine Flutwelle: Der Pegel stieg auf 5,69 Meter. Von größeren Schäden blieb die Stadt jedoch verschont. Der höchste Pegelstand wurde in Herrenhausen im Jahr 1946 gemessen. Damals erreichte der Pegel 6,44 Meter. Im Januar 2003 erreichte das Leinehochwasser durch die Schneeschmelze einen Pegel von 5,97 Metern. Damals musste Laatzen mit 10.000 Sandsäcken vor den Fluten gesichert werden.

Dieser Artikel wurde mehrfach aktualisiert.

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