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Aus der Stadt „Nimm das, Baumstamm!“
Hannover Aus der Stadt „Nimm das, Baumstamm!“
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00:15 17.05.2015
Die Sägen kreischen, die Männer schwitzen: Timbersport auf der Ligna.  Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Atmen, ausholen, hacken, atmen. Immer wieder. Robert Ebners Wangen pusten sich bei jedem Schlag auf, drohen zu platzen, die Späne fliegen ihm ins Gesicht. Und dann holt er wieder aus. Beim Auftakt der Stihl Timbersports-Meisterschaft im Sportholzfällen auf der Holzmesser Ligna gibt es nur ein Ziel: Auf den Stamm einhacken, bis er durch ist, und die Baumscheibe absägen, bis sie zu Boden fällt. Alles geht nach Zeit, sechs Disziplinen, 18 Teilnehmer.

Hunderte Zuschauer sind am Donnerstag auf das Freigelände unter dem Expo-Holzdach gekommen, aus den Lautsprecher knarzen AC/CD mit „TNT“, und hinter der Bühne dröhnt immer irgendeine Säge. Ebner atmet auf, er gewinnt die erste Disziplin. „Ich hab’s im Fernsehen gesehen und wollte das auch mal probieren“, sagt der 29-jährige Forstwirt aus Unterfranken. Das war 2006, und aus Probieren wurde Siegen. Ebner wurde viermal Deutscher Meister, einmal Vizeweltmeister und gilt auch in diesem Jahr als Favorit. Dafür trainiert er täglich bis zu drei Stunden. Denn der Sport, der seinen Ursprung bei Holzfällern im australischen Tasmanien hat und 2001 nach Deutschland kam, ist anspruchsvoll. „Man braucht Technikverständnis, handwerkliches Geschick und eine gewisse Grundfitness“, sagt Ebert. Grundfitness ist untertrieben. Bei vielen der Männer ist nicht klar, was dicker ist: Ihre Oberarme – oder die Baumstämme, die sie durchsägen.

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Bei der Holz- und Forstwirtschaftsmesse Ligna in Hannover treffen die besten deutschen Sportholzfäller erstmals in dieser Saison aufeinander.

Nur auf Kraft komme es aber nicht an, betont Svenja Bauer. Die 32-Jährige aus Niddertal bei Frankfurt hat keinen Job in der Forstwirtschaft wie die meisten Wettkämpfer, sondern ist Sachbearbeiterin. „,Was du? Das glaubt man ja gar nicht bei deiner Statur’, meinten meine Kollegen im Büro“, erzählt sie lachend. Bauer stieß im Internet aufs Holzfällen und begann vor sechs Jahren mit dem Training. Das erfordert bisweilen ungewöhnliche Methoden. „Ich habe mich bei uns im Ort in eine Scheune eingemietet – dort säge und hacke ich regelmäßig.“ Beim Sportholzfällen ist sie Pionierin, sie war die erste Frau in Deutschland. Doch sie ist auch fast die einzige – bisher hat sie nur eine weitere deutsche Konkurrentin. Das wundert Bauer, denn der von den Australiern dominierte Sport hat sich etabliert in den vergangenen Jahren. Er wird regelmäßig im Fernsehen übertragen und hat weltweit viele Tausend Anhänger. Außerdem müssten Frauen vor Timbersport keine Angst haben, sagt Bauer. „Ich habe mich noch nie verletzt“.

Auch Ebner hat noch nie eine Verletzung davongetragen. Jetzt steht für den 29-Jährigen die letzte, brachiale Disziplin an. Beim „Hot Saw“ müssen drei Holzscheiben geschnitten werden – mit dem Ferrari unter den Sägen, einer getunten Motorsäge mit 80 PS und 240 Kilometern Kettengeschwindigkeit pro Stunde.

Schon seit fünf Stunden kämpft Ebner um den Sieg. Wenn er gewinnt, sind seine Chancen gut, sich für die Deutsche Meisterschaft in Köln zu qualifizieren. Und Ebner führt nach fünf Disziplinen. Doch bei „Hot Shaw“ springt die Kette seiner Säge ab, Ebner wird nur Zweiter. „Aber das ist ok“, meint er.

Von Sabrina Mazzola

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