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Aus der Stadt „Ekelhaft, abartig, widerwärtig“
Hannover Aus der Stadt „Ekelhaft, abartig, widerwärtig“
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00:15 30.03.2014
Von Michael Zgoll
Staatsanwältin Bianca Vieregge forderte für Björn F. wegen grausamen Mordes aus niedrigen Beweggründen und Vergewaltigung mit Todesfolge eine lebenslange Freiheitsstrafe. Quelle: Archiv
Hannover

Der Prozess gegen den Mann aus Langreder, der im September 2013 eine 23-jährige Frau totgeprügelt hat, geht in die entscheidende Phase: Am Donnerstag wurden die Plädoyers gehalten. Staatsanwältin Bianca Vieregge forderte für Björn F. wegen grausamen Mordes aus niedrigen Beweggründen und Vergewaltigung mit Todesfolge eine lebenslange Freiheitsstrafe. Auch solle das Schwurgericht bei dem 33-jährigen Angeklagten auf eine besondere Schwere der Schuld erkennen. Dies würde bedeuten, dass F. möglicherweise erheblich länger als 15 Jahre im Gefängnis verbringen müsste; bei günstiger Sozialprognose werden Verurteilte ansonsten oft nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen.

F.s Verteidiger Hermann Schade plädierte auf eine Haftstrafe von neun Jahren wegen Totschlags auf Basis verminderter Schuldfähigkeit. Sein Mandant sei drogenabhängig und habe während der Tat unter dem Einfluss eines Cocktails aus Rauschmitteln und Alkohol gestanden. Er appellierte an die Fairness des Gerichts; die Kammer dürfe nicht übersehen, dass Björn F. bei der Tat wie „irre“ gewirkt habe.

Sehr emotional fielen die Plädoyers von den zwei Anwältinnen der Nebenklage aus, die die Mutter und den Vater der getöteten Frau vertraten. Bei der stundenlangen Prügelorgie mit einem Schlagstock, den lang andauernden Beschimpfungen seines völlig verängstigten Opfers und den sexuellen Handlungen mit dem Knüppel habe F. „mit Überlegung und großer Brutalität“ gehandelt, sagte Rechtsanwältin Nicole Thiele. Beim Betrachten des schrecklichen Films, den der Täter während der Quälerei mit seinem Handy aufnahm, habe sie immer wieder gedacht: „Bitte, lass’ die Frau bewusstlos werden.“ Tatsächlich aber hatte die 23-Jährige von den fünf Stunden Folter noch sehr viel mitbekommen. Frauen seien für F. immer nur ein Mittel zu dem Zweck gewesen, seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, fügte Thiele hinzu; mit dem Film habe er der Nachwelt demonstrieren wollen, wozu er bei – seiner Meinung nach – unbotmäßigem Verhalten von Frauen imstande sei.

„Krasse Selbstsucht“ und „hochgradige Gewalttätigkeit auch gegenüber früheren Freundinnen“ attestierte Anwältin Andrea Wegert dem Angeklagten. Die Tat in dem Barsinghäuser Ortsteil Langreder nannte sie „ekelhaft, abartig, widerwärtig“. Wegert wies darauf hin, dass F. schon als 17-Jähriger eine damals 15-Jährige gequält hatte. Er habe das Mädchen geschlagen, gebissen, vergewaltigt und eingesperrt – ohne jegliche Beeinflussung durch Drogen.

Hier hatte auch schon Staatsanwältin Vieregge angesetzt. Ebenso wie der psychiatrische Sachverständige Tobias Bellin zeigte sie sich überzeugt, dass der Täter trotz seines Drogenkonsums zur Tatzeit „komplex agiert“ habe und sein Verhalten steuern konnte. Seine Behauptung, einen „Filmriss“ gehabt zu haben und sich nicht an die Tat erinnern zu können, sei nur eine Schutzbehauptung. Sie bescheinigte F. einen starken Mangel an Einfühlungsvermögen und eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung“; der Gutachter hatte bei dem 33-Jährigen einen „parasitären Lebensstil“ diagnostiziert.

Das letzte Wort an diesem Tag hatte der Angeklagte. Mit stockender Stimme entschuldigte er sich bei den Angehörigen des Opfers, sagte, dass er sich selbst für die Tat verachte: „Ich schäme mich bis auf die Knochen.“ Wenn er sich in anderer Gestalt auf der Straße sähe, würde er sich „anspucken“. Auch wenn er bei der Tat „zugedröhnt“ und übermüdet gewesen sei, wolle er sein Verhalten nicht auf den Drogenkonsum schieben. Am
2. April wird die Schwurgerichtskammer dass Urteil verkünden.

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