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Aus der Stadt Hoffnung für Tiefenbohrung
Hannover Aus der Stadt Hoffnung für Tiefenbohrung
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06:15 15.06.2012
Von Bernd Haase
Der Sicherheitsverschluss über dem Bohrloch in Lahe. Quelle: Rainer Droese
Hannover

Die Zukunft von Hannovers Erdwärmebohrung in Groß-Buchholz ist weiterhin unklar. Mithilfe eines externen Gutachtens will die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe jetzt ermitteln, ob das sogenannte Genesys-Projekt weitergeführt werden kann, das wegen Versalzungen derzeit ruht. Die Expertise soll Mitte August vorliegen, eine endgültige Entscheidung dann Ende September getroffen werden. Bislang sind für Genesys 17 Millionen Euro ausgegeben worden; der Gesamtetat liegt bei 24 Millionen Euro.

Das Erdwärmeprojekt auf dem Gelände der Bundesanstalt am Stilleweg verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Es soll erhellen, ob die umweltfreundliche Energieform auch in Norddeutschland wirtschaftlich genutzt werden kann, wo die geologischen Verhältnisse ungünstiger sind als im Süden.

Dazu haben die Techniker ein 3900 Meter ins Erdinnere reichende Loch gebohrt und sind damit zum tiefsten Punkt vorgedrungen, den Maschinen unter Hannovers Erde je erreicht haben. Durch diese Bohrung haben die Techniker im Sommer Wasser aus dem Mittellandkanal mit einem Druck von 400 bar - dem etwa 200-fachen desjenigen, der in einem Autoreifen herrscht - in die Tiefe gejagt. Es sollte sich im Erdinneren erhitzen und dann durch den äußeren Ring der Bohrung wieder nach oben gefördert werden. Mithilfe von Wärmetauschern sollte das Zentralgebäude der Bundesanstalt mit seinen 1000 Arbeitsplätzen geheizt werden. Das erkaltete Wasser wollten die Techniker wieder in den Untergrund pumpen.

Das Wasser ist zunächst mit einer Temperatur von 160 Grad nach oben gekommen - sie lag damit höher als erwartet. Trotzdem mussten Projektleiter Johannes Peter Gerling und seine Mannschaft das Projekt im Dezember stoppen. Das Wasser hatte unerwartet Salze im Untergrund gelöst. Dieses kristallierte weiter oben und bildete in etwa 650 ,Metern Tiefe Pfropfen. Damit ist die Wasserzirkulation nicht mehr möglich.

Eigentlich sollte das Loch bis Ostern freigespült sein, wovon man jedoch aus Kostengründen Abstand genommen hat. Erstens schlägt der notwendige Einsatz von Spezialfirmen zu Buche, zweitens müsste das salzhaltige Spülwasser an der Erdoberfläche kostenaufwändig als Sondermüll entsorgt werden. Bevor so etwas geschieht, sollen die Gutachter unter anderem ermitteln, woher das Salz genau kommt und wie gegebenenfalls eine erneute Pfropfenbildung zu verhindern ist.

Immerhin, so heißt es von der Bundesanstalt, habe man mit Genesys in jedem Fall etwas gelernt - beispielsweise dass das neuartige Konzept mit nur einem Bohrloch prinzipiell umsetzbar ist. Auch müsse ein Scheitern des hannoverschen Projektes nicht prinzipiell das Aus für Erdwärmenutzung in Norddeutschland bedeuten. Die geologischen Verhältnisse im Untergrund seien von Standort zu Standort unterschiedlich, lautet die Begründung. Nicht überall müssten Bohrungen zwangsläufig versalzen.


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