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Aus der Stadt Hier legt der Hooligan-Aufmarsch die City lahm
Hannover Aus der Stadt Hier legt der Hooligan-Aufmarsch die City lahm
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09:42 16.11.2014
Von Tobias Morchner
Der gesamte Fernbusverkehr wird wegen der Demonstration auf dem ZOB heute verlegt.
Der gesamte Fernbusverkehr wird wegen der Demonstration auf dem ZOB heute verlegt. Quelle: dpa
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Hannover

5000  Teilnehmer aus dem Bundesgebiet, insbesondere aus Nordrhein Westfalen und Mitteldeutschland, werden erwartet. Ihnen stehen nach HAZ-Informationen mindestens ebenso viele Polizisten gegenüber. „Das ist einer der größten Polizeieinsätze der Geschichte, ausgenommen der Expo“, sagt ein Polizeiführer.

Geschäftsleute und Ladenbetreiber rund um den Versammlungsplatz haben sich am Freitag auf die Hooligan-Demo in Hannover vorbereitet. André Scholz, der Direktor des Novotels in der Rundestraße, ordnete aus Sicherheitsgründen die Schließung der Herberge von Samtagmittag bis zum Sonntag an. Zudem ließ er die Fensterfront des Hotels mit Holzplatten schützen. „Unsere Gäste buchen wir entweder in unser Schwesterhotel um. Allen anderen, die nicht unbedingt nach Hannover kommen müssen, raten wir, zu Hause zu bleiben“, sagt Scholz. Auch Café-Betreiber Stavros Dimou, der sein Geschäft in der Rundestraße hat, hat heute einen ungewollten freien Tag. „Ich räume das Inventar rein und lasse das Café zu – vermutlich würde ja sowieso keiner kommen wegen der Demo“, sagt er.

Aus Angst vor möglichen Schäden durch die HoGeSa-Demo am Sonnabend werden die Glasfassaden mit Holzplatten geschützt. Auch im Verkehr werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

Feuerwehr stockt Personal auf

Die Feuerwehr hat sich ebenfalls auf einen äußerst arbeitsreichen Tag eingestellt. „Wir sind auf ein erhöhtes Einsatzaufkommen vorbereitet“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Die Brandbekämpfer, die auch für den Rettungsdienst zuständig sind, haben ihr Personal aufgestockt und stellen zusätzliche Fahrzeuge bereit. „Wir sind zudem in ständigem Kontakt mit der Polizei, um schnell reagieren zu können“, sagt Hintz.

Auch das Amtsgericht Hannover hat sich auf die Hooligan-Demo vorbereitet. „Wir haben den Personalbestand verdreifacht“, sagt Gerichtssprecher Jens Buck.

Parkhäuser sind 
geschlossen

Das Parkhaus im Hauptbahnhof ist von den Sperrungen wegen der Demo ebenfalls betroffen. Ab 7 Uhr ist die Einfahrt von der Rundestraße aus bis zum Ende der polizeilichen Maßnahme nicht mehr möglich. Die Ausfahrt dagegen ist jederzeit möglich. Gesperrt ist ebenfalls die Tiefgarage am Raschplatz in der Berliner Allee.

Bürgertelefon 
der Polizei

Auch heute hat die Polizeidirektion das Bürgertelefon geschaltet. Unter der Nummer (05 11) 4 73 50 39 39 00 können Betroffene zwischen 8 und 17 Uhr ihre Fragen direkt an Mitarbeiter der Behörde stellen.

Einschränkung für Bahnreisende

Trotz der Demo auf dem ZOB soll der normale Betrieb im Hauptbahnhof heute nicht beeinträchtigt sein. Alle Geschäfte in der Ladenzeile haben geöffnet. Bahnreisende werden durch Absperrgitter und Beamte der Bundespolizei zu ihren Zügen gebracht. Der Zugang von der Passarelle in die Bahnhofshalle ist ausschließlich über die Rolltreppen im hinteren Teil des Bahnhofs möglich. Alle anderen Aufgänge sind gesperrt. Die Teilnehmer der HoGeSa-Veranstaltung werden auf den Gleisen von den Beamten in Empfang genommen und durch die Posttunnel zum Versammlungsort gebracht.

Alkoholverbot im Bahnhof

Die Bundespolizei hat für die An- und die Abreise der Hooligans ein striktes Alkoholverbot erlassen. Das gilt auch für sämtliche Bahnhöfe, von denen aus sich Teilnehmer in Richtung Hannover auf den Weg machen. Auch im Hauptbahnhof der niedersächsischen Landeshauptstadt darf heute zwischen 8 und 14 Uhr kein Alkohol getrunken werden. Zudem gilt ein striktes Verbot von Glasflaschen und anderen Behältnissen, die als Wurfgeschosse dienen könnten. Für die Getränkehändler im Bahnhof bedeutet das viel Arbeit. „Wir werden in der Nacht zu Sonnabend alle Getränke, die in Glasflaschen abgefüllt sind, wegräumen“, sagt ein Kioskbetreiber. Für ihn und seine Kollegen wird das Verbot enorme Umsatzeinbußen mit sich bringen. „Erst der Bahnstreik und jetzt die Hooligans – das ist bald nicht mehr witzig“, sagt er.

Fernbusse starten vom Üstra-Busdepot

Der gesamte Fernbusverkehr wird wegen der Demonstration auf dem ZOB heute verlegt. Die Busse steuern das Busdepot der Üstra in der Vahrenwalder Straße an. Die Regiobusse, die normalerweise am ZOB halten, fahren heute vom Goetheplatz ab. Auch auf den Linien 100/200, 120, 121, 128 und 134 kann es wegen der anderen Demonstrationen den ganzen Tag über zu Beeinträchtigungen kommen.

Kinos am Raschplatz öffnen erst um 18 Uhr

Die beiden Kinos am Raschplatz haben ebenfalls auf die besondere Sicherheitslage am Sonnabend wegen der Hooligan-Demo reagiert. Das Cinemaxx und das Kino am Raschplatz haben tagsüber geschlossen und öffnen erst um 18 Uhr ihre Säle. Bereits gekaufte Tickets können im Cinemaxx bis zum 30. November zurückgegeben werden. Kunden, die ihre Eintrittskarten im Internet erworben haben, sollen sich per E-Mail an folgende Adresse wenden: www.ticket@cine
maxx.com. Auch das Kino am Raschplatz nimmt bereits gekaufte Karten für die ausfallenden Vorstellungen zurück.

Straßensperren rund um den ZOB

Rund um den ZOB werden heute wegen der Demo einige Straßen gesperrt. Betroffen sind die Berliner und die Hamburger Allee, einschließlich der Raschplatzhochbrücke in beiden Richtungen zwischen der Celler Straße und der Königstraße, die Lister Meile vom Ernst-August-Platz bis zur Rundestraße sowie die Rundestraße selbst.
Zudem ist auch die Fernroder Straße vom Ernst-August-Platz bis zur Rundestraße nicht befahrbar. In der gesamten Innenstadt kann es wegen der verschiedenen Demonstrationen zu Verkehrsbehinderungen kommen.

Kaufland 
bleibt geschlossen

Die Filiale der Supermarktkette Kaufland am Raschplatz bleibt heute aus Sicherheitsgründen den ganzen Tag über geschlossen. Das gilt auch für alle anderen Geschäfte in dem Gebäudekomplex. Ebenfalls von der Schließung betroffen ist das Kaufland-Parkhaus in der Rundestraße. Die Fenster der Fassade sollen zudem mit Brettern vor Vandalismus geschützt werden.

Polizei rechnet mit Ausschreitungen

Die Demonstration der Hooligans und der Rechtsextremen ist zwischen 12 und 16 Uhr auf dem gesamten Gelände des zentralen Omnibusbahnhofs geplant. Die Rundestraße wird deswegen gesperrt. Das Verwaltungsgericht und die Polizei haben den Veranstaltern extrem hohe Auflagen gemacht. So müssen alle Teilnehmer einzeln durchsucht werden. Alle Ordner müssen sich einem Alkoholtest unterziehen. Wer mehr als 0,3 Promille hat, darf die Funktion nicht ausüben. Deswegen darf bezweifelt werden, ob die Demo pünktlich beginnen kann. Die Polizei geht weiterhin von rund 5000 Teilnehmern aus und rechnet damit, dass es rund um den Bahnhof zu Ausschreitungen kommt.

Verwaltungsgericht schmettert Klagen ab

Das juristische Gerangel um die Auflagen der Polizei für die Hooligan-Demo hielt auch am Freitag an. Die Organisatoren der sogenannten HoGeSa-Veranstaltung erlitten am Freitag eine Niederlage vor dem hannoverschen Verwaltungsgericht. Sie hatten gegen das Auftrittsverbot der in rechtsradikalen Kreisen äußerst beliebten Band Kategorie C auf dem ZOB geklagt. „Die Band würde das Risiko eines unfriedlichen Verlaufs der Versammlung erheblich erhöhen“, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts. Ferner wollten die Hooligans nicht akzeptieren, dass sie der Polizei vor Beginn der Demo einen genauen Ablaufplan vorlegen müssen. Darüber hinaus klagten sie gegen das Verbot, während der Veranstaltung Embleme oder Tätowierungen mit Bildern von Totenköpfen zu zeigen. Das Gericht schmetterte auch diese Klagen ab.

Üstra zeigt Film
 gegen Rassismus

Die Üstra setzt wegen der Hooligan-Demo ein besonderes Zeichen gegen Rassismus. Im Fahrgastfernsehen in den Stadtbahnen wird heute ein kurzer Spot gezeigt, in dem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens aus 17 verschiedenen Nationen zu sehen sind. „Wir sind ein weltoffenes Unternehmen, in dem es keinen Platz für Vorurteile gibt“, sagt Üstra-Vorstand André Neiß.

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